Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

Texte von: Herbert Achternbusch, Tilman Spengler


Im Werk der 1958 in Niederbayern geborenen Bildhauerin Margit Orlogi fällt besonders die vielfältige und sinnliche Bearbeitung von Oberflächen verschiedener Steinarten ins Auge. In Ihrer Arbeitsweise versucht sie oftmals monumentalen Bruchstücken aus verschiedenen Gesteinsarten wie Marmor, Granit, Travertin, Sandstein, Serpentin oder Diabas durch minimale Eingriffe eine neue Form zu geben und die Beschaffenheit des jeweiligen Steines durch ihre Eingriffe zu erkunden.

Dabei berücksichtigt die Künstlerin einerseits ganz stark die natürlichen Charakteristiken der „naturgewachsenen“ Gesteinsmaterialität, die sie durch behutsame und vorsichtige Arbeitsweise nicht von der ureigenen Steinsubstanz und den Spuren der Entstehungsgeschichte des Materials entfremden will, sondern deren innerem Zustand sie andererseits mit einfacher, klarer und reduzierter Weise begegnet. So werden die Eigenheiten der unterschiedlichen Steine mit den Adern, Brüchen, Einsprengseln und Farbkonnotationen aufgenommen und mittels des kreativen Dialogs der Bearbeitung an der Offenlegung der materiellen Geheimnisses gearbeitet.

Die topographische Provenienz des Steins mit all seinen erdgeschichtlichen Implikationen ist beim Auswahl- und Entstehungsprozess der Künstlerin von großer Bedeutung, da Orlogi als „reisende Künstlerin“ (vornehmlich in Europa und Asien) vielfach an den Fund- bzw. Herkunftsorten des Steines arbeitet. Naturgemäß geht der späteren bildhauerischen Tätigkeit eine intensive Suche und Auseinandersetzung mit der landschaftlichen Region und deren geologischen bzw. tektonischen Strukturen voraus, bevor der Prozess der Aneignung eines Steins und der Begegnung mit diesem beginnt. Dieser Prozess ist für die Künstlerin Voraussetzung, um die Kräfte bzw. die „Seele“ des Steins zu erahnen und die notwendige Kontemplation zur Gestaltung bzw. Formung der Steinskulpturen und Objekte zu finden. Erst diese konzentrierte Annäherung an das Material erlaubt es ihr, die Essenz des Steins zu erkennen, die notwendigen bildhauerischen Eingriffe zu setzen und die gestalterischen Schlüsse zu ziehen: Markierungen bzw. eingeschriebene Spuren aufzunehmen und herauszuarbeiten, Richtungen und Zentren zu erkennen, Flächen und Linienführungen zu setzen und formale bzw. räumlich-skulpturale Inhalte festzulegen, um dem Stein zu einer originären Sprache zu verhelfen.

Durch dieses Aufnehmen von vorhandenen Aspekten der spezifischen Gesteinsstrukturen und die davon abhängige individuelle Bearbeitungen der jeweiligen Gesteinsformen werden die Geheimnisse des Steins auf sensible Weise schließlich erst aufgespürt.

Dergestalt ermöglicht das durch Margit Orlogi initiierte Aufeinandertreffen von natürlichen und menschlichen Prozessen nicht nur eine Vorstellung von zeitlichen – ganz und gar kosmischen – Dimensionen, sondern auch einen Brückenschlag zwischen den Antipoden Natur und Mensch bzw. zwischen natürlich gewachsenen Strukturen und menschlichen, also artifiziellen, Interaktionen.