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Kurzbeschreibung


Was machen Sie, wenn Sie entdeckten, dass der von Ihnen vermißte Sohn nie existiert hat? Und was, wenn immer weniger Schlüssel auf Ihrem Schlüsselbund Türen sperrten? Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen Ihr Partner mitten in einem Schneetreiben auf und davon ginge? Und wie, wenn Sie bemerkten, daß nicht nur im Keller Ihres Hauses massenweise Pilze wachsen, Ihnen aber niemand Glauben schenkt?

Janacs’ neue Short Stories sind scheinbar voll des Wundersamen und Unheimlichen, aber bei genauerem Hinsehen sind es alltägliche Tragödien, die sich abspielen und seine Protagonisten erschüttern. Denn immer gibt es in seinen Geschichten plötzlich einen Punkt, an dem die Wirklichkeit zu kippen scheint und jede Vertrautheit verliert. Zurück bleiben verunsicherte, aus der Bahn geworfene Menschen und Leser, in denen die Schlüsselgeschichten noch lange nachklingen.


Rezensionen
Martin Putschögl: Tragödien im Kopf

Serienmörder und Paranoiker; Schlepper und verzweifelte Mütter; verlorene Söhne, die zurückkehren, um nie mehr zurückkehren zu müssen – es sind keine heilen Welten, die uns Christoph Janacs in seinem Erzählband "Schlüsselgeschichten" präsentiert. Der Autor bewegt sich dabei im wörtlichen wie im übertragenen Sinn "auf den Punkt zu": Weit ausholend, mit oft sehr langen Sätzen (und fallweise auch Klammern in der Klammer) erzählt er von Menschen, die von nicht alltäglichen Begebenheiten aus der Bahn geworfen oder vor ein Rätsel gestellt werden, dessen Lösung den Leser von der ersten Zeile weg in Atem hält.

Da ist der Protagonist der titelgebenden Geschichte, der einen Schlüsselbund mit sich trägt; immer weniger dieser Schlüssel passen in das Schloss, zu dem er den jeweiligen Schlüssel zugehörig hielt. Oder die Sache mit den Pilzen: Aus einem beschaulichen Einfamilienhaus-im-Grünen-Milieu entwickelt sich eine schaurige, paranoide Horrorgeschichte. Durch den Verzicht auf exakte Ortsangaben werden Janacs’ Geschichten überdies zeit- und raumlos.

Die Erzählungen sind ebenso raffiniert wie penibel konstruiert, nur selten wirken manche Dialoge etwas platt. Und dann wäre da noch das Unbehagen, das einen nach der Lektüre befällt, wenn der Autor seine rätselhaften Geschichten nicht aufklärt, sondern dies der Fantasie des Lesers überlässt. Konsequenterweise verzichtet Janacs von Anfang an auf das Legen diverser Fährten; die Storys beginnen und enden als Rätsel, die Interpretation bleibt Geschmacksache des Lesers, denn die Tragödien spielen sich im Kopf ab.

(Martin Putschögl, Rezension auf der Webseite der LitGes. Literarische Gesellschaft St. Pölten, [?])


http://www.litges.at/litges3/index.php?option=com_content&view=article&id=742:schluesselgeschichten-christoph-janacs-rez-m-putschoegl&catid=13:buch&Itemid=17

Karl Vogd: Rätselhafte Geschichten von verunsicherten Menschen. (DR)

Wie es in Menschen aussieht, denen das Vertrauen in die Realität verloren gegangen ist, davon erzählt Christoph Janacs in den "Schlüsselgeschichten". Die Wirklichkeit verliert für die Protagonisten der "Short Stories" auf einmal ihre Vertrautheit. Etwas Unheimliches, das aber nicht genau fixiert werden kann, beginnt sie zu bedrohen. Das Ergebnis sind nagende Selbstzweifel, Verfolgungsphantasien, Kurzschlusshandlungen.

In der Kurzgeschichte "Zeit der Pilze" etwa wähnt sich ein Sachbearbeiter im Finanzamt von Pilzen verfolgt. Die Wände in seinem Büro, der Keller des Amtsgebäudes und schließlich auch die Räume seines Vorstadthauses sind überzogen vom "überdimensionalen Krebsgeschwür" einer "silbriggrauen Myzelschicht". Natürlich halten ihn die Mitmenschen für verrückt. Ob er das tatsächlich ist, lässt die Geschichte offen. Am Ende scheint sich jedenfalls ein Amoklauf anzukündigen: "Er geht hinüber zur Gartentür, schiebt den Riegel zurück, zieht die Tür auf. Er braucht kein Licht. Er weiß, wo die Axt hängt."

Was den meisten der Geschichten große Intensität verleiht, ist die Verschränkung von präzisen Beschreibungen der äußeren Realität mit ungemein dichten Bildern von Innenwelten. Lösungen oder Antworten darf sich der Leser aber keine erwarten. Die Geschichten klingen in ihm noch lange nach, sie lassen ihn aber auch ratlos zurück.

(Karl Vogd, Rezension in: bn.bibliotheksnachrichten, [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=51322&rezid=28107

Joe Rabl: Abstrakte Irritationen

Über den Paso de Cortes, jenen 3600 Meter hoch gelegenen Einschnitt zwischen Popocatepetl und Ixtaccihuatl, kamen einst die spanischen Eroberer auf ihrem Weg nach Tenochtitlän. Über den Paso de Cortes wandern in Christoph Janacs' gleichnamiger Erzählung, die den Band mit »Short Stories« einleitet, ein alter Mann und ein Junge. Unter ihnen die Ebene und weit draußen das Meer, über das die seltsamen Fremden gekommen sind, von denen man sich im Hochland mit Schaudern erzählt. Und ab und zu blitzt unten in der Ebene etwas auf: die Bedro­hung rückt näher.

Christoph Janacs erzählt in ruhigem Ton, unaufgeregt, fängt die bedrohliche Stimmung in wenigen Sätzen und knap­pen Dialogen gekonnt ein. Ein paar Absätze nur und wir sind mitten in der Szenerie, mitten im beginnenden 16. Jahr­hundert, spüren das Näherrücken der spanischen Truppen geradezu körperlich, die Nacht senkt sich über die Szene, das Klirren der Rüstungen durchbricht die Stille, ein Vogel schreit gespenstisch - und mit einem kursiv gesetzten »Jetzt!« wech­selt die Perspektive und wir sitzen plötz­lich im Führerhaus eines schlingernden Lastwagens, der Fahrer tritt das Brems­pedal durch und bringt den Wagen zum Stehen. Offenbar hat es eine Kollision gegeben und, wie zu erwarten, findet der Fahrer dann auch einen alten Mann und einen Jungen, die er gerade überfahren hat.

Die Überraschung ist geglückt. Wähnt man sich als Leser zuerst noch kurz vor Ankunft der Truppen von Hernän Cortes, findet man sich mit einem Schlag in die Gegenwart versetzt, und die Konquista­doren sind unter der Hand zu zeitgenös­sischen Fernfahrern mutiert. Der Zusammenprall der Kulturen, der auch sprachlich markiert ist (Fahrer und Beifahrer reden im Gegensatz zu den Indios Umgangs­sprache), ist ein gelungenes Bild für die Heftigkeit des seinerzeitigen Überfalls der spanischen Eroberer. Und auch dass sie die beiden einfach liegen lassen und sich aus dem Staub machen, passt ins Bild.

(Joe Rabl, Rezension in: Literatur und Kritik, [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=51322&rezid=29190