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Kurzbeschreibung

Hubert Christian Ehalt (Hg.).
Mit Beiträgen von Eugen Antalovsky, Hubert Chr. Ehalt, Elfriede Gerstl, Bodo Hell, Klaus Kastberger, Ruth Klüger, Wolfgang Maderthaner, Lutz Musner, Wendelin Schmidt-Dengler, Herbert J. Wimmer.
Bibliothek urbaner Kultur ; 2. – Edition Seidengasse


Viel stärker als auf dem Land konfrontierten die Städte ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Zeitfluss. Die Anwesenheit unterschiedlicher Zeitschichten in der materiellen Kultur wurde immer auch begleitet durch die Konfrontation unterschiedlicher Zeitebenen in der immateriellen Kultur der Werte und Normen, Rituale und Symbole, der Regel- und Verhaltenssysteme. Immer schon begegneten einander in den Städten Menschen ganz unterschiedlicher ständischer, ethnischer und sozialer Milieus: Gelehrte und Analphabeten, Dandys und Spießbürger, Bonvivants und Puritaner, Prostituierte und Moralistinnen, Patrizier und Clochards.
Die Straßen und Plätze der Stadt waren Aufenthaltsort, Schaubühne, Raum für Flaneure und DemonstrantInnen, und – in den letzten Jahrzehnten in immer stärkerem Maß – Verkehrsfläche. Die Städte bieten Arbeit, Kommunikationsmöglichkeiten und unendlich viele Chancen für Konsum, Unterhaltung und kulturelle Gestaltungen.

Möglichkeiten für eine kritische Öffentlichkeit, für eine Kultur der Diskussion und der Unterscheidung, für eine durch besseren Argumente bestimmte Diskussion müssen täglich neu erarbeitet und erkämpft werden.

Die Buchreihe »Bibliothek urbaner Kulturen«, hat es sich zum Ziel gesetzt, urbane Kulturen als Lebenswelten und als Diskurse, als Ereignisse und Prozesse, als Strukturen und als Narrative zu erörtern. Genaue Analysen und Befunde schaffen die Möglichkeit für Urteile und für Bilanzen. Die Publikationen der »Bibliothek urbaner Kultur« sollen Diskussionen anregen, fundierte Sichtweisen und Bewertungen ermöglichen und die Chance eröffnen, Qualitäten städtischer Kultur zu erhalten und auszubauen.


Rezensionen
W. Edgar Yates:

[…]

Ein vielseitiges Buch, der zweite Band der „Bibliothek urbaner Kultur“, heißt einfach „Wien: Die Stadt lesen“ – ein vielversprechender Titel, der sich fast als Zusammenfassung der Arbeitsweise von Hubert Christian Ehalt verstehen ließe. Ein Untertitel lautet „Die Stadt als Text: verfasst und wahrgenommen“. Es geht um die Vielseitigkeit des Lebens und vor allem der Menschen der Stadt: In seinem eigenen Beitrag, „Wiener Qualitäten“, schreibt Ehalt: „Wien ist ein Paradies ganz unterschiedlicher Lebensqualitäten, die sich den BewohnerInnen und BesucherInnen zum Teil unmittelbar und offenherzig, zum Teil nur in einem langen Aneignungsprozess erschließen.“ Und auch dann ist die Sichtweise jedes Individuums anders – in diesem Buch wird die Stadt nicht zuletzt von Dichtern und Schriftstellern „gesehen“.

In einem Beitrag mit dem schönen Titel „Als das Schimpfen noch geholfen hat“ schreibt Klaus Kastberger, Wien habe in den letzten Jahrzehnten „eine eigene literarische Gattung hervorgebracht: die Kunst der Beleidigung“ – was zwanglos zu Gedanken über Thomas Bernhard führt, der gezeigt habe, „dass die Beschimpfung immer wieder zur Kunst wird“. Die Dichterin Elfriede Gerstl macht aus dem ironischen Geständnis einer Schwäche ein ganzes Lebensbild: „Meine Tandelleidenschaft treibt mich seit Jahren in den zweiten Bezirk“. Und in dem gleichen Band schreibt Ruth Klüger in ihrem Beitrag „Erlesenes Wien: Wie seine Dichter es sahen und sehen“ über „literarisierte“ Städte, nostalgische Verklärung, oder wiederum über Thomas Bernhard und die „Hassliebe zu Wien“. In einer interessanten Passage über den „armen Spielmann“ Grillparzers erinnert sie daran, dass der Autor „erstaunlicherweise in keinem seiner Stücke die Stadt Wien als Kulisse gewählt“ hat.

[…]

(W. Edgar Yates, Rezension in: Wiener Zeitung, 9. September 2017, S. 38)


http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/vermessungen/915569_Geballtes-Wiener-Wissen.html?em_cnt_page=2