Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung


Valerie Kirchheiser (bekannt aus den Geschichten "Die fabelhafte Welt der Valerie") ist eine echte Wienerin und äußerst geräuschempfindlich. Als alter Grantscherben verwünscht sie mitunter die ihr unangenehmen Menschen der Umgebung, mal laut, mal leise.

Plötzlich merkt sie, dass ihre "Wünsche" früher oder später in Erfüllung gehen. Und zwar auf seltsame Art und Weise. Verwirrung und Entsetzen machen sich breit. Sie entzieht sich langsam ihrem kleinen Freundeskreis, hat immerwährende Probleme mit ihrer Kusine und dem Alkohol. Auch eine befreundete Psychologin kann und will ihr nicht helfen. Erst als die Geschehnisse noch turbulenter werden, findet sie zu größerem Verständnis und versucht immer wieder, Herz und Gemüt zu öffnen, was letztlich zu einem guten Ende führt.


Rezensionen
Elfriede Bruckmeier:

Valerie, die alte Wienerin aus dem 10. Bezirk, ist wieder da! Sie tut das, was viele alleinlebende alte Frauen tun: sie führt Selbstgespräche. Sie räsoniert und schimpft zwar noch immer wie im ersten Band "Die wunderbare Welt der Valerie", doch sie macht diesmal im Verlauf der Handlung auch eine Entwicklung durch. Wünscht sie zu Beginn des Buches noch dem Lärm, dem Schmutz und den rotzfrechen Jugendlichen ihres Heimatbezirkes alles Übel an den Hals, so wendet sie sich später dem Alkohol zu, um sich am Schluss, geläutert und milde gestimmt, den zwischenmenschlichen Beziehungen zu widmen.

Am Beginn der Geschichte ist Valerie durchaus bereit, ihren Hass auf unfreundliche Zeitgenossen kundzutun und sie gedanklich zu ermorden! Und, oh Wunder, die virtuellen Morddrohungen funktionieren offenbar, und diese Erfolge erschrecken sie gewaltig. Als der Junge mit dem lärmenden Motorrad sich "darstesst", wie Valerie es gewünscht hat, als der freche Glatzkopf von der Aussichtsplattform stürzt, befürchtet Valerie, dass dies durch ihr Zutun geschehen ist. Und ob wohl der Arzt in der Wohnung über der ihren, dessen ewigen Türenknallen sie so nervt, durch ihre bösen Wünsche erkrankt ist, kann sie ebenfalls nur vermuten. Ein paar Menschen den Tod zu wünschen ist eine Sache. Aber wenn das Ergebnis wirklich eintritt ...

Valerie verkriecht sich in ihrem Bett und spricht dem Alkohol zu.
Wie bei ihr aber nicht anders zu erwarten, ist die Depression nicht von langer Dauer. Sie findet zurück ins Leben, indem sie sich ihren Mitmenschen zuwendet. Zum Beispiel geht sie mit einer befreundeten Psychotherapeutin zum Essen und redet, statt übe die eigenen Probleme, lieber über ihre Cousine Eli und deren Helfersyndrom. Das schafft Erleichterung. Der Leser begleitet sie auch zu einer Autorenlesung - hier genießt man eine gelungene Satire auf diese Art von Veranstaltungen. Zu Weihnachten besucht sie ein Hirtenspiel unter vereisten Bäumen.

Einige alte Herren versuchen, mit ihr anzubändeln, werde aber abgewiesen.
Die Nachrichten im Fernsehen - allesamt Katastrophenmeldungen - bedrücken sie. Klimawandel, hohe Steuern, tiefe Zinsen und schlechtes Wetter, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, alles schlägt sich Valerie auf den Magen. Doch am Ende träumt sie sich bei einem Spaziergang zusammen mit ihrer Cousine Eli zurück in die Kindheit bei der Großmutter im Schrebergarten, als die Segnungen der Zivilisation noch weit weg, die Natur jedoch noch ganz nahe war. Und grämt sich, weil sie befürchtet, vor dem Tod dieser geliebten Großmutter etwas versäumt zu haben. Solche unbewussten Schuldgefühle quälen wohl auch manchen Leser.

