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Kurzbeschreibung

Alfons Jestl. [Ill.: Holzschn. von Thomas Resetarits]


Die Maske meine eine

du steigst in mich maske
ich steige in dich maske

wie eine föhre sich
windet aus der erde
steinigen sich wachsend
schraubt in die luft
der sonne zu
in der nacht
stern-mond-licht saugend

dicht dichter verdichtest
du in mir die irden-
erinnerungen der
getreidefelder

ich musste den wasserkrug tragen
und die garben-bänder legen
mit meinem kinder-fliegen-gewicht
den pflug die egge schweren
festlich dann am wein
verbotenen zu nippen
mir an der sense die
hand geschnitten

den alten gelauscht
die meisten gestorben
und doch in mir
sagst du mir maske
es blüht in mir
nichts ist verloren



Psalm

alles leben bewegt
sich

samen-ei-zellend
an-ziehend ab-

stossend tanzend
von-einander zu

auf-einander weg
embryo-blumen-haft

schmetterling-zell-
flug-teilend-ent-

faltend

bogen-spannend

kreist das du das ich
alles leben

bewegt sich
zerbrechend

schmerz-durch-zogen
zerhindert

von einfallenden schw-
arzen todes-geiern

des beharrens
erhebt sich wieder

und wieder
bis es ein-

tanzt auf-tanzt in
den kreis der parallelen-

treff-un-endlich-

bewegung gottes
und göttin




Rezensionen
Christiana Ulz: Ein genüssliches sprachexperimentelles Kratzen an der geschönten Oberfläche einer scheinbar unveränderlichen Wirklichkeit. (DD)


Ein akribischer Sprachbeobachter und sarkastischer Bilderstürmer macht sich über das Selbstverständliche her. Worthülsen werden als solche entlarvt, potemkinsche Idyllen zum Einsturz gebracht. Das sakral dem Menschlichen Enthobene wird hinterfragend mit Erfahrungsgewichten behängt und mit der Schwerkraft des sich hinwendenden Blickes auf die Erde geholt. Dazu werden Wort- und Grammatikgrenzen außer Kraft gesetzt, Wörter ineinander verschachtelt, die erwartete Reihenfolge verändert.

Auf den flüchtigen ersten Blick sperren sich die Deutungsangebote, bei näherem Hinsehen gerät jedoch der festgefügte Boden einer vorschnellen Interpretation in aufrüttelndes Wanken. Die experimentierfreudigen Textkorpora stehen im Gegensatz zu den auch optisch traditionellen Überschriften, was zwar die Verständlichkeit erhöht, aber zugleich dem Traditionsbruch die Spitze nimmt. Für alle, die sich nicht mit der Oberfläche des alltäglichen Lebens zufrieden geben und gewagte Sprachkonstruktionen zu schätzen wissen, sehr empfehlenswert.

(Christiana Ulz, Rezension für: bn.bibliotheksnachrichten, [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=16003&rezid=18848