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Kurzbeschreibung

Jürg Altherr ...
Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums ; Neue Folge, 110


Zum Metallsymposium Spital am Pyhrn 1996 - Zusammenfassung eines Gesprächs vor Ort

Das Metallsymposium Spital am Pyhrn würde ich als eine konzentrierte und sehr intensive Erfahrung bezeichnen, eine ganz besondere Erfahrung von Skulptur zwischen den Polen Natur und einer quasi städtischen Situation. Bei Skulptur im Freiraum müssen wir immer unterscheiden zwischen „Kunst in der Natur" und „Kunst im städtischen Umfeld", also in konzentrierten Architektursituationen.

Die Situation hier in Spital am Pyhrn ist allerdings eine ganz besondere. Es gibt hier Elemente einer großen Stadt, wenn sie nur an die große Kirche und den Klosterkomplex denken, und dann ist man doch komplett in der Natur. Die hohen Berge bilden einen großen Rahmen. Sie schaffen gleichsam einen eigenen Raum für die Skulpturen und für den gesamten Ort Spital, also eine sehr komplexe Raumkomposition für diese hier aufgestellten Skulpturen. Dieser Raum hat sein Zentrum im Kloster, und genau im direkten Kontakt mit dem Kloster wurden auch die meisten Skulpturen aufgestellt. Um es nochmals zu wiederholen: Wir haben hier eine totale Architektursituation, die in jeder Ansicht jedoch mit einer markanten Naturansicht verbunden ist. So sind wir also in der Natur und dennoch in einem strengen Architekturrahmen.

Für die Künstler ergab sich daher eine sehr konzentrierte Ausgangssituation ihrer Arbeit. Ich möchte hier einen Zusammenhang mit dem von mir betreuten Skulpturenprojekt in Villa Celli in der Nähe von Pistoia in der Toscana herstellen. Villa Celli bot vor allem dadurch einen anderen Ausgangspunkt, da hier ein großer Bereich gestalteter Natur vorgegeben war, eine große Parkanlage. Dort arbeiteten wir gleichsam in der vorgegebenen Situation einer Kulturlandschaft. Dieser genau geplante Park wurde ungefähr um 1700 errichtet - dieses Datum führt uns natürlich zum großen Bezugspunkt hier in Spital am Pyhrn, der Klosteranlage, die etwa um diese Zeit errichtet wurde. Die Parkanlage in Celli wurde allerdings in den letzten Jahrzehnten sehr stark von der Natur überwuchert und entwickelte sich daher zu einer Art Mittelding. In diese Ortssituation wurden dann gleichsam Skulpturen hineingepflanzt.

So erscheint es mir wichtig, zu unterscheiden zwischen einer vorgegebenen fixen Situation und einer zeitlich beschränkten Situation wie etwa einer Ausstellung. Hier in Spital haben wir quasi die Situation einer guten Kunstausstellung, die jedoch sehr speziell für die Raumsituation geschaffen wurde. Es erinnert ein wenig an die Situation von Rauminstallationen in Museen, die speziell für die Museumsräume geschaffen werden. Der Unterschied besteht natürlich in der Institution, die das Projekt betreibt. Das Museum als Kunstinstitution hat eine lange Tradition, während hier in Spital diese Ausstellung gleichsam hineingesetzt wird. Es ist wie eine Art provisorisches Museum, das hier entsteht. Das Architekturensemble des Klosters mutiert hier zu einem Museum mit speziellen Museumsräumen, die wiederum in spezieller Weise durch die Skulpturenexponate umgestaltet werden. Hier ist vor allem wichtig als Unterschied festzuhalten, daß die meisten Skulpturenprojekte von Spital sich sehr direkt auf die spezielle Bedeutung des Ortes beziehen. [...]

(Amnon Barzel)