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Kurzbeschreibung

"Wos gibt's do zum Lochn?"
oder Die Wiedergeburt des Espressionismus aus dem Geist der Karibik

Die Welt der abstrakten Expressionisten war rau, männlich und wild. Einsame Helden kämpften mit der Leinwand, fochten mit dem Pinsel, verspritzten Farbe wie Blut im Schlachthof. Sie rochen nach Schweiß und Tabak, tranken Unmengen Whiskey und pissten ins Kaminfeuer. Ihre Bilder: emalte Urlaute, Urschreie, Wutausbrücke - oder beredtes Schweigen, Tabula rasa, Stillstand, Stunde Null. Jeder Schritt ein Aufbruch ins Unbekannte; jeder Strich ein Wort im Nichts. Diesen Hemingways der Malerei ging es immer ums Ganze, und die Alternative lautete: Leber oder Tod, Sieg oder Untergang.
Irgendwann sind die Helden in Pension gegangen, bekamen Alzheimer oder Prostatakrebs und sind gestorben. Dafür hängen ihre Bilder jetzt in allen wichtigen Museen; man stellt sich davor und denkt sich: Wow, das waren echte Kerle. Oder: Mau, das ist alles nur Posing. Auf jeden Fall waren die abstrakten Expressionisten die letzten Freibeuter der Malerei, und da wir unser Wissen über die Piraterie seit Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu ausschließlich aus Piratenfilmen beziehen, ist es vielleicht nicht ganz falsch, abstrakt-expressive Bilder mit Piratenfilmen zu vergleichen. Es geht um große Formate (Ozeane), grobe Leinwand (Segeltuch), Monochromie (Segeln im Nebel), viel Schwarz (Augenklappen, Piratenflaggen) drip paintings (spritzende Gischt), all-over-Strukturen (Wasser von allen Seiten), Farbexplosionen (Kanonenfeuer), die Malerpranke (Säbelrasseln), Tragik (Totenköpfe, Gerippe, Holzbeine, etc.), Rausch (Rum), viel Testosteron (hundert Seemänner auf eine Piratenbraut), Wiederholung (sprechende Papageien), Spontaneität ("Beidrehen und Schiff versenken!"), Überwältigung des Betrachters ("Alles klar zum Entern!") und schließlich hohe Auktionsergebnisse (Schatzinseln)... (Anselm Wagner)