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Kurzbeschreibung

Die fünfte Jahreszeit

So lange du da bist komm
du mein müder Körper du
fleischbepacktes Knochengestell
Nerven-Computer Stoffwechsel-Schlauch
du unbedankter Diener meiner Schritte
komm alter Knülch wir feiern
jetzt mit dir die fünfte Jahreszeit

Du kennst sie nicht und meinst
die 91 Tage und noch ein paar Stunden
auf oder ab des Jahrquartetts
seien gesetzt und genug und
was darüber geht sei nur
Gespinst und Phantasie und Irrtum
verrückter Rotation des Hirns

Komm nur so komm doch Alter
Was zählt schon Sonne oder Schnee
die Pflicht und Plage die uns trieb
Jetzt wollen wir endlich der Erde
das Loblied des Daseins singen
und unseren Augen die Schönheit
alles Geschaffenen gönnen

Den frechen Tod der mich erschreckt
hab ich verdammt und weggestoßen
Jetzt hockt er beleidigt vor der Tür
schleicht nächtens wie ein Dieb ums Haus
und späht voll Neugier in die Fenster
Es kommt der Tag da klopft er an
als Freund und wird willkommen sein
Doch heute ist die fünfte Jahreszeit
in die ich mit der Liebe meines Lebens
mit der Gefährtin aller Tage tanze
Komm Körper schmücke dich wie einst
die Braut im Hohen Lied des Salomo
Freu dich mit mir und unseren Kindern
und laß uns unsre Zukunft segnen


Beschädigter Krug

Wir sind verstaubte Krüge
deren abgebrochener Henkel
im Keller liegt

Wir sind gebrauchsfähig
denn wir sind dicht
Wir werden gefüllt

Mit Wasser mit Wein
mit Milch mit Freude
und mit Bitternis

Der Krug ohne Henkel
hält häufig länger
als jedes neue Gefäß