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Kurzbeschreibung


[Wortbilder von Sabine Müller-Funk]


Momentaufnahme

Durch New York, Tokyo, allein gehen, ohne Menschen.
Dann wüsste ich vielleicht, was die Metropolen
dieser Welt bedeuten.
Paris, die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts.
New York, die Hauptstadt des 20. Jahrhunderts.
Die Hauptstadt des 20. Jahrhunderts wird irgendwo
zwischen Tokyo, Teheran und Kuala Lumpur liegen.
Keiner noch hat sie gesehen.



Rezensionen
Nils Jensen:

Es ist überraschend, welche "andere Seite" der Literatur- und Kulturtheoretiker Wolfgang Müller-Funk, Universitätsprofessor an der Uni Wien, auch hat. Sehr überraschend. Er veröffentlicht viel, der Herr Professor, Essaybände, wissenschaftliche Arbeiten, Analysen und Reflexionen, darüberhinaus ist noch Präsident der Manès-Sperber-Gesellschaft. Und dann das: Lyrik.

Und zwar sehr überraschende: Er wagte diese Sammlung aus vierzehn Jahren, wagte diese Herausgeberschaft, das Herausgeben, das Sich-offen-machen (denn das ist das Entscheidende, wenn man sich aus dem Fenster lehnt und nicht nur darüber spricht, sondern es auch tut.) Er hat diese Textsammlung thematisch strukturiert: Ausgehend von Drosendorf im Waldviertel, seiner zweiten Heimat, fährt er hin und her - Budapest, New York, Tokyo, fährt, wie er das Schlusskapitel benennt, "die Welt entlang", und wir können mit dabei sein. Fein. Im Guggenheim-Museum etwa oder zuhause bei Lukács, oder eben zum Ausgangspunkt zurück, in Drosendorf: "Die Taufrische des Sommers am Morgen. / Der braune Fluß, / der sich durch die Landschaft räkelt."

Wer das Waldviertel, in dessen Norden Drosendorf liegt, liebt, erkennt in diesen drei so einfach klingenden Zeilen Landschaft und Stimmung; genau bezeichnet, scheinbar leicht hingesetzt. In dieser Einfachheit zeigt sich die Könnerschaft. Sehr überraschend. Und sehr schön.

(Nils Jensen, Rezension in: Buchkultur #156, Oktober/November 2014)