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Kurzbeschreibung

Michael Berger und seine Freundin Karla sind ein ungleiches Paar. Er ein rastloser Zyniker, getrieben von den eigenen Versäumnissen im Leben. Oft in seiner ureigenen Melancholie gefangen. Sie eine junge, lebensbejahende, aufstrebende Frau. Ein wahrer Sonnenschein in Bergers Leben, den er aber nicht so recht an sein Herz herankommen lässt. Zu tief sitzen die Enttäuschungen der Vergangenheit.

Bekannte vermitteln den beiden ein Ferienhaus in einem beinahe noch unberührten Teil der italienischen Toskana. Dort lernt er Karla wahrhaftig zu lieben. Doch schon bald fällt ein Schatten auf dieses Idyll in den Olivenhainen.



Rezensionen
Wolfgang Weninger: Im Visier archaischer Denkweisen

Bevor man sich dem neuen literarischen Erguss von Michael Koller hingibt, sei auch der »Verlag der Provinz« erwähnt, den sich der Waldviertler Richard Pils leistet und der im Umfeld von Weitra in Kleinauflagen Literatur an den Leser bringt, die ein wenig abseits des üblichen Marktes vor allem auf Qualität setzt, die thematisch das Besondere sucht.

Genau wie Michael Kollers Antiheld Michael Berger. Im Alltagsleben würde man diese Romanfigur schlichtweg als Arschloch und Loser bezeichnen. Bei Michael Koller wird aus diesem Einzelgänger ein geschundener und selbstzerfressener Mitläufer, dessen grundsätzliche Beschreibung schon fast das halbe Buch benötigt.

Michael Bergers Weg zur Jagd im Olivenhain ist dem gegenwärtigen Modeschreibstil, zerhackte Handlungsstränge immer dichter ineinander zu verflechten, gefolgt. Im gegenständlichen Fall ist aber diese Zweiteilung durchaus sinnhaft, um die folgende Dramatik langsam verstehen zu können und wo die Story dann richtig Fahrt aufnimmt bleibt der Autor sehr strukturiert einer klaren Linie folgend auf Kurs ins Finale.

Bis dahin muss der Leser aber in nicht sonderlich spannenden Abläufen zum Einen den Weg in die Toskana finden, wo man dann auch seine Freundin Klara näher kennenlernt, zum Anderen beschäftigt die Entwicklung eines Mannes, wie sie trister nicht sein könnte und doch in vielen Bereichen auch den Alltag anderer Männer beschreiben könnte, allerdings nicht ganz so kompakt. Michael Berger wird nicht sympathisch, er bekommt zwar die Gelegenheit, Sympathiepunkte zu sammeln, aber er macht alles zunichte, was auch nur den Funken von Normalität zu versprühen scheint.

In der Toskana lebt Berger auf. Mit dem Fokus auf seiner Beziehung und dem gemeinsamen Liebes(er)leben gerät seine Seele in Schwung, doch das Schönste, was im bisher im Leben passiert ist, beginnt durch die äußeren Umstände in dem kleinen Dorf zu zerbrechen. Er entfacht durch seine bloße Anwesenheit einen jahrzehntelangen Streit in der Bevölkerung und die Urlauber kommen in das Visier archaischer Denkweisen, für die der Tod als Bewahrer des Bestehenden gilt.

Gedankengut eines Außenseiters
Michael Koller, der schon in seinem Vorgängerroman Clara das Gedankengut eines Außenseiters in bestechender Einfühlsamkeit präsentierte, wird hier in der Beschreibung seiner Hauptfigur noch präziser. Fast wundert man sich, wie ein Mensch diese Gedanken zu Papier bringen kann, ohne selbst zum Außenseiter geworden zu sein. Die unzähligen Gedankensplitter, die mehr oder weniger intensiv in das Gehirn des Leser eindringen, lassen dieses Buch zu keiner leichten Lektüre werden, denn allzu oft muss man, um den Winkelzügen des Autors zu folgen, die Handlung unterbrechen und mitdenken. Das führt dazu, dass besonders im ersten Teil, der Beschäftigung mit dem Werden des Michael Berger, der Lesefluss deutlich hinkt, wenn man diese Ausführungen nicht überlesen will.

Der Kontrapunkt Klara wird in diesen Ausführungen eher wenig berührt, weshalb diese Zeilen düster und beengend wirken, ganz im Gegensatz zum zweiten Teil, in dem die junge Frau den Lichtstrahl in der Handlung bedeutet. Ab diesem Augenblick bekommt Berger positiv menschliche Züge, die er vor allem zum Aufbau eines Schutzpanzers um das Paar benötigt. Dass dieser Panzer nicht sehr haltbar ist, lernt auch der Leser sehr bald.

Jagd im Olivenhain ist eine düstere Geschichte, die keinen Spaß beim Lesen macht. Sie fordert den Leser und lässt keine flüchtige Beschäftigung mit dem Thema zu. Wer sich mit Michael Berger in den Olivenhain begibt, der bekommt die Stimmungsschwankungen von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt hautnah serviert. In der Intensität ist dieses Buch sogar noch dichter als Clara, aber außer im Finale fehlt dem Drama die packende Spannung des Vorgängers. Trotz diesen Kritikpunkten muss man dem Autor aber bescheinigen, dass er erzählerisch wieder aus dem Vollen schöpft, was zu einer klaren Leseempfehlung meinerseits führt.

(Wolfgang Weninger, Rezension für: Krimi-Couch.de, Februar 2014)


http://www.krimi-couch.de/krimis/michael-koller-jagd-im-olivenhain.html

Hannes Ramharter: In der Toscana eingeholt

Michael Kollers Romanheld wird während seines Urlaubs abrupt mit der Vergangenheit seiner Familie konfrontiert.

Seinen dritten Roman veröffentlichte der in Hoheneich lebende Michael Koller. Mit “Jagd im Olivenhain” begibt er sich diesmal auf einen turbulenten Urlaub in die Toscana und gibt uns gleichzeitig viele autobiografische Einblicke. Erschienen ist das Buch im Verlag “Bibliothek der Provinz” von Richard Pils.

Im ersten Teil des Romans erfährt der Leser von Michael Berger und seiner Freundin Karla, die von Bekannten einen Urlaub in einem Ferienhaus in der Toscana empfohlen bekommen. Gleichzeitig wird in Rückblenden das bisherige Leben von Berger und wohl auch von Michael Koller dargestellt. Immer wieder greift Koller zum Stilmittel von extrem kurzen, wohl grammatisch unvollständigen Sätzen. Was man Wolf Haas erlaubt, darf man aber auch Michael Koller sprachlich nicht wirklich zum Vorwurf machen.

In der Toscana nimmt das Geschehen dann eine abrupte Wendung. Plötzlich ist Michael Berger in das Geschehen persönlich verwickelt, er erkennt, dass man einen Großonkel von ihm, der als Soldat im Weltkrieg dort gestrandet war, für die Tötung von drei Kindern verantwortlich macht. Berger und Karla geraten so in eine seit Generationen andauernde Familienfehde.

Selbstverständlich können Waldviertler Leser im ersten Teil örtliche Gegebenheiten wiedererkennen, was allerdings dem Werk nicht schadet.

Koller würde es verdienen, dass der Roman Aufmerksamkeit findet, es handelt sich um durchaus flüssige und spannende Lektüre.

(Hannes Ramharter, Rezension in: Niederösterreichische Nachrichten, [.?] Dezember 2013)