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Kurzbeschreibung

Nach dem Kunstraub übernimmt Oberst Max Steinberg neuerlich in einem brisanten Fall im Linzer Raum die Ermittlungen. Diesmal muss er das eng gestrickte Netzwerk der Waffenlobbyisten und Wirtschaftsbosse durchdringen.

"Vertuscht wurde genug. Ich will, dass ein neutrales Land sich an Waffenembargos und Staatsverträge hält. Die Geldgier einzelner Politiker und Beamter darf das nicht untergraben. Und Arbeitsplätze kann man in anderen Branchen schaffen. Dazu braucht es keine Waffenschmieden. Am Ende bauen sie bei uns Streuminen, mit denen man Zivilisten verstümmelt und Kinder zu Krüppeln macht. Nur damit Arbeitsplätze gesichert werden. Ich habe zu viele Tote und Verstümmelte mit eigenen Augen gesehen. Verstehst du mich jetzt?"

"Ich habe dich immer verstanden, aber …"

"Komm mir ja nicht mit dem Argument, dass dann halt andere an unserer Stelle die Waffen produzieren. So brauchen wir erst gar nicht anzufangen."


Rezensionen
Carina Maurer: Voest-Noricum-Skandal als Grundlage für Linzer Krimi

Waffenhandel, Geldwäsche, Korruption, Mord – der Linzer Schriftsteller Volker Raus begibt sich mit seinem neuesten Roman „Reichweite“ tief in den Sumpf des Verbrechens. Der Politkrimi entspringt jedoch nicht nur der Phantasie des Autors, sondern basiert auf dem Voest-Noricum-Skandal der 1980er-Jahre.

„Der Zweck heiligt die Mittel – damals wie heute“, ist sich Volker Raus sicher: „Die skrupellose Gier nach dem großen Geld treibt fast alle Menschen heutzutage an. Geiz ist geil und ein Unrechtsbewusstsein, dass diese Billiger-Billiger-Mentalität vielleicht zulasten der dritten Welt geht, ist quasi nicht mehr vorhanden. Alle versuchen doch immer für sich das Beste aus einer Situation herauszuholen – ganz egal, wie es anderen Menschen dadurch geht.“

"Die skrupellose Gier nach dem großen Geld treibt fast alle Menschen heutzutage an." Volker Raus

Vor zwanzig Jahren begann in Linz der Voest-Noricum Prozess, einer der längsten und brisantesten Justizprozesse der Zweiten Republik. Erörtert wurden illegale Waffenlieferungen des Voest-Tochterunternehmens Noricum an die – sich miteinander im Krieg be ndlichen – Staaten Iran und Irak. „Wer weiß, ob solche Dinge in der heutigen Gesellschaft nicht genauso noch geschehen. Für eine spannende Geschichte brauche ich also gar nicht weit über den Tellerrand blicken, in Linz geschieht alles, was für einen großen Skandal notwendig ist“, betont Raus. In seinem Roman „Reichweite“, führen die Ermittlungen von Polizeioberst Max Steinberg in die Welt des Waffenhandels, der politischen Macht. Das Buch ist Steinbergs zweiter Fall in seiner Heimatstadt Linz.

Historische Eckdaten in die Gegenwart verlegt

„Die Krimihandlung dient dem Transport eines gesellschaftspolitischen Themas, das mir sehr am Herzen liegt. Irgendwie ist die ganze Welt auf Schnäppchenjagd, ohne sich zu fragen, auf wessen Kosten dies geschieht. In meinem Roman habe ich die historischen Eckdaten in die Gegenwart verlegt und ich denke, dass macht es auch für die Leser spannend“, erzählt der Autor. Polizeioberst Max Steinberg erscheint in seinem zweiten Fall menschlicher, zeigt Schwächen und eine emotionale Seite.

"Nur im Wirtshaus zu sudern ist mir zu wenig – ich möchte einfach eine intellektuelle Auseinandersetzung zu diesem Thema anbieten." Volker Raus

„Meine Frau hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass viele weibliche Leser auch über die Gefühlswelt des Ermittlers Bescheid wissen wollen“, schmunzelt Raus, „und es war mir auch ein Anliegen, keinen Macho zu konzipieren. Die Geschichte ‚menschelt‘ durch Max Steinberger und das ist gut so.“ Bereits wenige Wochen nach dem Erscheinen des Romans hätten sich zahlreiche Menschen bei ihm bezüglich eines Gesprächs gemeldet, erzählt der Linzer, die Geschichte erzeuge Betroffenheit und sei in den Köpfen der Menschen sehr präsent. „Ich möchte mit dem Buch sicher einen Beitrag zu gesellschaftlichen Strömungen leisten, ich möchte zum Nachdenken anregen. Nur im Wirtshaus zu sudern ist mir zu wenig – ich möchte einfach eine intellektuelle Auseinandersetzung zu diesem Thema anbieten“, betont Raus.

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(Carina Maurer, Rezension in: Tips #43. W. 10, 28. Oktober 2010, S. 8)