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Kurzbeschreibung

[Hrsg. von Greta Aschermann]


Horst Aschermann sitzt in seinem Rollstuhl in meinem Atelier (ich will von ihm ein Portrait anfertigen). Den Kopf auf die Schulter gestützt, etwas seitlich hängend.

Seine Augen folgen den in den Regalen aufgestellten Figuren, werden unruhig, glasig, und seine Lippen sprechen eine Bitte aus in seiner leisen, mühsamen Art, die nur seine Frau versteht. Er bittet um Bleistift und Papier. Ich sehe, wie die Seele an seinen Fingerspitzen brennt, wie das Verlangen, den Bleistift über das Papier gleiten zu lassen, seine Hand ballt.

Sein gefangener Körper sucht nach Schattierungen, nach Linien, nach Möglichkeit, die Form zu erfassen. Es ist aber alles so mühsam geworden. Dennoch! Seine Finger umklammern den Stift. Es braucht viel Zeit, bis der Strich zustande kommt. Der Weg vom Anfangs-Punkt bis zum Schluss-Punkt ist für seine steif gewordene Hand unendlich lang, vor allem weil die Linie sich seinem Willen unterordnen muss. Richtige Stärke und richtige Biegung erhalten muss. Es ist aber alles so mühsam geworden.

Ich sollte mich auf das Modellieren konzentrieren, sollte an dem Portrait weiterarbeiten. Der Kampf um die Linie, der im Gesicht des Bildhauers stattfindet, fesselt mich dermaßen, dass ich vergesse, weiter zu arbeiten.

Auf einmal ein Satz. Eine ganz und gar bekannte Tatsache springt mich an und drängt sich in mein Bewusstsein. Wie eine Offenbarung: Ein Bildhauer. Horst ist ein Bildhauer!!

Der Satz hämmert sich in mein Hirn ein, als wäre er mir fremd. Es gibt kein Gebrechen, kein Zeitlimit, keine Kraft, die ihn hindern könnte, zu gestalten. Er muss seine Welt schaffen, seine Spur hinterlassen, um seine Seele dorthin zu bringen, wo die Signatur die Zufriedenheit mit dem Werk besiegeln soll.