Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung



Hast dich eingerichtet
mit den Wasserfleckenfenstern und
dem Jalousienblätterstaub. Gehst aus
dem Zimmer, beziehst Stellung auf
der Gartenbank, nimmst den Garten
in beide Hände, drehst den Garten
um die eigene Achse, Keimling,
der sogleich seine Arbeit beginnt.



Treibgut verfaultes Laub, dazwischen der Karpfen,
seine Schwanzflosse braunocker über dem morastigen Grün.
Ein Tschilpen, Schnattern, Watscheln mit gedämpften
Schwimmhäuten auf rissigem Asphalt. Das Asphaltwort eine
Lokomotive, die ins Stocken gerät, sei es durch die Unauffälligkeit
eines eleganten Anzugs, sei es durch das Wortauge,
das sich in den Gegenstand bohrt. Hier eine mit Bücher gefüllte Plastikbox,
dort die Kehrmaschine, die ihren Sound um
den Parkteich legt. Mach es bitte nicht Vorbeisein, check die
Sekunden ein, gib den Augenblicken Hände und Ohren,
Käferwissen, ins Gefieder gesteckte Entenköpfe, einen
Vogelschwarm, hochsteigend über die Staudengewächse und
Dächer der Studier- und Bankgebäude. Bucheckern und
Erlenzapfen liegen am Weg, schmächtige Baumstämme stehen Spalier,
wuchtig hingesetzter Schrittton kreuzt zielstrebig
vorbei. Kein Ende sagt er, kein Ende und löst den Leisetritt
aus, löst den Leisetritt ab, der übergeht in ein Flügelschlagen,
das übergeht in die Föhnstimmung, in den Kälteeinbruch auf
der grünlackierten Holzbank sitzend, das gelbe
Postauto biegt um die Ecke, ein Handy schnell ans Ohr gezückt
und mit dem Wort Freunderlwirtschaft ist die Herbststimmung
schon aufgemischt. Lokomotive? Jetzt fliegen gelbe Blätter
in die Augenblicksstille. Tapfer wird Stöckelschritt
um Stöckelschritt gepflückt. Immer weiter in die föhnwarme
Luft, immer weiter zu den Lokomotivschüben am Rangierbahnhof
Parkteich, immer weiter zu Kopf ins Wasser tauchendem
Entenritua. Wind rüttelt jäh im Blattwerk. Wörter fallen
ab und verfaulen. Humus als die Kunst des Losgelassenen.


[…]


Rezensionen
Elisabeth Vera Rathenböck:

Hans Eichhorn (58) aus Vöcklabruck lebt als Berufsfischer und Schriftsteller am Attersee. Nun legt er wieder zwei Bücher vor. Sie heißen "Über den Niederungen" und "Über das Wesentliche" (Bibliothek der Provinz).

Was sie verbindet, ist das unheimlich schöne Fließen der lyrischen Momente. Eichhorn verfolgt eine Gedankenlyrik, die dem Beobachten huldigt. Als sitze er in einer Landschaft, in der alles an ihm vorbeizieht, so schreibt er seine Sätze, entwirft kurz ein Szenario und flicht dazu Gedanken ein.

Liebhabern von Literatur-Miniaturen sei Eichhorns Lyrik ans Herz gelegt!

(EVR, Rezension in: Kronen Zeitung, 20.8.2014)