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Kurzbeschreibung

Unser Haus

Es war ein kleines, sehr bescheidenes Heim. In Gedanken gehe ich noch oft durch dieses Haus, obwohl heute längst alles umgebaut ist und auch fremde Leute darin wohnen. Wenn ich noch einmal zurückkehre und alle Räume durchgehe, dann ist alles, als wäre es erst gestern gewesen.

Die kleine Küche im Erdgeschoß bestand eigentlich nur aus einem Tischherd, einer Kredenz mit Abwasch und einer hölzernen Eckbank mit Truhe, in die man alles hineinstopfen konnte, was gerade verschwinden sollte, einem alten Tisch, vom Vater weiß lackierten Stühlen und einem alten Sofa mit hoher Rückenlehne, auf dem ich zur Welt gekommen war. Von der Küche aus gelangte man in das Wohnzimmer; das beherbergte ein Sofa, auf das wir sehr stolz waren und auf dem wir alle fünf Probe gesessen hatten, als es gekauft wurde und einen etwas zu hohen Tisch, dem ich später einmal die Füße ungleich absägte, was mir hohe Strafe einbrachte. Dann ging man weiter ins Schlafzimmer, das auch als Kinderzimmer diente. In diesem Raum werden wohl die meisten Erinnerungen wach.

Vom Kinderzimmerfenster aus sah man auf die Kellerstiege und die Hollerstaude, unter die wir im Sommer immer einen Tisch und Sessel stellten, um in ihrem Schatten zu sitzen. Von da konnte man auf den noch heute so benannten Richterhügel sehen, wo zu uralter Zeit der Galgen gestanden war, und wo einmal mein Lieblingsbär als Suniwendthansi verbrannt werden sollte, die Stachelbeerstauden und die kleine Gartenmauer vom Nachbarn, auf der die Sommergäste immer saßen.

Dann die immer feuchte und glitschige Kellerstiege, über die ich so oft hinuntergestolpert war. Unten angelangt, ging es am Holzkeller vorbei in den Karroffelkeller, wo auch die Krautbodin stand. Von dort aus gelangte man durch eine ächzende Holztür in die Waschkuchl. Dort gab es einen Kessel, in dem die Wäsche ausgekocht wurde, und der mit einem gemauerten Ofen umgeben war, und in dem mein Bruder gerne badete, auch einen Groat, in dem die Wäsche geschwemmt wurde, ein Holzschaff, eine Waschrumpel, einen großen hölzernen Kochlöffel, der manchmal über unseren Hintern tanzte und einen Schemel, der mir immer zur Flucht verhalf, wenn ich zu Hause eingesperrt auf meine Eltern oder Geschwister warten mußte. Das Einsperren war natürlich nicht böse gemeint und zu dieser Zeit durchaus üblich, weil man kleine Kinder bei vielen Gelegenheiten und Arbeiten nicht mit dabei haben konnte.

Dann ging es zurück in den Holz- und Kohlenkeller und bei der Freitür, so wurde bei uns die Kellereingangstür genannt, gelangte man über eine Stiege ins Freie hinaus. Im Winter wohnten die Hasen und die Hühner auch im Keller, wenn es in der Holzhütte hinterm Haus für sie zu kalt wurde. Vorm Haus gab es einen riesigen Kirschbaum, Apfelbäume, einen Grierbaum und den Gemüsegarten, auch Blumen, Sträucher und Ribiselstauden, unter denen man sich herrlich verstecken konnte, wenn man nicht gesehen werden wollte, was für mich oft von Vorteil war. Im Obergeschoß gab es nur zwei Zimmer, die zunächst von einem älteren Cousin und seiner Familie bewohnt wurden. - All das wird noch einmal lebendig und viele meiner Streiche und Erlebnisse, von denen ich erzählen möchte.