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Kurzbeschreibung

Beim Autofahren sind die Römer Meister. Die heimlich eingegangene Wette, dass der Lastwagen es nicht schaffen wird vorbeizukommen, verliert man. Einbahnschilder nimmt hingegen niemand wirklich ernst – und schon gar nicht Bodenmarkierungen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Der Motorradfahrer fährt eben ohne Licht gegen die Einbahn, so sieht man ihn nicht. Hält ein Fahrer an einer roten Ampel bei einem Fußgängerübergang, ohne dass ein Fußgänger die Straße überqueren möchte, kann er mit Gewissheit annehmen, von seinem Hintermann angehupt zu werden, damit er endlich fahre. In der Innenstadt, wo Parkplätze rarer sind als Trinkwasser in der Wüste, geht indes eine Autowerkstätte ihrem Gewerbe nach. Selbst in den engsten Gassen des Stadtzentrums hat das Handwerk seinen Platz. Zwischen einer eleganten Modeboutique und einem Antiquitätenladen befindet sich eine Schlosserei oder eine Tischlerei. Das Kleingewerbe hat Tradition: nebeneinander zwei Fleischerläden – und beide haben ihr Auslangen. Nicht zuletzt wegen verschiedener Öffnungszeiten. Der Druckereibetrieb ist nicht an die Peripherie abgewandert.

Die Römer lieben den Lärm – insbesondere den selbst gemachten. Während der Woche dringt kein Mucks aus der Nachbarwohnung. Doch Sonntagabend wird im Fernsehen das Sportgeschehen verfolgt. Lautstark. Im Café prallen die Meinungen aufeinander.


Rezensionen
Andreas Weber: Nie am Ziel - Manfred Chobots Reisegeschichten

Manfred Chobots Buch "Reisegeschichten" enthält die ganze Welt: Rom, New York, Los Angeles, San Francisco, Hawaii, Mexiko, Guatemala, Ecuador, Peru, Bolivien, Rio, Kuba, China, Hongkong, Israel, Malta, Basel, die DDR und Berlin. Über die Inhaltsangabe steht die Idee hinter allen Geschichten: "Das Weite suchen und die Nähe erfahren."

Die dreißig Texte des Bandes machen Lust aufs Reisen. Als Gattungsbezeichnung unter dem Titel steht nicht Reportagen, sondern "Erzählungen". Das macht neugierig, und tatsächlich verlangt das Thema des Buches eine fiktionale, subjektive Form: Es geht um das Lebensgefühl des Unterwegsseins, um etwas, das mit Suche viel zu konkret beschrieben wäre.

Der Weltreisende erzählt vom Alltag in fremden Ländern. Er lernt Leute kennen, besucht Freunde und redet mit ihnen über das Leben und das Land, in dem sie wohnen. Chobot beschreibt keine Sensationen, sondern das, was jeden Tag passiert. Was die vielen beschriebenen Kleinigkeiten spannend macht, ist der geschichtliche Hintergrund, vor dem die Alltäglichkeiten in der Gegenwart passieren. In deren Beschreibung fließt fast unbemerkt sehr viel Information über die Fremde ein.

Etwa über die Wichtigkeit von Visitenkarten bei ernsthaften Gesprächen mit Chinesen, über die vier israelischen Religionsgemeinschaften, über die Eroberungen der Conquistadoren oder darüber, daß man beim Wellenreiten auf Hawaii erst unter dem Einfluß eines Pilzes, der auf Kuhfladen gedeiht, so richtig abhebt: "Durch den Pilz wirst du kein anderer, du bleibst derjenige, der du bist, indes erweitert sich dein Geist, nimmt eine andere Dimension an ... Du bist eine bestimmte Welle und die Welle ist ein Teil von dir, mit dem du dich arrangierst. Allerdings mußt du deine Grenzen kennen", erklärt der Gastgeber einer Grill-Party, jetzt Kellner eines Hotels, früher war er Verkäufer, seit seiner Jugend ist er Aldous Huxley-Leser.

In Südamerika begleitete den Reisenden ein Mann namens Latino, durch den Rest der Welt reist der Schriftsteller alleine. Abgesehen von einer Einladung des Schriftstellerverbandes der DDR und einer Reise nach Malta, die der Erzähler bei einem EU-Rubbelspiel gewann, reist Chobot ohne besonderen Auftrag durch die Welt. Das hat etwas von den Entwicklungsreisen der deutschen Romantiker, man ist erinnert an "Franz Sternbalds Wanderungen" oder an Eichendorffs "Taugenichts", auch wenn natürlich Welten zwischen diesen Texten liegen. Aber es geht allen diesen Reisenden vor allem darum, woanders zu sein, um dort etwas zu erleben, das sie in der Entwicklung ihrer Identität weiterbringt, sie suchen Erfahrungen, die sie zu Hause nicht gemacht hätten. Chobot als Reisender des 20. Jahrhunderts macht sich seine Gedanken, die er nicht verschweigt, aber er tut nie so, als gehörte er in das Land, durch das er gerade fährt.

Manfred Chobots "Reisegeschichten" erinnern mitunter an Jack Kerouacs Beat-Generation Klassiker "On the road". Während Sal Paradise auf seinen Reisen per Autostopp durch Amerika trampt, düst Chobot einige Jahrzehnte später im Jet durch den Himmel über der Erde. Sie haben beide das selbe Ziel.

(Andreas Weber, Rezension in: Literatur und Kritik, Heft 383/384, Mai 2004)


http://www.chobot.at/body_ausgew_kritiken_56.htm