Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung



Endlich über den Niederungen,
sanftes Tageslicht, grau gleißend im

südwindgewellten Wasser. Die Handyladegeräte
vergessen, das Leergut im

Kofferraum verstaut. Ein Dümpeln,
Wanten scheppern und erster Bienenflug

ist angesagt. Petitionen werden keine
unterschrieben. Eine Heuschrecke

knabbert am Strohhut. So voll im
Gesicht getroffen bist du im Nu

hochgehoben und mitten im Neunten
Land. Schnapp dir die Sense und mäh,

was du kannst. Die Stockente bohrt
sich kraftvoll durch die Luft.


[…]


Rezensionen
Christoph Janacs: Verschwinden in der Tinte

[...] Ganz anders geartet ist da Hans Eichhorns Über den Niederungen. Eichhorn, Jahrgang 1956, von Beruf Fischer, hat viel Zeit zum Beobachten, und aus dieser speziellen Situation erwachsen seine Gedichte: Egal ob die boragepflügte Landschaft bei Triest oder die ihm vertraute Umgebung des oberösterreichischen Alpenvorlandes, die Natur steht im Mittelpunkt seiner Texte. Es ist aber keine Idylle, die er uns ausmalt, sondern eine zutiefst verletzte, irritierend ver- und gestörte Natur, was in abrupt aufeinanderprallenden, jedes heimelige Gefühl zunichte machenden Gegensätzen zum Ausdruck kommt:
»Die Zypressen entlang der Straße, / abgeschnitten vom grünen Plastik des / überdachten Autoabstellplatzes.«

Dabei versagt er sich jeder offen ausgesprochenen Kritik oder einem Lamento ob des Umgangs des Menschen mit sich und der Natur; er stellt einfach fest, seine Position wird ohnedies deutlich durch die Zusammenführung disparater Elemente. Nur manchmal ergreift er Position, dann aber in der für ihn typischen Lakonie:
»Das offene Grab, Scham der Erde / und des Himmels, der seine Wörter und Sätze / zurückholt, um sie erneut als Käfer und Würmer, / Bakterien antreten zu lassen.«

In Passagen wie dieser tritt der Dichter aus der Deckung und wird der Philosoph und Existenzialist sichtbar. Eichhorn, so mein Eindruck, hat sich im Laufe der Jahre einen eigenen Kosmos, eine eigene Poetologie erschrieben: das einzelne Gedicht tritt zurück zugunsten des Ganzen, im Grunde schreibt er an einem einzigen großen Gedicht. Das birgt die Gefahr der Gleichförmigkeit in sich, dass die einzelnen Texte ununterscheidbar werden und zu einem vagen Gesamteindruck verschwimmen. Um dem zu entgehen, bedarf es einer genauen, geduldigen Lektüre. Es lohnt sich. [...]

(Christoph Janacs, Literatur und Kritik Nr. 487/488, September 2014)


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=163622&rezid=45050