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Kurzbeschreibung

Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Dinge und Wesen. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er – wenn überhaupt – nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch gern gehabt; aber lieb, was man sagt lieb und unvergesslich, ist ihm nur einer gewesen – der Krambambuli. Er hatte ihn im Wirtshause zum Löwen in Wischau von einem vazierenden Forstgehilfen gekauft oder eigentlich eingetauscht.

Gleich beim ersten Anblick des Hundes war er von der Zuneigung ergriffen worden, die dauern sollte bis zu seinem letzten Atemzuge. Dem Herrn des schönen Tieres, der am Tische vor einem geleerten Branntweingläschen saß und über den Wirt schimpfte, weil dieser kein zweites umsonst hergeben wollte, sah der Lump aus den Augen. Ein kleiner Kerl, noch jung und doch so fahl wie ein abgestorbener Baum, mit gelbem Haar und spärlichem gelbem Barte. Der Jägerrock, vermutlich ein Überrest aus der vergangenen Herrlichkeit des letzten Dienstes, trug die Spuren einer im nassen Straßengraben zugebrachten Nacht. Obwohl sich Hopp ungern in schlechte Gesellschaft begab, nahm er trotzdem Platz neben dem Burschen und begann sogleich ein Gespräch mit ihm. Da bekam er es denn bald heraus, dass der Nichtsnutz den Stutzen und die Jagdtasche dem Wirt bereits als Pfänder ausgeliefert hatte und dass er jetzt auch den Hund als solches hergeben möchte; der Wirt jedoch, der schmutzige Leuteschinder, wollte von einem Pfand, das gefüttert werden muss, nichts hören.

Herr Hopp sagte vorerst kein Wort von dem Wohlgefallen, das er an dem Hunde gefunden hatte, ließ aber eine Flasche von dem guten Danziger Kirschbranntwein bringen, den der Löwenwirt damals führte, und schenkte dem Vazierenden fleißig ein. – Nun, in einer Stunde war alles in Ordnung. Der Jäger gab zwölf Flaschen von demselben Getränke, bei dem der Handel geschlossen worden – der Vagabund gab den Hund. Zu seiner Ehre muss man gestehen: nicht leicht. Die Hände zitterten ihm so sehr, als er dem Tiere die Leine um den Hals legte, dass es schien, er werde mit dieser Manipulation nimmermehr zurechtkommen. Hopp wartete geduldig und bewunderte im stillen den trotz der schlechten Kondition, in der er sich befand, wundervollen Hund. Höchstens zwei Jahre mochte er alt sein, und in der Farbe glich er dem Lumpen, der ihn hergab; doch war die seine um ein paar Schattierungen dunkler. Auf der Stirn hatte er ein Abzeichen, einen weißen Strich, der rechts und links in kleine Linien auslief, in der Art wie die Nadeln an einem Tannenreis. Die Augen waren groß, schwarz, leuchtend, von tauklaren, lichtgelben Reiflein umsäumt, die Ohren hoch angesetzt, lang, makellos.

Und makellos war alles an dem ganzen Hunde von der Klaue bis zu der feinen Witternase: die kräftige, geschmeidige Gestalt, die über jedes Lob erhabenen Beine. Vier lebende Säulen, die auch den Körper eines Hirsches getragen hätten und nicht viel dicker waren als die Läufe eines Hasen. Beim heiligen Hubertus! dieses Geschöpf musste einen Stammbaum haben, so alt und rein wie der eines deutschen Ordensritters …


Rezensionen
Christian Schacherreiter: Herr und Hund

Die Erzählung „Krambambuli“ (1883) von Marie von Ebner-Eschenbach gehörte viele Jahrzehnte in Österreich zur üblichen Schullektüre. Es handelt sich um eine spannend erzählte Geschichte, die ihre Wirksamkeit bis heute behalten hat. Die jüngste Verfilmung durch Xaver Schwarzenberger stammt immerhin aus dem Jahr 1997.

