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Aus der Bahn, im Schnee, mit David und Erna, mit Pferd, im Kaufhaus, mit indischen Steinen, fünf Witwen, unter der Brücke, im Garten, auf der Straße, mit Torso

Elf Portraits

Ingrid und Christian Mitterecker

ISBN: 978-3-85252-500-6
21 x 15 cm, 62 S.
€ 12,00
Lieferbar

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Kurzbeschreibung

Portrait mit indischen Steinen

Früh erwachte ich und lief ins Großezimmer, das so genannt wurde, weil es das größte Zimmer unseres Hauses war. Einst bewohnten es meine Großeltern. Da waren fingerbreite Spalten zwischen den Brettern des Holzbodens, darunter Staub und Dreck, was hineinfiel, war für immer verloren. Oma und Opa waren schon lange tot, das Zimmer stand leer. Von hier konnte ich bis zum Kirchplatz sehen. An jenem Sonntag war Kirtag. Die Standeln reichten bis in unsere kleine Sackgasse.

Ich wünschte mir einen Ring. Ich kaufte einen mit einem grünen Schmetterling, sein dunkles Smaragdgrün sprang mir sofort ins Auge. Der erste Ring meines Lebens. Und dann gleich zum Autodrom. Alles andere interessierte mich nicht. Die Autodrom-Männer waren alle braun gebrannt. Lange Haare, Stirnband, richtige Abenteurer, sie faszinierten mich und ich musste sie immerzu anstarren. Nicht einmal zu Mittag ging ich heim. Tante und Onkel, meine Taufpaten, stöberten mich auf und fragten mich, ob ich schon was gegessen hätte. Ich antwortete nicht, weil ich sie nicht anlügen wollte. Wir gingen zum Steckerlfischstand. So viele Leute warteten, dass wir uns anstellen mussten. Auf Biertischen, die um das Kriegerdenkmal herum aufgestellt waren, aßen wir schwarz angekohlten Fisch. Sie kauften mir türkischen Honig. Bei einer Schießbude fragte mich mein Taufpate, ob ich mir was schießen möchte. Ich wollte nicht. Er nahm das Gewehr, zielte und traf eine Rose. Für mich. Mit der Rose in der Hand stand ich wieder allein beim Autodrom und wünschte sehnlichst, dass mich jemand zum Mitfahren einladen würde. Dieselbe Musik dröhnte über das Menschengewühl.