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Kurzbeschreibung

… Das Leben im englischen Park wird nicht von Geometrien bestimmt, sondern vom Ursprünglichen, von der Idee einer Balance zwischen Mensch und Natur. Streminger gelingt es präzise sowohl darzulegen, dass in französischen Barockgärten die formale geometrische Ordnung das Hauptmerkmal ist, als auch begreiflich zu machen, warum für den englischen Park Licht und Schatten, gewundene Pfade, Bewegung und Abwechslung charakteristisch sind … (Georg J. Andree, in: Aufklärung & Kritik)


Rezensionen
Wilhelm Richard Baier: Zur englischen Gartenkunst

Die englische Gartenkunst ist das Generalthema, das Gerhard Streminger in seinem Buch „Ecce terra“ aus historischer, philosophischer und ästhetischer Sicht behandelt. Das Buch selbst gliedert sich in drei Abschnitte: Im ersten Teil wird eine abenteuerliche Ballonfahrt geschildert, wobei im Überflug Landschaft und Wetter von England beschrieben werden. Der zweite und umfassendste Teil befasst sich mit der Geschichte der englischen Gartenkunst, wobei philosophische und ästhetische Aspekte nicht ausgespart bleiben. Im letzten Kapitel wird als Quintessenz der historischen Entwicklung, die sich bewusst vom absolutistischen Barockgarten abheben wollte, Abschied vom Theozentrismus genommen, um beim naturnahen Landschaftspark anzukommen.

Nachdem im Eingangskapitel das England der Parklandschaften aus der Vogelperspektive betrachtet und beschrieben wurde, geht es zu den Ursprüngen der englischen Gartenkunst zurück, die sich einerseits als Opposition zum französischen Barockgarten verstand, und andererseits Anleihen bei antiken und italienischen Vorbildern nahm. Es ging nun nicht mehr um Symmetrie und einem absoluten Herrschaftsanspruch, sondern immer mehr um die Bedürfnisse der Pflanzen und der Natur selbst, sowie des Menschen, der sich darin bewegt. Denn die Aufgabe eines solchen Naturparks ist es auch, zur Kultivierung der menschlichen Natur beizutragen. Der englische Landschaftsgarten verfolgt daher nicht nur einen ästhetischen, sondern auch einen ethischen Anspruch.

Die Idee des Gartens als ideale Welt spiegelt sich ja bereits in den alten Mythen vom verlorenen Paradies wider. In der englischen Gartenarchitektur geht es auch darum, diesen Verlust zumindest in Ansätzen wieder auszugleichen. Dabei dient die Natur selbst als Vorbild. Man will sie verbessern, ohne ihr Zwang anzutun. Licht und Schatten sind die wesentlichen Gestaltungselemente.

Mit der Abwendung vom Theismus in der englischen Aufklärung schwindet auch die Verachtung der Natur, sie tritt nun in ihrer vielschichtigen Beziehung zum Menschen in den Vordergrund. Die Welt ist nicht mehr das, was uns von Gott trennt, sondern man kann nun Gott in der Natur finden. Damit erhält die lebendige Landschaft, in der sich der Mensch bewegt, eine positive Bedeutung, auch für uns Menschen. Letztendlich gipfelt diese Entwicklung in der Theozideefrage, die Streminger im letzten Kapitel kurz behandelt: Liest man im Buch der Natur, lässt sich darin nichts Übernatürliches finden. Ganz im Gegenteil: die Natur ruht in sich selbst und bedarf somit keines Schöpfers; eventuell aber eines Gestalters...

Gerhard Streminger hat Philosophie und Mathematik in Graz, Göttingen, Edinburgh und Oxford studiert. 1978 promovierte er in Graz zum Doktor der Philosophie sub auspiciis Praesidentis. Nach seiner Lehrtätigkeit an der University of Minnesota in Minneapolis habilitierte er sich 1984 in Graz für das Fach Philosophie. Seit 1995 ist er außerordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Graz. Streminger ist als engagierter Naturalist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Giordano Bruno Stiftung. Mit seinem kleinen Beitrag zur Geistesgeschichte der englischen Gartenkunst versteht es Streminger, den Menschen wieder ins Zentrum des natürlichen Geschehens zu stellen. Der englische Landschaftsgarten ist Ausdruck dieser Kehrtwendung hin zum Natürlichen und somit auch zum Menschen. Die Natur wird dabei inszeniert, aber nicht vergewaltigt.

(Wilhelm Richard Baier, Rezension in: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung, 65. Jahrgang, Nr. 251, April 2014, S. 57)


http://files.adulteducation.at/uploads/Zwielehner/OEVH/OVH_Magazin_251_01_2014.pdf

Helmut Walther:

In einer gediegenen und schön gestalteten überarbeiteten Neuausgabe ist das Buch des österreichischen Philosophen Gerhard Streminger nun wieder zugänglich.

In "Das Weite suchen" wird einleitend eine Ballonfahrt über Großbritannien vom Ärmelkanal bis zum schottischen Hochland geschildert, um zunächst einmal einen Überblick über die Landaschaft zu geben. Im zweiten Teil werden unter dem Titel "Die Gärten der Aufklärung" der französische Barockgarten und der englische Landschaftsgarten einander gegenübergestellt, hie strenges Maß und Beherrschung der Natur, dort eine Balance zwischen Mensch und Natur in gestalteter Naturnähe. Der Anhang fordert den "Abschied vom Theozentrismus" und eine Hinwendung zum Diesseits und den natürlichen Wurzeln des Menschen, und begründet diese Forderung vor allem mit der Theodizee-Problematik, an welcher jeder Glaube an einen gütigen und allmächtigen Gott - so Streminger - scheitern muss. In seiner bildhalften Sprache wie seiner denkerischen Stringenz gelingt dem Buch das seltene Kunststück, poetische Schilderung und Philosophie, Ästhetik und Ethik miteinander zu verbinden.

(Helmuth Walter, Rezension in: Aufklärung und Kritik. Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie, 3/2012, S. 272 f. [?])