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Kurzbeschreibung

Text : No monkey business - ein Gespräch zwischen Jutta Strohmaier, Michael Höpfner und Karl Hikade


KH: Ich habe gerade, bezugnehmend auf die Ausstellung ‘Rolling Stones Adorned with Starlight’ in der Galerie Winter an das ‘Plazieren’ gedacht, daß das so wichtig ist. Die Photos, die Steine, wie man damit umgeht. Mir fällt dazu Island wieder ein. Ich glaube das hat einen Grund, warum so viele Künstler sich gerade dort aufgehalten haben. Serra, Weiner oder Fulton. Gerade das Umfeld entscheidet die Präsentation mit, das ist ein Statement, das in sich die Information trägt. Und wenn das von außen berührt wird zerfällt es, das hat doch eine ganz spezifische Identität wovon es lebt.

JS: Die Frage, die ich mir da stelle, was den Begriff ‘Umgang’ betrifft: was passiert wenn du als Betrachter der Arbeit gegenübertrittst, was ist das für eine Interaktion? Oder ist das nicht so, daß so eine Art Kunst für sich selber steht. So wie du uns das Layout für dein Buch gezeigt hast, das funktioniert perfekt. Das ist großartig. Aber was passiert wenn ich als Betrachter Teil dieser Arbeit werde? Du hast beim Aufbau die Arbeiter photographiert, aber in deiner Dokumentation ist kein Mensch. Der Mensch ist kein Teil dieser Arbeit, das ist schon sehr überhöht …

KH: Ich denke aber schon, daß das begehbar ist …

JS: Natürlich ist es begehbar.

KH: Wenn du das durchblätterst ... ich meine das Buch ist eine eigene Arbeit, die Photos eine eigene Arbeit, eine Sichtweise von Gerald Zugmann. Ein Ergebnis seiner Arbeit, wie er es sieht. Aber wenn du hinkommst, erfährst es du selbst, dann ist es zu begehen und zu erfahren. So sehe ich das. Ich meine es hängt davon ab ob du involviert bist oder nicht. Ich denke, das ist nicht erhaben, es ist ein Dialog möglich.

JS: Das stimmt schon. Wir sprachen gestern über die Arbeit von Dan Flavin in Marfa, die sehr interessant ist. Aber ich frage mich ob man das in der Form wahrnimmt, wenn man durchgeht, man stört das. Das ist nicht für Menschen gemacht. Für mich geht’s um die Benützung, nicht so sehr um die Idee.

MH: Aber da vermischt du jetzt eine Erwartungshaltung, die sich in den letzten Jahren in Verbindung mit Kunst aufgebaut hat. Wenn ich an Rembrandt denke, was ist da Benützung?

JS: Das ist klar, das ist ein Bild, das an der Wand hängt. Kann man das Vergleichen?

MH: Wo ist der Unterschied zu Flavin in der Betrachtungshaltung?

JS: Flavin steht im Raum, das sind sechs Hallen die er da gestaltet hat.

KH: Ich hab das im Domus gesehen, es ist so ein U-förmig angelegtes Gebäude… . Aber dem Text nach war Flavin zur Zeit des Aufbaues schon zwei Jahre tot, das ändert vieles. Durch den Einsatz von der Marianne Stockebrnd, die nicht nur die finanzielle, sondern auch die künstlerische Realisierung bewältigen mußte, wurde das ganze von Assistenten gebaut. Ich habe das jedenfalls so verstanden. Marianne Stockebrand, die meine erste Ausstellung in München gemacht hat, leitet jetzt die Chinati Foundation nach dem Ableben von Donald Judd. Judd hat ja diesen Grund gekauft und hatte die Idee, Flavin, Chamberlain und er selbst würden dort Arbeiten installieren. Flavin hat aber immer zugewartet, und nie was realisiert, worauf sie die letzten Jahren nichts miteinander gesprochen haben.

JS: Durch die Dokumentation, durch die Photos wird die Arbeit in einen anderen Kontext gestellt. Das ist so wie die klassische Architekturrezeption funktioniert, das ist das Thema mit dem ich mich beschäftige. Der Architekt baut ein Haus. Architektur wird zur Kunstform, das wird photographiert und dann in irgendwelchen Hochglanzmagazinen veröffentlicht. Es schaut ja in wirklichweit nicht so aus. Sobald du als Betrachter hingehst passiert ja was ganz anderes mit dir als das was im Buch gezeigt wird. Das ist eine ganz andere Rezeption.

MH: In der Architektur geht’s doch um das Zusammenspiel des Individuums mit dem Gebauten. Wenn ich an Flavin denke oder an Judd, da geht’s doch darum: hier Kunst - da Mensch und um das dazwischen.

JS: Das ist doch in der Architektur genauso. Eigentlich geht es aber nie um den Menschen.

MH: Das finde ich nicht.

JS: Es geht doch zuerst immer um die Form.

MH: Die Form ergibt sich doch aus dem Menschen. Du kannst ja ein Zimmer nicht 1.50 Meter hoch machen, nur weil das besser zu den Gesamtproportionen passt.

JS: Aber das sind doch grundsätzlich Überlegungen. Ich denke an formale Gestaltungen.

MH: Die grundsätzlichen Überlegungen der Architektur hab ich aber in der Kunst nicht. Da interessiert mich: wie reagiert das Individuum darauf. Was kann dazwischen entstehen. Und nicht: wie agiert das Individuum da drinnen.

JS: Das ist aber auch eine Reflexion.

MH: Klar ist es eine Reflexion.