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Kurzbeschreibung

‚Afrika in Österreich‘ ist das Thema des vorliegenden Textes.

Im Laufe des Romans begegnet die Ich-Erzählerin zwei Männern: Papá el Hadji Fabouré in Afrika und dem Afrikaner Jerome, der seit vielen Jahren ohne Papiere in Österreich lebt.

Die Verbindung, die sie schließlich mit Jerome eingeht, führt sie in ein Miteinander und gleichzeitig an die eigenen Grenzen: die Polizei dringt in die Wohnung ein, ein unbedarfter Anwalt macht Profit, politisch Verantwortliche verstecken sich hinter Paragrafen und Angehörige lüften ihren Rassismus.

Politische, mystisch-traumsphärische Texte, Sprachspielereien und Alltagstexte wechseln einander ab. Spiritualität verschränkt mit Alltag und Politik verbindet sich zu einem Sprachgewebe.


Rezensionen
Renate Sova:

Wie ist es für eine Frau, mit einem Asylwerbenden aus Afrika beisammen zu sein? Welche Schikanen, Bürokratie-Hürden und freche Fragen muss sie sich gefallen lassen, um ihn ehelichen zu dürfen? Welchen Belastungen ist sie durch den Alltagsrassismus, durch Vorurteile und inhumane Gesetzgebung ausgesetzt – neben den alltäglichen Problemen, die ihr Mann sowieso in dieser fremden Kultur erträgt?

Die Ich-Erzählerin schreibt ihren Gefühlen gemäß, wütend, kämpferisch, traurig, überfordert und bisweilen witzig. In Gedichten, Gedanken, Briefen, E-Mails und Prosatexten lässt sie uns LeserInnen an ihrer Entwicklung, ihrem Weg teilhaben. Gerda Sengstbratl stellt eine Verbindung her zwischen verschiedenen Welten – der traditionellen Geisterwelt der afrikanischen Vorfahren, den Beziehungswelten zu ihren Männern, der Angstwelt eines negativ beschiedenen Asylwerbers, der Bürokratiewelt Österreichs, der inneren Gedankenwelt der Autorin selber. Die Erzählerin lässt uns an zwei völlig verschiedenen Begegnungen mit zwei afrikanischen Männern teilnehmen: dem Einen, der in Afrika lebt, und dem Anderen, der ohne Papiere in Österreich lebt und um seine Aufenthaltsbewilligung kämpft. Sie entscheidet sich dafür, Letzteren zu heiraten. Das hat zur Folge, dass die Polizei ihre Wohnung durchsucht und partout Beweise sucht dafür, dass die Ehe nicht legal ist.

Das Buch ist unkonventionell geschrieben, Wortspielereien, Gesetzestexte, Liebesbriefe auf Deutsch und Französisch, Anwaltsbriefe und spirituelle Texte wechseln sich ab. Vieles geht über den Bauch, vieles geht über Auslassungen. Im Anhang finden sich Kochrezepte für Gerichte aus Nigeria. „Einer ist hier schon verrückt geworden“ ist der zweite Roman von Gerda Sengstbratl. Die Autorin ist bei der Initiative „Ehe ohne Grenzen“ engagiert.

(Renate Sova, Rezension in: Südwind-Magazin. Magazin für Internationale Politik, Kultur und Entwicklung, #12/2010)


http://www.suedwind-magazin.at/einer-ist-hier-schon-verrueckt-geworden

Petra Ganglbauer:

Gerda Sengstbratl arbeitet seit Jahren konsequent und kontinuierlich an programmatisch ausgerichteten literarischen Projekten: Sie verknüpft stets das Spirituelle mit dem Politischen, ihre Arbeit schillert nachhaltig - gerade weil die unter der jeweiligen inhaltlichen Oberfläche liegende Spur so absichtsvoll ist. Was Sengstbratl macht, ist politische Arbeit im literarischen Kontext. Und sie tut es auf erfrischend kurzweilige Art.

Im vorliegenden Buch stellt die Autorin die beiden Pole Afrika und Österreich einander gegenüber, zeigt die Unmöglichkeit dieser beiden Topoi und ihrer dahinterliegenden Gesellschaftsstrukturen auf, einander zu berühren, zu befruchten. Brisante Themen wie Migration, Integration ohne Anerkennung, Rassismus und Diskriminierung in Österreich flammen - Warnungen gleich - auf; in jener eigenwillig mithin auch trotzigen Sprache, welche die Arbeiten der Autorin ohnehin kennzeichnet.

Nicht selten gerät Literatur, die im Einzugsbereich von Gesellschaftskritik agiert, trocken und eindimensional: dieses Buch jedoch spiegelt Vielschichtigkeit, Vielstimmigkeit von nebeneinander stehenden, einander durchwirkenden oder einander ausschließenden Wirklichkeiten wider. Die Autorin führt Traum und Realität, Wunsch und Status Quo, Mythos und Politik zusammen. Eine feine ironische Schwingung durchzieht das Buch, eine Ironie, die gerade jene Funktion erfüllt, die die erneute Auseinandersetzung mit oben genannten Themen ermöglicht: Die Protagonistin kämpft für die Rechte ihre Mannes Jerome, eines Afrikaners, in Österreich.

Ein sensibles, farbenfrohes und sprachlich erfrischendes Buch, welches sich dadurch auszeichnet, dass es Gefühle freisetzt und dass es zudem jene (auch afrikanischen) Wurzeln sichtbar macht, die jenseits von unverrückbar scheinenden gesellschaftlichen Bedingungen uns tiefer, viel tiefer mit unserer Existenz verbinden.

(Petra Ganglbauer, Rezension für: Gangway Reviews, 12. November 2010)


Asyl aktuell: Österreich am Soundsovielten

Jerome und die Prinzessin Yennenga, Mutter der Mossi, vorher in Afrika: Papa, der später stirbt, Beamte der Fremdenpolizei, Anwälte, die Frauen von "Ehe ohne Grenzen", sie alle bevölkern Gerda Sengstbratls kurze Prosastücke. Sie erzählt die Geschichte einer Liebe in Zeiten der Abschottung und des Misstrauens. Afrika ist sehr nahe in diesem Roman, schwebt über dem Kampf um Verehelichung, um Aufenthalt, um Anerkennung. Träume wechseln mit Bittgesuchen, Eingaben an Ämter, "Erzählungen" und kurzen Beschreibungen des geteilten oder vielmehr verbundenen Alltags. Ein wunderschönes Buch, das wieder einmal zeigt, wie weit Literatur der reinen Schilderung von "Fällen" und "Schicksalen" überlegen ist.

(Rezension in: asyl aktuell. Zeitschrift der Asylkoordination Österreich, 3/2010)