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Kurzbeschreibung

Hrsg. von Agnes Husslein-Arco und Alfred Weidinger


Seit seinen ersten, von der lokalen Presse und dem konservativen Establishment konsequent skandalisierten Auftritten bei der Wiener Kunstschau 1908 und mit der Neukunstgruppe im Hagenbund 1911 bis zu seinem Tod nach einer langen und erfolgreichen internationalen Karriere 1980 in Montreux wurden rund um diese bemerkenswerte Künstlerfigur von verschiedensten Seiten zahlreiche Mythen und Stereotypen konstruiert. Für seine ersten Förderer, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Herwarth Walden und Paul Cassirer vereinigte er in sich alle Begabungen der jungen Avantgarde der Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, indem er scheinbar mühelos das secessionistische Kunstgewerbe unter dem Eindruck von Gauguin, van Gogh, Munch aber auch Anton Romako in einen typisch mitteleuropäischen Frühexpressionismus transformierte. Für sie war er Held und Märtyrer. Das Unverständnis zahlreicher weniger informierter Beobachter der Szene hingegen stigmatisierte ihn zum »Enfant terrible«. (Agnes Husslein-Arco)


Rezensionen
Johanna Schwanberg:

Kokoschka, der als Maler, Grafiker und Schriftsteller neben Egon Schiele und Gustav Klimt als dritter Gigant der österreichischen Moderne gilt, machte erstmals 1908 auf sich aufmerksam. Als er bei der "Wiener Kunstschau" seine Bildergeschichte "Die träumenden Knaben" präsentierte und in einer expressiven Zeichen- und Bildsprache eine erste "offene Darstellung seiner selbst" zum Besten gibt, wird er schlagartig berühmt. Innerhalb weniger Tage verkauft er alle seine Werke, zugleich avanciert er zum Oberwilden und Enfant Terrible der Wiener Kunstszene, dem Thronfolger Franz Ferdinand am liebsten "alle Knochen im Leib brechen" wollte.

Sein künstlerischer und persönlicher Werdegang erzählt sich romanhaft. Die leidenschaftliche Affäre mit Alma Mahler, die Verletzungen im Ersten Weltkrieg, die Flucht vor den Nationalsozialisten, die dramatischen Exil-Jahre im kriegszerrütteten Europa und sein Wirken an der Salzburger Sommerakademie ab den 1950er Jahren gehören zu einem wesentlichen Bestandteil der österreichischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Im Belvedere, das 150 Werke aus der frühen Schaffensphase zeigt, interessieren besonders Kokoschkas Herauswachsen aus dem Umfeld der Wiener Werkstätten, die frühen Grafiken und die in dunklen Farbtönen gemalten Charakterisierungsversuche der seelischen Befindlichkeit einer Person. Wie kaum einem Zweiten gelang es Kokoschka sowohl thematisch als auch medial einen großen Bogen zu spannen - und dennoch stets unverkennbar zu bleiben. In seinem Oeuvre findet sich Märchenhaftes genauso wie Satirisches, Malerisches genauso wie Zeichnerisches, Düsteres genauso wie heiteres. Dass er zugleich Beziehungen außergewöhnlich intensiv lebte und ein politisch wachsamer wie sozial engagierter Zeitgenosse war, macht ihn umso sympathischer.

(Johanna Schwanberg, Die Furche [?], [?.] April 2008)