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Kurzbeschreibung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit zwei gegensätzlichen und dennoch zentralen Elemente in Eugenie Kains Werk auseinander. Auf der einen Seite stehen in den Texten der Schriftstellerin die Schwere, das Alltagsleben, die soziale Realität und das durchschnittliche Leben. Auf der anderen Seite handeln die Erzählungen von Hoffnung, ungebrochenem Optimismus und der Sehnsucht der Protagonisten nach einer besseren Welt.

Als Metaebene zu den oftmals grauen, düsteren und nüchternen Schicksals- und Alltagsbeschreibungen ist im Werk als Konstante ein übergreifendes Naturmotiv zu finden, das sich durch die gesamten Texte zieht und das als Gleichnis für Hoffnung, Sehnsucht, ein Weitergehen, ein Gesunden, ein glückliches Abschiednehmen oder einen Neuanfang der Figuren stehen kann. Diese Theatisierung des Diesseits scheint in Eugenie Kains Prosatexten in den Motiven der Donau, des Meeres, des Regens, der Gewässer usw. in komprimierter Form auf.

Das Wasser in seinen vielen verschiedenen Erscheinungsformen steht in Kains Werk für ein Fließen, ein Weitergehen, für die Sehnsucht und als ein Symbol für Kraftschöpfung, mit deren Hilfe die Möglichkeit entsteht, Abstand zu Lebenskrisen und einen Weg für einen Neuanfang zu finden. Das Wassermotiv mündet in ein Ankommen, ein Durchatmen und ein Hoffnung-Schöpfen der Figuren.

In ihren Texten führt Eugenie Kain die ökonomischen Grausamkeiten und die soziale Realität in all ihren Facetten vor. Und sie zeigt Wege auf, wie das Leben leichter werden kann, in welchen Dingen oder an welchen Orten die Protagonisten Kraft finden, woraus sie Mut schöpfen und woran sie im Diesseits glauben, wenn sie sich vom Schicksal erdrückt fühlen und daran zweifeln, die Lebensherausforderungen bewältigen zu können. Eugenie Kains Literatur ist eine Literatur des Überlebens, der Lebens- und Leidensbewältigung.

Charakteristisch ist in diesem Zusammenhang, dass Eugenie Kains letzter grüßerer Text "Sonnenstadt" ursprünglich "Lunaplatz" heißen hätte sollen. Die Autorin hat den ursprünglichen Titel also heller, kräftiger, strahlender, positiver konzipiert, aus der Nacht also den Tag gemacht. Lunaplatz heißt der zentrale Platz in der Solarcity in Linz.

Eugenie Kains Werk ist auch in einem biografischen Zusammenhang zu sehen, ausschlaggebend dabei die Krankheit und der Tod des Vaters (1997), dann des Mannes (2002) und zuletzt die eigene Erkrankung, die ihr Werk zunehmend prägte. Dem sozialpolitischen Frühwerk mit seinen konkreten Ausrichtungen folgten im Werk der mittleren Lebensphase zunehmend die Abstraktion und die Auslassung. Auch was nicht formuliert werden will, gehört zu ihren Texten. Im Frühwerk Eugenie Kains ist die Dominanz sozialer Themen stärker ausgeprägt, ab dem Roman "Atemnot" verlagert sich die Themenwahl zunehmend auf die Konfrontation mit Krankheit und Tod. Linz spielte im Leben und im Schreiben Eugenie Kains eine bedeutende Rolle.

Eugenie Kain trat eher spät - sieht man von ihrer journalistischen Arbeit ab - an die literarische Öffentlichkeit. Sie war damals bereits 39 Jahre alt. Typisch für Autorinnen, deren Publizieren sehr häufig zeitversetzt zum Schreiben und erheblich später als bei Männern beginnt. Eugenie Kains Schaffen erstreckt sich, auf die belletristischen Veröffentlichungen ab 1999 bezogen, eigentlich nur auf elf Jahre. Freilich ist Eugenie Kain bereits seit dem 16. Lebensjahr literarisch tätig gewesen, ihr eigentlicher Durchbruch gelang aber eben erst mit 39 Jahren. Ihr Frühwerk ist mit dem Beginn des Schreibens ab 1976 (als Sechzehnjährige) anzusetzen, ihre mittlere Schaffensperiode fällt in dei Zeit von 1999 bis 2010 (ab den Buchveröffentlichungen), ein Spätwerk im herkömmlichen Sinn war ihr nicht mehr möglich.


Rezensionen
Dominika Meindl:

Einige Jahre sind seit dem Tod von Eugenie Kain vergangen, sie wird schmerzlich vermisst. Eva Pittertschatscher hat nun ein Buch über Kain veröffentlicht. Darin werden Abgrenzung wie Nähe zum Vater verhandelt. Es gibt Auskunft über Leben, Motive und Intentionen. Kains Schreiben ist geprägt von großer Gefühlsgenauigkeit. Es geht darin um das Alltagsleben von Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Zum anderen um den Optimismus, die Sehnsucht ihrer ProtagonistInnen. "Die Grundlage von Kains Schreiben ist die reale Welt", hält Pittertschatscher fest. Kain habe stets Anteil genommen; es handle sich bei ihr durchaus um eine "Renaissance der Literatur der Arbeitswelt". Aber auch die Natur spielt eine große Rolle. "Das Donauland gehört zum inneren Bild meiner Seelenlandschaft dazu." Im Mittelpunkt steht das Wasser, dem Pittertschatscher in ihrer Analyse sehr viel Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Die Abhandlung wirkt aufgrund der fast 300 Fußnoten oder diverser germanistischer Schleifen etwas zu akademisch. Das bildet einen gewissen Kontrast zu Kains sehr "konkretem", an der sozialen Realität orientiertem Schreiben. Für eine wissenschaftliche Arbeit ist das aber andererseits wiederum schön zu lesen. Etliche Faksimiles aus Kains Notizbüchern machen ihre literarische Arbeitsweise nachvollziehbar. Dazu kommen Bilder, Interviews und Zitate von KollegInnen. Die schönsten Beobachtungen stammen von Erich Hackl: "Sie rückt die 'kleinen Leute' ins Licht, und die Art, wie sie es tut, zwingt uns, diesen Begriff fallen zu lassen." Auch Pittertschatscher macht sich verdient und bietet tiefe und aufschlussreiche Einblicke. Sie erinnert an die Empfehlung: Kain lesen, immer wieder.

(Dominika Meindl, Rezension in: Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift des Oberösterreichischen Landeskulturreferates, [?])