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Kurzbeschreibung

[Konzeption von Ausstellung und Katalogbuch: Peter Assmann …]


„In der Wiese liegen und mit der Seeele baumeln“, lautete einst der Slogan eines Plakats der Österreichwerbung: Ein schöner Sommertag, kaum ein Wölkchen am strahlend blauen Himmel, weich gebettet liegt ein Jüngling auf dem Rücken im saftigen Grün einer Wiese und blickt träumerisch empor.

Etwa zur selben Zeit liegt ein anderer Jüngling ebenfalls im Gras, auf dem Bauch, flach ausgestreckt. Sein Gesicht ist ganz nah an den Halmen. Auch er vermeint zu träumen; allerlei Kleingetier, Raupen, Käfer, Ameisen, Heuschrecken, wachsen in extremer Nahsicht zu ungeahnter Grösse und verwandeln sich in bedrohliche Monster. Das „Rasenstück“, das der junge Akademiestudent Gunter Damisch nach diesem Erlebnis malt, ist ebenso weit entfernt von Albrecht Dürers berühmter akribischer, fast naturwissenschaftlicher Studie wie von den Klischees der Heimatwerbung.

Das Bild „Kreucht und Fleucht“ aus dem Jahr 1979 ist zwar noch kein „typischer Damisch“, aber es enhält doch einige Aspekte, die dann im späteren Schaffen des Künstlers immer wieder auftauchen werden.

Zwei Jahre später entsteht im Zusammenhang mit der gleichnamigen Mappe von fünf Radierungen das Bild „Die Reise auf die Palmenkrone“. Ein kaum zu bändigender phantasiereichtum, eine erzählfreude, die sich auch auf den Bildtitel erstreckt, charakterisieren das kleinformatige Werk ebenso wie ein extremer Humor vacui: Eine Unzahl von linearen Zeichnungen und Formen, manche erkenn- und deutbar, andere noch im Unbestimmten belassen, überzieht das Bild und schafft ein fast unentwirrbares Farbgeflecht, wie es dann bei fast allen Arbeiten von Damisch beobachtet werden kann. Dieses Farbgeflecht, dieses Farbflimmern, bestimmt sogar die fast monochromen „Felder“, die Damisch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre erarbeitet, etwa „Weißfeld“, 1988, oder den kurze Zeit später entstandenen „Weißen Gehörnplatz“.

Es sind nun aber nicht die Linien und Zeichen, die neben oder übereinander verlaufend gleichsam ein Farblabyrinth bilden, sondern es ist die Farbe selbst – mit ihren Anhäufungen, mit ihren Verkrustungen, die immer wieder tiefe Schichten, darunterliegende Farbballungen aufblitzen lassen und deren Gipfel und Täler das darauffallende Licht ganz unterschiedlich reflektieren, – die nahe legt, daß in jeder Farbe alle anderen enthalten sind. Diese Formbildung durch die Farbe selbst wird besonders deutlich bei den Kleinformaten, etwa „Punktefeld“ von 1986, läßt doch schon deren relativ kleine Bildfläche die Farbe fast unmittelbar als Masse erfahren.