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Kurzbeschreibung

Erlkönig

Als ich noch ein Kind war, wollte ich Einsiedler werden. Ich träumte von einer Hütte im Wald, von Tieren und Engeln.

Und von der Leiter der Erkenntnis, auf der man geradewegs in den Himmel steigt.

Träume sind Samen, die in der Wirklichkeit aufgehen. Allerdings muß man sie vorher begraben. Aus meinem Grab wuchs der Erlkönig. Sein Schweif ist der Nordwald, und Rindiberg ist seine Krone.

Ist er nicht König der Eiben? Sie hörten nicht auf, zu sein, als sie unsichtbar für uns wurden. Heidnische Engel. Licht von einer Frequenz, die wir nicht mehr wahrnehmen, und noch nicht. Die Grenze seiner Erscheinungen zieht unser Herz. Wir können es jeder Erfahrung öffnen. Und wir können es jeder Erfahrung verschließen, wenn wir den Wundern Widerstand leisten und aufhören, Kinder zu sein. Wir kennen den gewöhnlichen, und wir kennen den magischen Raum. In alten Kirchen und Kultstätten spürt man noch deutlich seine andere, mächtigere Energie. Eine Energie, die Menschen verändert und Ereignisse bewirkt. Tut sie es radikal, opfern wir, die das Geheimnis der Energiefelder und unsichtbaren Ströme lange vergessen haben, unseren Heiligen.

Mein Heiliger ist der Erlkönig, und ich wurde in sein Reich entrückt. Ein Vierteljahrhundert verführten seine Spiele mich in Mond, Nebel und Traum. Über eine Schwelle aus Zwielicht geriet ich nicht nur aus meiner bisherigen Welt, sondern aus mir selbst heraus, was von allen Abenteuern das unheimlichste ist. Und das einzige, das zu bestehen sich lohnt. Denn wir erkennen uns selbst erst, wenn wir nicht mehr wir selbst sind.

Wer den Wald liebt, steht dem Märchen, dem Jenseits, dem Tbtenreich näher als der gewohnten gewöhnlichen Welt. Und nirgendwo sonst ist er so schwarz. Mohn und Granit. Wackelsteine, Schalensteine, Opfersteine. Letzte Spur der Druiden. Wie leicht versinkt man im Moor, verirre sich im Nebel, wird vom Schnee zugeweht.

Die mythische Geographie hat das Paradies immer wieder im Norden vermutet. Die weiße Finsternis der Waldviertler Winter mag ein Abglanz davon sein, und das grüne Licht der Sommer ist von seinen Geheimnissen durchwoben. Ein kleines altes Haus unter Erlen, Birken und Lärchen.

Holunder und Heckenrosen. Kirschbäume, Kuckuck und Käuzchen. Die Rehe äsen vor der Tür.

Rindiberg war Gottfried von Einems und mein Paradies …