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Kurzbeschreibung

[Gestaltet und hrsg. von Richard Pils]


»Bravo! sagte der Homunkel, Als er fertig, und hernieder Von der riesigen Retorte Sprang er auf den Tisch des wackern Hoch- und tiefgelehrten Doktors Und Magisters, welcher eben Nach unsäglichem Bemühen Mit den Mitteln der Chemie nur Aus den ersten Elementen Dargestellt und hergestellt ihn, Zum Triumph der Wissenschaft. »Bravo, Doktorchen!" so rief er Noch ein zweites Mal, indem er Fröstelnd in ein Wämschen schlüpfte, Welches schon für ihn bereitlag.



Rezensionen
Walter Höfer: Homunkels Wiederkehr

Der rührige Verleger Richard Pils aus Großwolfgers bei Weitra hat sich in der neuesten Edition seiner „Bibliothek der Provinz“ des Waldviertler Dichters Robert Hamerling angenommen. Er brachte das wohl reifste Werk des einst vielgelesenen Dichters heraus, das Epos „Homunkulus“.

Das zeitkritische Werk ist angesichts von Genforschung sowie totaler Verwaltung unseres Lebens noch immer höchst aktuell. Der Dichter (1830-1889), nach dem u. a. die Linzer Hamerling-Schule benannt ist, prangert in der Gestalt der seelenlosen Retortenschöpfung „Homunkulus“ die Entwicklung seiner Zeit an. Wie sein Freund Peter Rosegger, den der um 13 Jahre ältere, in Graz wohnende Hamerling förderte, erlebte er den stürmischen Um- und Aufbruch ins Industriezeitalter und damit die Demontage herkömmlicher Werte.

In dem satirischen Epos geißelt er den Pessimismus, Materialismus und den technisch-wissenschaftlichen Perfektionismus seiner Zeit, die Seelenlosigkeit im Planen und Tun und den Verwaltungsstaat. Den Sturz des Denkens vom Idealismus vom Anfang des 19. Jahrhunderts in den Materialismus der Jahrhundertmitte sieht Hamerling als das entscheidende Ereignis für die Zukunft der Menschheit an. Die Konsequenzen dieser Entwicklung zeigt er am Beispiel des Homonkulus auf, der ohne weiteres auch eine Schöpfung der heutigen Gentechnik sein könnte.

„Der buchhändlerische Erfolg des ‚Homunkulus‘ war bisher der bedeutendste, der einer meiner Dichtungen zutheil geworden“, jubelte Hamerling über den vieldiskutierten Erfolg seines Werkes. Ein solcher ist auch der Neuauflage zu wünschen, die im Gesundheitshotel „Leonardo“ in Nondorf bei Gmünd präsentiert wurde.

Das Werk wurde in der Druckerei Peter Schindler in Gmünd in Bleisatz hergestellt. „Einen Hamerling kann man nicht in Plastikfolien umsetzen, da muß man das Erlebnis des Druckes spüren“, ist Pils auf das vornehm gestaltete Buch stolz. Und auch darauf, „daß ich mit der Produktion im Inland bleibe und nicht in Billigländer ausweiche“. Auch so ein Druckauftrag sei Regionsförderung.

(Walter Höfer, Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 21. August 1993)