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Kurzbeschreibung

Robert Neumüller ; Ingrid Nagl-Schramm ; Wolfgang Stickler


Hättest Du das gewollt? Hast Du es geahnt, befürchtet? Jedenfalls hast Du Dich geärgert, wie mit anderen, von Dir bewunderten Künstlern, umgegangen wurde, als sie nicht mehr lebten. Die vielen tausend Meter Film, die einer verdreht hat für seine Proben, für seine Versuche, für die Vorbereitung seiner Arbeit, in der wir später gebannt verfolgen können, wie genau Leichtigkeit geplant werden muss. Diese Sorgfalt, die wahnwitzige Selbstkritik lässt sich dann vermarkten. Du hattest Verachtung für das Hinterher, fürs Darüberreden und Darüberschreiben, die »Zitatentüte«, für das, was die Wiener das »Nachwassern« nennen.
Jetzt wird Dir nachgewassert.

Es ist gut sich zu erinnern. Das Loch, das Du hinterlassen hast, wird vielen schmerzhaft bewusst. Und niemand weiß, wie sehr Du gerungen hast um die Atemluft, die Du für diese Deine Arbeit gebraucht hast.

Wieviel Kraft hat es Dich gekostet, Deine Träume zu bewahren gegen alle Widerstände, gegen Verunglimpfung, Zynismus, Lüge, auch gegen das schleichende Gift von Neidern und Machthabern.

»Das Problem des Künstlers ist es, dass er sein ganzes werktätiges Leben versucht, auf das poetische Niveau seiner Träume zu kommen«, so hast Du das ausgedrückt. Das poetische Niveau – wir erleben es in Deinen Filmen. Da ist die Begeisterung fühlbar, die Du Dir trotz allem bewahrt hast. Die Begeisterung und die Liebe. Du warst ein Liebender, einer, der bis zur Selbstaufgabe das liebte, woran er arbeitete. Die hämische, misstrauische Verachtung und das Gelächter, das Liebenden gerade in diesem Gewerbe begegnet, nahmst Du in Kauf. Du warst bereit, das Risiko, die Konsequenz eines Liebenden zu tragen. Eines Menschen, der das Gefühl nicht leugnet. Du warst maßlos in Deinen Forderungen, nicht nur Deinen Auftraggebern, Deinen Mitarbeitern gegenüber, auch den Menschen gegenüber, die Dir die nächsten waren. Du warst unbequem, aber Du wolltest nicht bequem sein. Auch Dir selber nicht. Die Gewohnheit hast Du verabscheut, weil sie uns unterstützt, Wahrheiten klein zu halten und wie nebenbei zu handhaben.

Gefühle klein zu machen, dadurch lau zu werden und das heißt, sich nicht herzugeben, sich nicht wirklich einzulassen. Sich nicht zu riskieren. Du hast etwas verantworten wollen und das meinte, Dich und die anderen bis zum letzten zu fordern. So warst Du unerbittlich im Auffinden und Verbalisieren von Defiziten.

Wer hält das aus?
Nur wer die Liebe hat.
Feuer und Sehnsucht haben Dich begleitet, seit wir uns begegnet sind. Das bleibt. Das überdauert.


Rezensionen
derStandard.at:

[…] [Der "Schalldämpfer"], [d]iese 1969 begonnene und bis kurz vor seinen Tod weitergeführte Radio-Essay-Reihe machte Corti mit unnachahmlichen Timbre und geschliffener Formulierungskunst einer breiten Öffentlichkeit bekannt. "Eine sprachliche und stimmliche Kostbarkeit der Sonderklasse", nennt Gerd Bacher den "Schalldämpfer", "die größte Miniatur, die wir je hatten und (...) wahrscheinlich ein permanenter Verstoß gegen die im Rundfunkgesetz verankerte Objektivität."

Nachlesbar ist dieses Statement des ehemaligen ORF-Generalintendanten neben einer Fülle von weiteren Interviewpassagen in dem von [Robert] Neumüller und [Wolfgang] Stickler gemeinsam mit Ingrid Schramm in der Bibliothek der Provinz herausgegebenen Buch "Axel Corti - Filme, Texte und Wegbegleiter". Hier sind, ergänzt mit vielen schönen Filmbildern und manchem interessanten Dokument, alle im TV-Porträt gemachten Aussagen ebenso nachzulesen wie ein Teil des vielen Materials, das dem Schneiden zum Opfer fallen musste. Auch die private Seite des in Paris geborenen und dort, in der Schweiz und in Liechtenstein aufgewachsenen Künstlers wird ein wenig beleuchtet - etwa die Umstände, unter denen der als Leopold Karl Anatole Axel Fuhrmans Geborene zu seinem auf den Namen Corti lautenden Pass kam.

[…]

(Rezension in: Der Standard, 26. Dezember 2003)


http://derstandard.at/1519771/Todestag-von-Axel-Corti