Ausgangspunkt der Handlung ist der Kauf des reinrassigen Jagdhundes Krambambuli. Revierjäger Hopp erwirbt das Tier von einem vagabundierenden Alkoholiker für einige Flaschen Schnaps. Der Hund widersetzt sich am Anfang seinem neuen Herrn. Aber mit harten Abrichtungsmethoden gelingt es Hopp schließlich doch, Krambambuli zu bändigen. Ja, mehr noch, das Tier ist ab nun seinem neuen Herrn treu ergeben.

Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Hopp ist so vernarrt in seinen Jagdhund, dass sich sogar die eigene Frau von ihm vernachlässigt fühlt. Zur selben Zeit treibt sich in den gräflichen Wäldern eine Wildererbande herum, deren Anführer „der Gelbe“ genannt wird. Der Oberförster ist entschlossen, mit aller Härte gegen den Wildfrevel vorzugehen. Zwei Frauen, die nur Brennholz im Wald sammeln, verprügelt er gnadenlos. Eine der Frauen soll die Geliebte des Gelben sein, und tatsächlich wird schon eine Woche nach diesem Vorfall der Oberförster ermordet. Der Gelbe ist offensichtlich der Täter. Hopp ist es schließlich, der den Gelben beim Wildern stellt.

Krambambuli, der den Jäger begleitet, gebärdet sich seltsam. Bald wird der Grund erkennbar. Der Gelbe war der frühere Hundehalter, und Krambambuli gerät in einen Loyalitätskonflikt. Er entscheidet sich für seinen ersten Herrn und springt ausgerechnet in dem Augenblick freudig an ihm hoch, als dieser auf den Jäger zielt. Dadurch verfehlt der Gelbe sein Ziel, während Hopp trifft.

Durch das „treulose“ Verhalten seines Hundes fühlt sich Hopp dermaßen gekränkt, dass er ihn nicht mehr bei sich haben will. Aber Krambambuli kehrt zurück und schleicht um Hopps Haus, das ihm aber lange verschlossen bleibt. Zu lange, denn als sich Hopp doch erweichen lässt, findet er Krambambuli nur noch tot auf – verhungert und erfroren.

(Christian Schacherreiter [?], Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 8. April 2009)


http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/buchrezensionen/Herr-und-Hund;art272,144880

Marianne Lang: Das Tier und ich

Ein Klassiker unter den Tiergeschichten ist definitiv Marie von Ebner Eschenbachs "Krambambuli". Die berührende Novelle, die Ende des 19. Jahrhunderts erschienen ist, ist literarisch höchst anspruchsvoll, jedoch weit entfernt von so manchen Reclam-Schullektüre-Quälereien.

"Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Dinge und Wesen. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er - wenn überhaupt - nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch gern gehabt; aber lieb, was man sagt lieb und unvergesslich, ist ihm nur einer gewesen - der Krambambuli."

Erzählt wird der Konflikt zwischen dem Jäger Hopp und einem Wilderer, der sich zuspitzt, als Hopp dem besoffenen Outlaw seinen treuen Hund "Krambambuli" (benannt nach einem Kirschbranntwein) abkauft und ihn sich mit viel Mühe und Liebe untertan macht. Als der Jäger während des Showdowns wieder auf Krambambulis Vorbesitzer trifft, kann sich der Hund nicht entscheiden, auf welcher Seite er steht. Seine Treue, die äußerst ergreifend und bildhaft beschrieben ist, führt ihn schlussendlich ins Verderben.

Krambambuli wurde bereits mehrmals verfilmt. An die literarische Vorlage reichen die Filme, u.a. mit Tobias Moretti, aber allesamt nicht heran.

(Marianne Lang, Rezension auf der Webseite von ORF Radio FM4, 11.12.2005)


http://fm4v2.orf.at/connected/210115/main.html