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Kurzbeschreibung

Wiener Karl-Kraus-Vorlesungen zur Kulturkritik ; 6. – Edition Seidengasse


Jede Ware hat einen Wert und einen Preis. Der Wert existiert in der Ware selbst. Der Preis wird in Geld dargestellt. Geld hat keinen Preis. Geld ist das Versprechen, den Arbeitszwang in Triebbefriedigung umzuwandeln.

In der Dienstleistungsgesellschaft geht es nicht mehr um Fertigkeiten, Arbeitskraft und Arbeitszeit. In der Dienstleistungsgesellschaft geht es darum, dass eine Person sich ganz einbringt. Es reicht nicht, eine Tätigkeit zu vollbringen. Die Art und Weise, wie das geschieht, entscheidet über Erfolg oder Nichterfolg. Deshalb gilt es die eigene Erscheinung und das Auftreten und die Kompetenz zu optimieren. Arbeitsauftreten und privates Auftreten fallen in eins.

Deshalb ist es richtig, sich unter der Bezeichnung „burn out“ mit den Überlastungsfolgen zu beschäftigen. Die Verstrickung in die vielen Schichten von Entfremdung und Selbstverwendung in Entfremdung führt zu völlig neuen Konstellationen des Selbst, die zu seelischer Überarbeitung durch fehlende Gebrauchsanleitungen führen müssen. Die einfache Übertragung von bisher lernbaren Regelsystemen auf die neuen Umstände ist falsch und zieht diese selbst zu induzierenden Überlastungen nach sich. Das erfolgt in der Form falsch trainierter Sportler oder Sportlerinnen, die durch das falsche Training keine Wirkung des Trainierens erziehlen können. Vielleicht aber sind sie auch nur nicht richtig „mental aufgestellt“, wie das im Sport bezeichnet wird. Auch in dieser Formulierung bleibt die Verantwortung des Scheiterns bei der scheiternden Person. Sie hat sich nicht „einstellen“ können.

Die Dienstleistung hat genauso wie die Ware einen Wert und einen Preis. Der Wert existiert in der Dienstleitung. Der Preis wird in Geld dargestellt. Geld hat keinen Preis. Geld ist das Versprechen, den Arbeitszwang in Triebbefriedigung umzuwandeln.





Aufzeichnung der Wiener Vorlesung „Ware Mensch“ vom 16. Dezember 2013