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Kurzbeschreibung

Johannes Rauchenberger (Hrsg.)


Nichtvonmenschenhand ist keine Kunst. Und doch trauen wir großer Kunst zu, mehr als von Menschenhand zu sein. Bevor neue Medien die Rolle des Bildes übernahmen, nannte man „nicht von Menschenhand gemachte Bilder“ solche, die vom Himmel fielen. Das ist, wie könnte es anders sein, eine Legende. Und doch beginnt damit in unserer Kultur die Geschichte des Bildes: Die Erscheinung geht dem Machen voraus. Ein Bild übersteht das Jetzt, obwohl es dieses verhandelt. So weit baut sich die Spannung auf, die das Kulturzentrum bei den Minoriten in seiner Herbstausstellung mit zwei in ihrer Formensprache diametral verschiedenen Künstlern im Blick hat. Im Zentrum steht dabei der Mensch: sein zeitloses Gesicht und seine zurückgelassenen Dinge. Wir loten dabei Begriffe wie Aura, Epiphanie und Erscheinung aus. Und wagen die These, dass Modernität so sichtbar werden kann, dass sie Zeitgenossenschaft mit Zeitlosigkeit verbindet. Bertram Hasenauer zeigt virtuos gezeichnete Porträts von ewiger Dauer. Eduard Winklhofers Maß der Kunst ist von großer Wucht, die Freiheiten ermöglicht und Verpflichtungen einmahnt.

Alterslos erscheinen dabei die Gesichter des aus Saalfelden stammenden, in Berlin lebenden Künstlers Bertram Hasenauer. Mächtig in ihrer erscheinenden Präsenz, fragil in ihrem Wesen, erinnern sie an Ikonen der Gegenwart. Aber weniger an Stars, vielmehr an enigmatische Gestalten, die wie Erinnerungsschemen aus dem Nebel der Zeit aufscheinen, die unverkennbar jene von heute ist, obwohl kein Attribut dieses Heute verrät. Oder die dabei verschwinden. Darin trifft sich diese ungewöhnliche Bildergalerie mit ihren beinahe sakral anmutenden, virtuos gezeichneten Köpfen mit dem schwebendem Beton auf zwölf Stühlen, mit Flöten, die im Fenster des alten Klosters stecken, oder die, mit Stacheldraht umwunden, Tische und Stühle auf der anderen Seite der Mauer gegen die Schwerkraft halten. Und mit einem Haufen von Telefonen, die von einem Baunetz gehalten werden. Die Materialsprache Eduard Winklhofers hat in jener der arte povera ihre Wurzel, zu deren Hauptvertreter er als junger Student bereits enge Verbindungen unterhielt. Als Künstler in Italien ausgebildet war er später viele Jahre Assistent von Jannis Kounellis in Düsseldorf, wo er heute lebt. Winklhofers kompromissloses Denken schärft sich in hoher Reflexivität, die verbunden ist mit Poesie, mit Achtung und Verpflichtung.

(Johannes Rauchenberger)