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Kurzbeschreibung

Sabine sucht den Begrenzungen ihres Alltags zu entfliehen. Es zeigt sich dabei jedoch, dass Grenzüberschreitungen nur zu einer Verschiebung und Neubenennung, nicht aber zur Aufhebung der Abhängigkeit führen. Die Protagonistin tauscht ihr Leben als Mutter und Ehefrau gegen eine Existenz als Objekt sadomasochistischer Rituale ein und unterwirft sich damit neuen Vorschriften.

„Halterlose Netzstrümpfe und geschnürte, hochhackige Stiefeletten hast du gekauft, und in diesem Geruch von Leder und Synthetik, hinter dem Vorhang des Geschäftes, umgeben von Schuhkartons, die Strümpfe angelegt, die dein Fleisch halten, die Schuhe, die deine Schritte bestimmen sollten.“


Rezensionen
Helmuth Schönauer:

Not, nötig, genötigt. - Irgendwo in diesem semantischen Umfeld spielt die Erzählung Simone Schönetts. Eine Frau, völlig unauffällig nach außen hin, übernimmt erotische Aushilfsdienste, um die eigene finanzielle Unterzuckerung und die sexuelle Not der Männer zu befriedigen. Mal sehen, heißt ihre Devise, die Kontakte werden über den Chat im Internet angebahnt.

Dann tauchen sie realiter auf, diese Phantomtiere aus dem sexuellen Netz. Wolf hat ziemlich ausgefallene Wünsche der Befriedigung, Zähmung und Erniedrigung, sein Samen liegt noch wochenlang im Magen, irgendwann gehen selbst die sexuellen Abzählreime aus dem Leim.

Dazwischen laufen die Filmrollen als Mutter und Ehefrau scheinbar unbeeindruckt auf ihren Spulen weiter, aber die Wahrnehmung hat sich geändert.

Selbst in unauffälligen kleinen Ereignissen sind sexuelle Besonderheiten verborgen, die Sprache der erotischen Ausschweifung und des tonlosen Alltags fallen irgendwann während des Tages zusammen und es entsteht ein Erlebnisbrei aus beiden Feldern, alles wird zur Nötigung.

Zwischendurch erzählt das nicht gerade übermännliche Schwanz-Ich von seinen Erlebnissen während der sexuellen Abläufe, die Sprache ist immer zu dünn für diese Rituale, die halb im Animalischen, halb im Infantilen angesiedelt sind.

Die Textteile sind denn auch mit Schlüsselwörtern wie "Handel", "namenlos", "gurren", "Plastikwelten", "der Mensch ist dem Menschen..." überschrieben. Die Sexualität flutscht zwischen der Geschäftswelt und dem Bildungsauftrag der beteiligten Seelen hin und her. Zwischen den Inszenierungen bei einer Vernissage und den Verkaufsabläufen im Sexshop ist kein Unterschied, wenn der Konnex des Bewußtseins einmal hergestellt ist.

Und so enden scheinbar harmlose Sätze immer wieder in größter Begriffeslust und Greifsucht. "Die Eier sind längst kalt geworden. Ich esse sie trotzdem." (71)

Simone Schönetts Erzählung ist eine raffiniert freche Beschreibung jenes Zwischenreichs der Sexualität, in welchem die Helden hüllenlos die Szene betreten und mit einer übergroßen Rolle heraus kommen.

(Helmuth Schönauer, Rezension vom 24.10.2005)


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