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Kurzbeschreibung

[Hg. von Hildegard Fraueneder]


Künstlerisches Handeln hat mit Emotionen und Wissen, mit Fähigkeiten und Erfahrungen zu tun, letztendlich mit Setzungen und Entscheidungen, die ihrerseits als Anschauungen im besten Sinne des Wortes Wahrnehmungen sensibilisieren und verändern.

Ruedi Arnold hat im Kontex seiner langjährigen Professur für Bildhauerei an der Abteilung für Bildende Künste, Kunst- und Werkpädagogik an der Universität Mozarteum in Salzburg (1976-2013) eine Vielzahl von Texten verfasst, die entlang von allgemeinen Fragen zu Wahrnehmung und Gestaltung, zu spezifischen künstlerischen Genres und Tätigkeitsbereichen, zu ästhetischen Begriffen und Werturteilen das Lehren wie auch Ausüben und Rezipieren von Kunst reflektieren.

Ob als Essay, als Fallstudie oder in Hinblick auf eine Aufgabenstellung für die Studierenden verfasst - immer sind die Texte von einer zutiefst persönlichen Haltung geprägt, die sich nicht lediglich im Geben von visuellen Anstößen, im Initiieren von Denkmöglichkeiten und daraus zu entwickelnden Gestaltungen erschöpfen, sondern immer auch über das Wesen und den Geltungsbereich von Kunst referieren und Stellung beziehen zum Erfahrungsraum "Kunst" und ihren Möglichkeiten und Potentialen zur Aneignung von Welt.

(Hildegard Fraueneder)



Bei einem "großen Lehrer" sind Künstlertum und pädagogische Haltung nicht zwei Seiten, von denen jeweils die eine oder die andere in den Vordergrund tritt, sondern die einander unauflöslich durchdringen und in ihrer Verschmelzung diesen Menschen und seine Lehrer-Persönlichkeit konstituieren. Der "große Lehrer" nimmt das je Besondere der künstlerischen Individualität seiner Schülerinnen und Schüler wahr und hilft, es zu einem Maximum zu entfalten. Er (oder sie) zielt dabei nicht auf Nachahmerinnen oder Jünger, sondern auf eigenständige, authentische KünstlerInnen als Ergebnis der gemeinsamen Arbeit.

(Prof. Reinhart von Gutzeit)



Ruedi Arnold: Alles ist schön?

Lieber Thomas Zaunschirm, über Geschmacksfragen, sagt man, lässt sich nicht streiten. "Alles ist schön …" schreibst du als Titel über deinen NZZ-Artikel vom 9./10. Juni 2001. Und du stößt die damit aufgestellte Behauptung auch gleich wieder um, indem du ein Fragezeichen anfügst: Ist (tatsächlich) alles (und womöglich gar alles gleich) schön?

Ich weiß durchaus, dass diese Überschrift eine im Untertitel angesprochene Orientierungslosigkeit gegenwärtiger Ästhetik auf eine griffige Formel bringen will. In Bezug auf Orientierungslosigkeit mag ich dir nicht widersprechen – der Besuch aktueller Großausstellungen bringt mich in letzter Zeit zu ähnlichen Einschätzungen. Aber deine hinterfragte Behauptung "Alles ist schön?" zielt in die falsche Richtung. Nichts ist schön! (Dahinter gehört kein Frage-, sondern ein dickes Ausrufzeichen.)

Das bedeutet natürlich keineswegs, dass alles "schiach" (hässlich) wäre. Dinge, Sachverhalte und Möglichkeiten sind an und für sich weder schön noch hässlich. Zunächst einmal sind sie das, was sie sind (ganz einfach bzw. kompliziert genug). Und wir – jeder für sich und/oder alle miteinander – finden diese schön oder hässlich. Zu welchem Urteil wir gelangen, hat nur marginal mit den Dingen zu tun; es hängt vielmehr mit uns selber zusammen. Es gibt kein "Nur-Schönes", nicht "das Schöne" (schlechthin und an und für sich); nichts, was ausschließlich zu dem einen (Selbst-)Zweck – nämlich schön zu sein – schön wäre.

Du schreibst davon, dass "auch die Künstler die Erwartungen mancher Kunstfreunde nach Wohlklang und Harmonie torpedieren" würden. Wenn ich daran denke, was du in der Folge über die kulturelle Prägung geschrieben hast, glaube ich nicht, dass du den Wohlklang und die Harmonie als absolute Größen auffasst. Es geht also nicht um eine Suche nach jenen goldenen Proportionen, mit deren Hilfe in der Regel ausgerechnet jene, die sich am stärksten auf deren Verbindlichkeit berufen, die langweiligsten Konstrukte herstellen. (In diesem Zusammenhang kommt hinzu: Natürlich kenne ich den Wert von "Gestaltung" und weise meine Studierenden auch immer darauf hin. Aber das plastisch, farblich oder graphisch Durchgestaltete macht aus dem Frosch noch keinen Märchenprinzen, entspricht mehr dem Vorher/Nachher auf der Seite der Kosmetiktipps, entspricht noch nicht jener Kategorie des Schönen, von der hier die Rede sein soll.)

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