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Kurzbeschreibung

Wollen Sie, während Sie kochen oder backen, ein deutliches Gefühl für die Person und die Lebenswelt, die hinter dem Rezept stehen, in sich tragen? Diese originelle Mischung aus autobiographischen Erzählungen und Rezepten aus dem Leben einer Wirtin ermöglicht eine solche Erfahrung! (suksan)


Schlechtwetterprogramm

Ein Regentag im Wirtshaus war, wie gesagt, Anlass zu Unmut bei den Gästen. Was blieb mir da übrig, als zum Entertainer zu mutieren und so schnell wie möglich ein Schlechtwetterprogramm aufzustellen?

Was fiel mir da ein? Ein Brot-Back-Kurs, eine Regenwanderung, eine Kartenrunde … natürlich alles inklusive Frau Wirtin.

Und meine Arbeit? Ja, die blieb manchmal ungetan und musste nach der Sperrstunde erledigt werden. Nicht, dass ich nicht gerne gefeiert hätte. Natürlich war es für mich auch lustig, lauter fröhliche Gäste um mich zu haben. Zwischendurch fiel mir allerdings dies und das ein, was noch getan werden musste ... Nur nicht daran denken. Alles zu seiner Zeit. Kommt Schlaf, kommt Rat.

Die Gäste gewannen beim Kartenspiel, die Frau Wirtin bekam das Bummerl (Nockerl) und anstatt Geld gab's einen großen Topf Grießnockerlsuppe. Mit Lachen und Schmatzen wurde mit vielen Löffeln gemeinsam aus einem Topf gegessen, jeder darauf bedacht, mehr als der andere zu bekommen. Der Regen war Nebensache, denn nächtens scheint ohnehin keine Sonne. Und am nächsten Morgen? Man wird sehen.

Regen macht erfinderisch, und da fällt mir eine lustige Begebenheit ein, die typisch war für die damalige Zeit. Es war ein Feiertag im Juni. Die Feiertage waren sehr gut fürs Geschäft, da waren alle unterwegs und das Haus meistens voller Gäste. Nicht so an diesem besagten Feiertag. Es regnete in Strömen. Wir staunten, dass überhaupt so viel vom Himmel fallen konnte, und ein Ende war nicht abzusehen. Was machen wir nun mit den vielen vorbereiteten Speisen, mit dem Kuchen und dem Eis? Wir bereiteten das Speiseeis damals noch selbst zu. Es war nicht lange haltbar und musste innerhalb von zwei Tagen verkauft sein. Ja, was tun? Am liebsten wär ich einfach in die Badehütte geflüchtet, um dem Regen zuzuhören.

Plötzlich standen Vater und Sohn (er war zu der Zeit an die 10 Jahre alt) in der Küche. Beide waren mit Regenmantel und Hut ausgerüstet. In der Hand hielten sie Straßenschhilder, Stoppschilder. Ich musste lauthals lachen, obwohl mir eigentlich gerade nicht nach Scherzen war. Ja, und was hatten die beiden eigentlich im Sinn? Nun, sie stellten sich tatsächlich mitten auf die Straße, hielten die Autofahrer mit der Begründung auf, die Passstraße sei wegen eines Erdrutsches gesperrt. Sie boten den Reisenden an, im Gasthaus auf die Freigabe zu warten.

Erlaubt oder nicht, Vater und Sohn war dies egal, Hauptsache es klappt. Und die Gäste strömten und strömten in das Wirtshaus. Sogar ein voll besetzter Autobus war dabei. Im Nu war die Gaststube bis auf den letzten Platz belegt. Alle bekamen Köstlichkeiten vorgesetzt, natürlich gekocht von der "nimmermüden und trotz Regen schwitzenden Wirtin". Nachdem jeder gestärkt war, gab's noch ein tolles Konzert, denn im Autobus waren lauter aktive Blasmusiker, die von einer Deutschlandtournee zurückkamen. Sie spielten in der Gaststube bis zur Dämmerung, und die anderen Gäste blieben auch sitzen, weil es so lustig war. ...