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Kurzbeschreibung



Die Ortsgeschichte beginnt an der Kirche. Sie liegt auf einem heiligen Berg und die Stiege hinaus ist eine Scala Santa. Im Inneren der Kirche beherrscht Drachensieger Georg den sakralen Raum.

Ich bin nach Bergdorf gekommen, weil ich ein barockes Leben führen wollte. Verschiedene Drachenarten hatten mich bisher daran gehindert. Tatsächlich habe ich hier die Untiere, die mir am Gedärm fraßen, unter Kontrolle bringen können.

Einer, den der heilige Georg nicht klein gekriegt hat, ist der Dechantissimus Adalbert Iustus. Beide Namen hatte er sich während seines Studiums zugelegt …



Rezensionen
Helmuth Schönauer:

Artige Geschichten stehen oft auf wackeligen Beinen, eine kleine Böe und sie geraten in Schräglage.

Peter Reutterer führt in seinen kurzen Satiren zuerst immer ein Stück abgepackte Welt vor, aber die Ware ist offensichtlich angeschlagen, lässt seltsame Düfte aus, bringt die genormte Dramaturgie aus dem Häuschen oder stellt ganz etwas anderes dar, als im ersten Absatz versprochen wird. Die scheinbar glatten Erzählungen werfen beim Lesen Blasen und springen an unerwarteten Stellen wund auf. So ist man als Leser gewarnt, und man nimmt die glänzenden Sachen etwas matter, die ausgeleuchteten Stellen mahnen zur Vorsicht, und überhaupt sollte man vielleicht nicht alles so nehmen, wie es an der Oberfläche erscheint.

Die knapp fünfzig Texte gruppieren sich über-idyllisch um die heftigsten Thementische der Österreicher: Trautes Heim, bist allein; Die lieben Leute auf dem Land; Der Kaiser ist tot, es lebe der Kaiser; Der Frust mit der Lust.

Tatsächlich kommt man in unseren Landen mit den Themen Wohnen, Garten, Stammtisch und Liebe über jeden Gesprächsabend.

Bei Peter Reutterer sitzen die Protagonisten jeweils artig um das Set, oft sind sie aufgestellt wie ein zu eng geratenes Krippenspiel, und bald einmal gerät die Lage außer Kontrolle.

So bringt ein Mistkübel, zur falschen Zeit ausgetragen, die Hormone zur Wallung und das Liebesleben aus dem Geschirr.

Opa hat es auch im Alter nicht leicht, zurzeit macht ihm der pietätlose Zustand seiner Frau, also Oma, zu schaffen.

Eine Frau aus Burkistan kriegt mit ihrem Schleier mehr Probleme, als dieses Stück Stoff überhaupt Fasern hat.

Ein frustrierter Mann erklärt einem anderen Frustrierten, dass man in der gekauften Erotik wenigstens das bekommt, was man bestellt, also zart ist zart und hart ist hart, während im Alltagsleben kein Handgriff sitzt.

Ein abgewählter Kanzler macht ganz auf Prolo und schimpft als staatstragendes Ex-Unikat auf das dumme Wahlvolk.

Schräg gegen das Licht gelegt gleichen die Texte einer riesigen Tageszeitung, bei der hinten und vorne nichts stimmt. Die Welt, die sich aus Peter Reutterers Satiren hervortut, ist ein Stück Österreichisches Gemeinwesen, mit Betonung auf gemein. Der scheinbar aufrichtige Ton, den die Figuren in den Geschichten anschlagen, ist in Wirklichkeit ein Misston voller Häme und Schadenfreude. Als Leser wird man in der Realität täglich mehrfach in solche Schräglagen gekippt, wie sie sich hier zeigen. Vielleicht muss man sich selbst schräg stellen, um mit diesen Geschichte die Welt halbwegs ins Lot zu rücken.

(Helmuth Schönauer, Rezension vom 16.1.2008)


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=58547&rezid=27817