Ob Valerie ihre Begabung zu telepathischen Morden nochmals nutzt, wird leider nicht verraten. So gesehen ist das Fragezeichen in dem etwas reißerischen Titel berechtigt.

(Elfriede Bruckmeier, Rezension in: Literarisches Österreich. Zeitschrift des Österreichischen Schriftsteller/innenverbandes, 2/2014, S. 20 f.)


Lisa Bolyos: Der Tod, das muss eine Favoritnerin sein

Valerie Kirchheiser, wohnhaft im zehnten Wiener Gemeindebezirk, hat ein Problem - bzw. ist «eines» noch schwer untertrieben, aber zumindest dieses eine ist nachvollziehbar: Wenn sie, einer kurzen, destruktiven Gefühlsregung folgend, jemandem den Tod wünscht, kommt der Sensenmann diesem Wunsch ohne große Umstände nach. Da ist zum Beispiel der Arzt in der Praxis über ihrer Wohnung, der in allem, was er tut, viel zu laut ist und dem sie den Tod durch Einbetonieren wünscht. Oder der Tischler von gegenüber, den Valerie in einer Flammenbrunst verenden sehen möchte. An jeder Straßenecke ein neues Opfer - Valerie, muss man allerdings sagen, denkt verhältnismäßig oft, diese oder jene Person, die ihre Ruhe stört, möge, bittschee, einfach verrecken.

«Mordet Valerie?» ist der Titel der Erzählung von Augustin-Autorin Marja Gornikiewicz, die als Quasi-Fortsetzung von «Die fabelhafte Welt der Valerie» (edition roesner 2012) in der Bibliothek der Provinz erschienen ist. Aber da gibt es noch andere, zentralere Fragen: Wie erhält man soziale Beziehungen? Und wie die speziellste ihrer Formen, die Freundschaft? Wie hilft frau über alle Gräben zusammen? Was ist ein Problem, dass das Wälzen wert ist, und was nur Zeitvertreib in einem leicht angestaubten Alltag?

Zwei so genannte Sinnsprüche sind dem Buch vor- und nachgelagert: Zum Einstieg George Bernard Shaw, der da sagt, dass die Leute an ihren Problemen manchmal mehr hängen als umgekehrt. Und wie zur Bestätigung am Ende Gottfried Ephraim Lessing: «Das Lachen erhält uns vernünftiger als der Verdruss.» Erkenntnisse, die man der Protagonistin Valerie ein bisschen früher gewünscht hätte; sie nämlich ist bis kurz vor Schluss in ihre Verzwickungen geradezu verliebt und frönt dem Meckern auf sehr wienerische Weise. Und dennoch scheint da zwischen den Zeilen das Panorama einer fabelhaften Welt von Freundinnen zwischen sechzig und siebzig durch, die einander wider alle Umstände solidarisch verbunden sind. Auf eine etwas raue, aber durchaus nachhaltige Art.

(Lisa Bolyos, Rezension in: Augustin. Die erste österreichische Boulevardzeitung Nr. 374 [?], 09/2014, S. 29)


Beatrix Kramlovsky:

"Der Drache aus Stein namens Alter" hat Valerie Kirchheiser überwältigt. Zu ihrem eigenen Befremden ist sie eine ausgeprägte Zwiderwurzn geworden. Valerie (die manche schon aus den Geschichten aus ihrer schrägen Welt, erschienen in der edition roesner 2012, kennen), ist um die Siebzig, eine Pensionistin, die es sich einigermaßen gemütlich gemacht hat. Plötzlich bemerkt sie, dass ihre Suada Verwünschungen enthält, die wahr werden. Das Fürchten vor sich selbst verändert Einiges.

