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Kurzbeschreibung

Mit Beiträgen von Martina Gelsinger, Katharina Jedermann, Heidemarie Uhl, Rainer Zendron, Renate Herter.


Zur Installation "Die Kinder"

Die Arbeit "Die Kinder" nimmt im Gesamtwerk von Renate Herter eher eine Sonderstellung ein. In ihren bisherigen ortsspezifischen Installationen hat die Künstlerin den von ihr "bespielten" Räumen entweder neue Bedeutungen zugewiesen oder verschüttete und verborgene Narrationen behutsam herausgearbeitet, bzw. neu interpretiert und (re)konstruiert.

In der Krypta der Ursulinenkirche nimmt die Künstlerin nun die vorhandene Aura des Raumes auf und lenkt die diffuse emotionale Aufladung des Ortes auf ein spezifisches historisches Ereignis, das mit diesem Ort nur sehr vermittelt verbunden ist. Die Motivation für dieses Vorgehen lässt sich aus der intensiven Beschäftigung mit der NS-Zeit erklären, die die Künstlerin gegen jede diffuse Gefühligkeit unduldsam werden ließ, ihre Arbeit dadurch aber umso nachhaltiger wirken lässt.

Das Ereignis, an das die Künstlerin hier erinnert, liegt 68 Jahre zurück: 420 jüdische Kinder, die mit den "Evakuierungstransporten" Anfang Februar 1945 von Auschwitz nach Gusen kamen, wurden sofort nach der Ankunft durch Herzinjektionen ermordet - drei Monate vor dem Ende des Krieges und der Naziherrschaft. Die Krypta der Ursulinenkirche wird so für 45 Tage - vom Aschermittwoch bis zum Karfreitag 2013 - in einen temporären Gedenkort verwandelt. Krypta und Aufbahrungsraum werden in ihrer Bedeutung aktualisiert und umgedeutet.

Eine Licht-Klang-Installation in der Krypta verwandelt Dunkelheit und Dumpfheit des Ortes durch sparsames Licht und Atemgeräusche in einen Ort der Meditation. Die Wände des Aufbahrungsraumes dagegen werden zum Leben erweckt durch projizierte Videoaufnehmen heutiger Kinder, die jedoch durch die Art der Projektion der Realität etwas entrückt zu sein scheinen.

(Katharina Jedermann)


Rezensionen
Oberösterreichische Nachrichten: Gedenk-Kunst

Alljährlich bietet die Linzer Ursulinenkirche in der Fastenzeit Künstlern einen Ort, um sich mit dem Thema "Gedenke des Todes" auseinander zu setzen. Eindrucksvoll tat dies im vergangenen Jahr die Künstlerin Renate Herter. Ihre zweiteilige Licht-Klang-Installation in der Krypta der Kirche erinnerte an 420 Kinder, die noch 1945 von Ausschwitz ins KZ Gusen transportiert und dort ermordet wurden. Nun liegt ein Bändchen vor, das dieses Kunstwerk mit Fotos und einer Audio-CD dokumentiert. Dazu kommt die Dokumentation des Projektes von Herter in St. Georgen/Gusen - im Gedenken an den im KZ ermordeten Priester Johann Gruber.

Für jene, die Herters Installation in der Ursulinenkirche vor Ort auf sich wirken ließen, ist der Dokumentationsband plus Audio-CD mit den dort gespielten Atemgeräuschen eine Möglichkeit, im Erinnern an das Erleben anzuschließen. Für jene, die das damals nicht konnten, fehlt aber der konkrete Ort der Krypta.

(Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, [?.] März 2014)