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Kurzbeschreibung

Ich ließ das Stichwort Venedig fallen, auch wenn mir klar war, dass ich mir das nicht leisten konnte. Maria reagierte nicht wirklich. Es kam so etwas wie »na gut« über ihre Lippen. Ich beeilte mich Ostern anzusprechen und die Schönheiten von Florenz zu preisen, was uns dann doch wieder ein bisschen zusammenbrachte, auch wenn sie reserviert blieb.

Ich hatte aber irgendwo bei einem Weinhändler in Wien eine Flasche des speziellen Rotweins aus Carmingnano aufgetrieben. Nach dem Artimino-Besuch waren wir in die kleine Dorfkirche dieses Ortes gefahren, um die berühmte »Visitazione« von ­Pontormo anzuschauen, die bei deinem Erstbesuch noch völlig unscheinbar und kaum beleuchtet in der Kirche zu finden war, als ich mit Maria hinkam, aber bereits eine große Inszenierung erfahren hatte.


Rezensionen
Ulrike Engl: Ich gebe zu

Romantisch: Peter Assmanns Erstlingsroman „Ins Blaue“

Im Zusammenhang mit Merkmalen der romantischen Dichtung spricht Friedrich Schlegel von „progressiver Universalpoesie“. Diese unterliegt nicht nur einem dauernden Schöpfungsprozess, sondern sie strebt auch die Wiedervereinigung von Dichtung, Malerei, Philosophie und Wissenschaft an. Peter Assmanns Roman „Ins Blaue“ beweist dem vielschichtig berührten Leser auf virtuose Weise, dass das Streben nach „progressiver Universalpoesie“ auch im 21. Jahrhundert – wie schön! – noch Gültigkeit besitzt.

Es wäre nicht nur zu klischeehaft, sondern auch falsch und unzeitgemäß, den Romantitel mit der „blauen Blume“ von Novalis als Zentralaussage gleichsetzen zu wollen. Zu Beginn des Romans entdeckt der romkundige Leser lächelnd viele Spezifika dieser faszinierenden Stadt wieder. Aber nichts ist in diesem Werk banal, auch nicht die geschilderte Beziehung zu einer verheirateten Frau, die der Student letztlich aus Rücksicht auf ihre Ehe löst. In seinem Kunstschaffen wird den Ich-Erzähler dieses ekstatisch-sinnliche Erlebnis aber nie verlassen, auch nicht, als er, eine alltäglichere Verbindung mit einer Galeristin eingeht.

In seinem romanhaften Erstlingswerk definiert der Direktor der Oberösterreichischen Landesmuseen Liebe „als ein immer wieder Ankommen“. Genau das kann man auch bei wiederholter Lektüre dieses Buches.

(Ulrike Engl, Rezension in: Die Presse, 11.7.2009)


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