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Kurzbeschreibung

Hrsg. von Agnes Husslein-Arco und Veronika Pirker-Aurenhammer


Der glücklich zurückgewonnene Korbinianaltar ist ein Unikum unter den zahlreichen Retabeln der Spätgotik in Tirol. Er vertritt einen ganz ungewöhnlichen, noch wenig analysierten Altartypus, in dem sich die deutsche Vorliebe für den Flügelaltar mit einer Referenz an die oberitalienischen Polytychen verbindet. Außerdem steht nur dieses eine Mal eine Figur aus der Brixener Werkstatt Hans Klockers in einem Retabel des Brunecker Malers Friedrich Pacher. Dieses Zusammentreffen gilt als nachträglicher kunsthistorischer Zufall, doch spricht einiges dafür, dass alle noch vorhandenen Bestandteile tatsächlich zusammengehören.


Rezensionen
Herbert Pardatscher-Bestle:

Manchmal beherbergen kleine Kirchen die größten Schätze, aber nur wenige wissen darum. Wie im Falle jener kleinen Wallfahrtskirche im Osttiroler Gemeindegebiet Assling, die ein Kunstwerk von Flügelaltar besaß, bevor er im Zuge einer neuen Mode nicht mehr in die Kirche zu passen schien und beiseite geschafft wurde. Sprichwörtlich beiseite geschafft und dabei beinahe zerstört wurde er Jahrhunderte später, aus Unwissenheit, Dummheit, Hass auf das Alte oder Geldgier. Genaues über das Verschwinden von Teilen des Altares weiß man nicht, außer, dass Altarteile bei einem niederländischen Kunsthändler auftauchten. Das Schicksal wollte es, dass viele von dessen Kunstgegenständen der Raffgier der Nazis und von deren oberstem Kunstsammler Hermann Göring, oder besser Kunsträuber von Staates Gnaden, zum Opfer fielen. Allein die Odysse der Altartafeln aus dem Osttiroler Kirchlein in die Niederlande, von dort nach Deutschland, wieder zurück in die Niederlande, dann nach London und zurück nach Österreich würde Bände füllen und Stoff für einen Krimi erster Güte liefern.

Doch nicht allein von der Irrfahrt der Altarteile quer durch Europa ist in einem beachtenswerten und reich bebilderten Buch aus dem Verlag „Bibliothek der Provinz“ die Rede, sondern vor allem von deren Wiederentdeckung, der wissenschaftlichen Erforschung, der aufwändigen Restaurierung und dem Zusammenfügen aller Bestandteile zum ursprünglichen ganzen und einzigartigen „Korbinianaltar“. Die beiden berühmten Meister aus dem Pustertal, Friedrich Pacher der Kunstmaler und Hans Klocker der Bildhauer, würden wohl aus allen Wolken fallen, würden sie um das Schicksal ihres einzigartigen Kunstwerkes wissen. Kunstkenner, die Verantwortlichen der Tiroler Landesgedächtnisstiftung und das Bundesdenkmalamt machten möglich, was viele für unmöglich hielten: Die verschwundenen Altarteile konnten auf dem Kunstmarkt für eine Rückkehr nach Österreich angekauft werden, die aufwändige und kostspielige Restaurierung übernahmen Bundesdenkmalamt und Belvedere. Die Präsentation des fertig restaurierten Altares im Jahr 2010 im Belvedere und die Rückkehr an den ursprünglichen Ort in der Kirche von Thal-Assling waren ein Freudenereignis für jeden Kunstinteressierten, ja mehr, für jeden Österreicher.

Die wechselvolle und komplizierte Geschichte dieses einzigartigen Kunstwerkes wird in dem vorliegenden Buch aus dem Verlag „Bibliothek der Provinz“ in allen Details von Kunstsachverständigen und Restauratoren fachkundig dargestellt. Dabei beschreiben sie nicht nur bis ins kleineste Detail die Besonderheiten, sondern erläutern dem Leser auch dessen Entstehung und seinen kunsthistorischen Wert. Die zahlreichen, hervorragend gedruckten Bilder, viele von vergleichbaren Kunstwerken, präsentieren dem Leser die ganze Schönheit und Pracht des Altares, der mit seinen gemalten Tafeln und der Figur des heiligen Korbinian in der Mitte ein herausragendes Kunstwerk des späten Mittelalters und Zeugnis des außerordentlichen Könnens von Friedrich Pacher und Hans Klocker ist. Der aufwändig gestaltete Band ist ein wertvolles kunsthistorisches Dokument zu einem der schönsten und wertvollsten Flügelaltäre des Landes und sollte in keiner Sammlung kunsthistorischer Bücher zu Österreich fehlen!

(Herbert Pardatscher-Bestle, Rezension in: Bücherrundschau, [?])