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Kurzbeschreibung

»Die Menschen kommen plötzlich in Marschkolonnen mit einem Buch daher, das, wie man dem Gebrüll entnehmen kann, die einzige Wahrheit enthält. Dann tut man gut daran, abzureisen, oder, wenn das nicht möglich ist, sich die einzige Wahrheit anzugewöhnen und das Ungewohnte und befremdende zu vergessen.«


Rezensionen
Otto Johannes Adler: Sand für den anonymen Kulturbetrieb

Nach wie vor gilt es, den bekanntesten Unbekannten der österreichi­schen Literatur zu entdecken, nämlich Gerhard Amanshauser.

Gäbe es im Literaturbetrieb halbwegs (ach, halbwegs!) Gerechtigkeit, dann müsste Gerhard Amanshauser eigentlich schon lange - nebst einer großen Leserschaft - das zumindest gleiche Renommee besitzen wie z. B. Peter Handke oder Thomas Bernhard (um nur zwei Autoren zu nennen, die ebenfalls in Amanshausers Salzburg - wenn auch nur kurzzeitig - lebten). Aber natürlich war und ist Gerechtigkeit im Kulturbetrieb schon immer eine Illusion, gehen Verkaufszahlen und Qualität selten einher, und so verbleibt Amanshauser auch weiterhin primär ein hoch geschätzter Schriftsteller für Kollegen, die seine Könnerschaft schätzen.

Dieses Jahr wäre Gerhard Amanshauser (1928 - 2006) 80 Jahre alt geworden - ein Umstand, den glücklicherweise sein aktueller Hausverlag Bibliothek der Provinz zum Anlass nahm, vier weitere seiner längst vergriffenen Bände neu aufzulegen, teils sogar - und hier steigt das Interesse der langjährigen Fans - mit Novitäten versehen.

Kein neues Material bietet zwar der Band „Der Ohne-Namen-See" (Erstausgabe 1988), doch haben diese ironisch hintergründigen Erinnerungen an einen mehr wöchigen Aufenthalt in China Anfang der 80er-Jahre nichts an Frische und Charme verloren und sind unvermindert lesenswert. Einige Novitäten enthält hingegen „Der anachronistische Liebhaber", ein Sammelband mit früher Prosa, worin sich auch Übernahmen aus „Ärgernisse eines Zauberers" (Erstausgabe 1973) finden.

Verlegerisch noch verdienstvoller ist jedoch die Zusammenstellung „Fett für den anonymen Kulturbetrieb", welche erstmals eine Reihe von raren und verstreuten Essays bündelt, die zwischen 1963 und 2000 an zum Teil entlegenen Orten publiziert wurden und daher bislang nur schwer zugänglich waren. Auch hier erweist sich Amanshauser erneut als scharfsinniger Kunst- und Kulturkritiker, dessen Beobachtungen und Analysen (leider) noch immer derart aktuell erscheinen, als seien sie eben erst verfasst worden.

Besonders erfreulich ist die Neuausgabe von „Lektüre" (1991), nun sogar um einige Seiten aufgestockt und versehen mit dem neuen Titel „Sondierungen und Resonanzen". Diese lose aneinander gereihten Lektürenotizen, die innert weniger Jahre entstanden und Amanshauser eher zum Privatvergnügen schrieb, lassen nicht nur seine große Belesenheit und seine weitgefächerten Interessen (inklusive wissenschaftlicher Sachbücher) erahnen, sondern bieten - manchmal auch ex negativo - die Konturen (s)einer Poetologie, in welcher der Literatur vor allem zuallererst eine zentrale Aufgabe zukommt, nämlich durch die Qualität der Sprache den Leser/die Leserin zu bezaubern.

Und bezaubert hat Gerhard Amanshauser mit seinen Texten immer, noch dazu mit einer souveränen Leichtigkeit, die schlicht verblüfft.

(Otto Johannes Adler, Rezension in: Buchkultur Ausg. 120A: Österreich Spezial, Herbst 2008)


http://www.buchkultur.net/archiv/pdf/Buchkultur_120A.pdf