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Kurzbeschreibung

Gratzen, den deutschen Namen des tschechischen Nové Hrady, kennt man heute kaum meehr. Greueltaten der SS knapp vor dem Einmarsch der Roten Armee und die anschließende Vertreibung des deutsch-böhmischen Bevölkerungsteils aus der befreiten Tschechoslowakei bilden den historischen Kern des Romans, dessen Handlung allerdings in weitaus größere Zeiträume, so in das Wien der Vor- und Nachkriegsjahre, ausgreift. Der Roman folgt den Lebenswegen der 1944 infolge der einsetzenden Bombenangriffe auf Wien mit ihrem fünfjährigen Sohn nach Südböhmen evakuierten Pianistin Käthe Tümmler-Mannhoff, ihres im Rahmen der Kinderlandverschickung als Realschullehrer dienstverpflichteten Mannes Alwin, ihres zur Wehrmacht eingerückten Sohnes Dieter aus erster Ehe sowie des Gratzener Schloßherrn Carl-Georg Graf von Buquoy.


Rezensionen
Hermann Schlösser:

Eugen Banauchs Roman "Gratzen" erzählt die Geschichte der Pianistin Käthe Tümmler-Mannhoff und ihrer Familie. Eigentlich aus Wien stammend, lebt diese Dame mit ihrem Sohn während des Zweiten Weltkriegs in Gratzen (tschechisch: Nové Hrady). Der Roman spielt vor dem historischen Hintergrund der Kriegsgreuel und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Böhmen nach 1945.

Allerdings ist Eugen Banauch kein Zeithistoriker, sondern ein Schriftsteller mit hohem künstlerischem Anspruch. Sein groß angelegter Roman ist nicht simpel erzählt, sondern komponiert wie ein Musikstück. Die Kapitel tragen als Überschriften Satzbezeichnungen wie "Lento" oder "Andante" , und im Verlauf des langen Textes entsteht ein polyphones Geflecht aus vielfältigen Stimmen und Stimmungen. In seiner formalen Finesse und seiner reich instrumentierten Sprache ist Banauch dem Vorbild Heimito von Doderers verpflichtet, dem er auch eine literaturwissenschaftliche Abhandlung gewidmet hat.

(Hermann Schlösser, Rezension in: Wiener Zeitung, 7.11.2008)


http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher_aktuell/252008_Banauch-Eugen-Gratzen-oder-die-Angst-vor-dem-eigenen-Keller.html