Valerie bekämpft die Angst mit Alkohol und bewusstem Innehalten - wenigstens für Minuten. Mit leichter Hand führt Maria Gornikiewicz in die Gedankenwelt der Protagonistin, die mit Ironie und einer bös sarkastischen Wahrheitsliebe gesegnet ist. Blöderweise verletzt die Heldin mit ihrem allzu schnellen Mundwerk einige Freundinnen, die sie eigentlich liebt. Sie will ja gut sein. Sie bemüht sich, lieb zu sein, besonders zur Kusine, die offensichtlich das ganze Leben in ihrem Schatten stand. Aber leicht fällt es Valerie nicht.

Alles, was sie permanent verärgert, überfordert sie auch. Die fürchterliche Überzeugung, mit ihren Wünschen Katastrophen über andere Menschen zu bringen, stoppt sie gerade noch rechtzeitig.

"Sie sieht ein Stück Erde, das ihr Himmel gewesen ist." Valerie stellt sich den Halluzinationen und ihrer Trinkerei. Dieser Blick zurück gerät ihr nicht zu einem verklärenden Abziehbild, davor schützt sie ihre Persönlichkeit. Aber sie erlaubt sich zögernd, die schönen Erinnerungen als Kraftquelle zu benutzen.

Natürlich sind Buchtitel und Untertitel bereits ein Hinweis auf Valeries ausgiebige Spötteleien, aber sie verraten das Thema: Ist der böse Gedanke tatsächlich Vater der bösen Tat? Ist uns klar, was wir anderen wirklich wünschen? Die in Selbstmitleid, Grantelei und mieselsüchtiger Weltbetrachtung versinkende Valerie wird nur durch den Schreck und ihr schlechtes Gewissen aus ihrer Sackgasse getrieben.

Gornikiewicz führt empathisch und lächelnd ins Denken einer enttäuschten Frau, die sich mit erstaunlichem Mut gewissen Wahrheiten stellt. Die inneren Monologe geraten immer mehr zu Dialogen, auch strukturell ein Zeichen der Öffnung. Alltägliches, das im Alter andere, vor allem unerwartete Hürden bereit hält, wird in einer überzeugenden persönlichen Stimme erzählt, die authentisch berichtet und unaufgeregt trösten kann.

(Beatrix Kramlovsky, Rezension in: Podium Nr. 173/174 [?], S. 149 f.)


Angela Schwarz: Als das Ver-Wünschen geholfen hat

Valerie Kirchheiser ist eine 70-jährige „echte“ Wienerin aus Favoriten. Sie ist dem Rotwein zugetan und putzt in ihrer Wohnung erst, wenn der Schmutz auch ohne Brille zu sehen ist. Und sie ist genervt! Es ist zu laut: die Türen fallen mit explosionsartigem Knallen zu, die Tischlerwerkstatt im Hinterhof macht einen Höllenlärm, die Autos hupen, die Hunde bellen und die Kinder schreien. Auch ihre spärlichen Sozialkontakte mit einer Schulkollegin, einer Ex-Arbeitskollegin, ihrer Cousine und ihrer Ex-Therapeutin heitern sie nicht immer auf. Valerie ist nicht gut auf ihre Umwelt zu sprechen und wünscht so manchen nervigen Mitmenschen Pest und Cholera an den Hals. Als sie merkt, dass einige der von ihr „verwünschten“ Menschen tatsächlich Unerfreuliches passiert, ist sie entsetzt und verunsichert. Mordet Valerie? Wer sich einen Psychothriller im üblichen Sinne vorstellt, wird enttäuscht. Wer sich aber auf eine verschrobene, leicht skurrile Handlung mit der komplexen Persönlichkeit von Valerie Kirchheiser einlassen will, kommt sicherlich auf ihre Rechnung.

(Angela Schwarz, Rezension auf der Webseite von: WeiberDiwan. Die feministische Rezensionszeitschrift, 2. Dezember 2014)


http://weiberdiwan.at/als-das-ver-wuenschen-geholfen-hat/