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Kurzbeschreibung

Das künstlerische Werk von Hans Breustedt ist – in zunehmender Intensität – auf die Bilderfahrung von Poesie hin ausgerichtet. Poesie steht hier für eine Welt der Erweiterung, eine Welt des permanenten Aufbaus neuer Verbindungen und des Verweises auf neue Verbindungsmöglichkeiten.

Diese Welt ist ein Widerspruch zur Logik, zur analytischen Erfahrung – sie integriert.
In dieser Integrationsbewegung sind die sinnlichen Wahrnehmungen eines Gegenstandes stets mit begrifflichen Vorstellungswelten verknüpft. Diese Poesie der Bilder von Hans Breustedt ist jedoch nicht eine vereinheitlichende, sie formuliert keinesfalls eine „alles-ist-Eins"-Erfahrung, sondern sie orientiert ihre Verknüpfungen stets an der Frage nach weiteren Möglichkeiten. Breustedt gestaltet in diesem Sinne keine Standpunkte, sondern Perspektiven: Poesie als Suche nach der Antriebskraft des Lebens wird selbst zu einer solchen.

Hans Breustedts Poesie als System der integrierenden Bewegung führt direkt zur Kunstform der Zeit: der Musik. Die Bildwerke des Künstlers sind niemals statische Formulierungen, sie gestalten stets eine durchkomponierte Sehbewegung: nicht nur ein durchgängiges Ineinandergreifen jedes einzelnen Teiles der Bildkom-position, sondern ebenso ein konsequentes Überführen eines Gestaltungsakzentes in den nächsten.

Dieser Bewegungsrhythmus der Bildformen verbindet sich mit den sehr fein abgestuften Farb-Tönen zu einer Grunderfahrung von Musikalität, zu einem gemeinsamen Klang der Bildwerke. Seine Bildkompositionen sind nicht nach streng logischen Prinzipien strukturiert, wenngleich solche Ordnungssetzungen nicht ausgeschlossen werden. Die Musik in Breustedts Bildern entsteht vielmehr aus einem möglichst intensivierten Empfinden heraus, aus einer „klanglichen" Empfindlichkeit gegenüber Wahrnehmung der menschlichen Existenz, die immer wieder von neuem in einzelnen Bildkompositionen zusammengefaßt wird.

Breustedt arbeitet hier an einer Art visuellem Nachklang. Dies wird besonders deutlich in jenen Bildkompositionen, die musizierende Personen darstellen. Der Künstler zeigt hier nicht nur die Tätigkeit des „Musik-Machens", sondern bemüht sich auch darum, die Musik als umfassende Empfindung zu vermitteln.

Wesentliche Anregungen für dieses bildhafte Gestalten eines Musik-Erlebnisses erhält Breustedt in seiner Ausbildungszeit am Bauhaus, etwa in der von Kandinsky gelehrten, systematisch aufgebauten Beziehung zwischen Bild- und Tongestaltung. Hans Breustedt operiert jedoch in seinem künstlerischen Werk sehr betont auf die Ebene der Empfindung, er formuliert ein künstlerisches Plädoyer für eine umfassende Sensitivierung, eine umfassend zusammenklingende Weltanschauung.

Nur auf dieser Basis kann eine Grunderfahrung von Stille entstehen, die sich bei längerer Betrachtung der Bildwerke von Hans Breustedt immer deutlicher als wesentliches Ziel seines Kunstwollens herausstellt. Diese Stille ist nicht das Gegenteil von Musik, sondern eine Art höchst konzentrierte Zusammenführung musikalischer Erfahrungen. Hans Breustedt gelingt es jedoch, diese Stille im Bild so zu gestalten, daß die Kraft des Bildes dabei nicht in Frage gestellt wird, sondern vielmehr stets die Kraft des Weitersuchens hinter dieser Erfahrung von Stille auf dem Weg des Bildes angesprochen wird.

(Peter Assmann)