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Kurzbeschreibung

Auf der einen Seite standen die, die fleißig, gehorsam, gottesfürchtig, ehrbar, sittsam und still waren, die anderen – und das war in der Regel der größere Anteil – taugten als Dienstboten. So war es seit altersher eingeteilt und niemand rüttelte daran.

Wer die Nanni kannte, mochte kaum glauben, dass auch sie einmal jung gewesen war, mit dichten blonden Zöpfen und blitzenden Zähnen.

Irgendwann hatte sich das Alter wie ein grauer faltenreicher Mantel um ihre Schultern gelegt und sie maß die Zeit nicht mehr nach Jahren.

Es war ein Traum, der sich wie der Herbstnebel auflöste, dass sie vor einer Ewigkeit als junge Bäuerin in den Sonnleitnerhof eingezogen war.

Ein Bündel aus Glück und Verliebtheit hatte sie sich geschnürt. An der Schwelle zu ihrem neuen Daheim mußte sie schon etliches davon ablegen.

Die Sonnleitnerin ließ keine Zweifel aufkommen, wer hier das Sagen am Hof hatte, und die junge Frau war fleißig und gehorsam, die Gottesfurcht wurde ihr eingetrichtert und still wurde sie mit den Jahren.

Die Nanni hatte schon frühzeitig gelernt, sich um ihre zahlreichen Geschwister zu kümmern, sie half immer und überall und wurde auch nicht müde, abends ihren kleinen Brüdern eine Geschichte zu erzählen. Die Mutter vermerkte es dankbar und war sicher, dass der liebe Gott das Dirndl schon richtig dafür belohnen werde. Als die Nanni den Gottfried kennenlernte und er ihr die Ehe versprach, willigte sie mit Freuden ein.

Eine fleißige Bäuerin wollte sie werden und ihren Kindern eine liebevolle Mutter …