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Kurzbeschreibung

Fünf Generationen einer Familie auf ihrer Suche nach dem eigenen Platz im Geschehen des vorigen Jahrhunderts. Geschildert aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin, die sich allerhand erlauben darf: Pränatalie beschreibt als abgetriebener Embryo jene Menschen, die ihre Verwandten hätten sein können.



Rezensionen
Andreas Kremla:

Entlang der Ahnengalerie gehts quer durch 100 Jahre. Schwungvoll serviert die Ich-Erzählerin Highlights aus der Familienchronik. Das mit dem Ich allerdings ist prekär, denn Pränatalie wurde abgetrieben.

Als Ungeborene darf sie allwissend, schonungslos und schelmisch erzählen: vom Germanisten, der ihr Urgroßvater gewesen wäre und auf den Spuren Goethes die Liebe zu einer 40 Jahre jüngeren Frau entdeckt; vom saufenden Großvater; von der lebenslustigen Tante, die auf dem Schulklo geschwängert wird.

Der Leidenschaft nimmt sich die Autorin gerne an, wobei ihre Liebe mehr noch dem Skurrilen als dem Erotischen gilt - etwa wenn sie beschreibt, wie ein gleichaltriger doch über seine Lebensjahre hinaus gereifter Nachbarsbub sich ihr beim rustikalen Doktorspiel sehr näherte, ohne genau zu wissen, was er da tat.

Johanna Sibera hat sich mit dieser Erzählung nach zwei wenig beachteten Romanen Aufmerksamkeit verdient. Stilsicher und mit einem scharfen Blick fürs Außergewöhnliche im ganz normalen Leben gelingt es ihr, eine dichte, doch nie beengende Atmosphäre zu schaffen.

(Andreas Kremla, Rezension in: Falter 07/2013, 13.2.2013)


https://www.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=467&item_id=9783990280621