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Kurzbeschreibung

Die Summe der Illusionen

Auf Bäume hinausblickend, die sich im Wind bewegen und meine Hirngespinste nicht im mindesten mit mir zu teilen scheinen, denke ich manchmal:

Wie wäre es, wenn unsere Mythologien, Theologien und Ideologien auf Mißverständnissen beruhten, wenn sie fehlgeleitete Funktionen eines Organs darstellten, das gar nicht zu dem Zweck entstanden ist, dergleichen hervorzubringen, Kinderkrankheiten oder gar Wahnsinnssymptome unseres Gehirns, das bei seiner Aufgabe, das Leben zu regulieren, überfordert wurde oder in Panik geriet?

Die größten Täuschungen müssen entstehen, wenn unser Bewußtsein sich universale Züge zuschreibt, sich sozusagen als Evolutionsziel betrachtet, das überall dort, wo sich Leben zu höheren Formen entwickelt, als lohnendster Höhepunkt oder auch nur als lohnende Zwischenstufe angestrebt würde.

Wittgenstein sagt, es gäbe »das Rätsel« nicht. Ein Rätsel an und für sich kann tatsächlich nicht existieren. Ein gewöhnliches Rätsel ist in Hinblick auf einen Enträtsler konstruiert. Dagegen ist die Welt nicht dazu gemacht, daß wir sie enträtseln. Das Rätsel ergibt sich vielmehr für den, der eine bestimmte Haltung zur Welt einnimmt. Da nun die Welt für Enträtsler nicht gemacht ist, muß diese Haltung falsch sein.

Woraus bestehen die Luftschlösser der Sprache? Aus Heiten und Keiten, aus Ungen und Ismen.

Zu jeder Zeit glaubt man, über die abergläubischen lllusionen der Vergangenheit hinausgelangt zu sein. Da ich keinen Grund sehe, warum unsere Zeit eine Sonderstellung einnähme, formuliere ich das Gesetz von der Erhaltung der Illusionen:

Die Summe der lllusionen bleibt in allen Zeitaltern konstant.