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Kurzbeschreibung

[Dieser Katalog erscheint anlässlich der Ausstellungen im Stadion des Wiener Sportklub und im Kulturquartier Tabakwerke Linz.]
[Hrsg.: GGR - Galerie Gernot Rammer]


Fans sind mehr als Zuseher. Sie sind auch Produzenten von Bildern und Teil von Formationen und Szenen. Sie sind Akteure performativer Aktion. Thomas Strobl und ich wollten diese kulturellen und sozialen Phänomene unserer Zeit in einem Zyklus über die Fankurven österreichischer Kultklubs festhalten. So entstand ein Konzept für ein ambitioniertes Kunstwerk: 18 bis 20 großformatige Ölgemälde sollten entstehen.

Mehr als ein Jahr lang hat Thomas Strobl an diesem Zyklus gemalt. Die Bilder von Thomas Strobl führen Fans und Zuseher des Fußballsports, aber auch Kritiker der organisierten Fankultur gleichermaßen hinter die Kulissen der Sektoren. Sie eröffnen eine neue Perspektive auf aktuelle kulturelle und soziale Phänomene. Und sie regen zur Reflexion über kreative und künstlerische Aspekte von fankulturellem Schaffen an, indem sie Menschen in Kommunikation zeigen. Miteinander und mit dem Spiel.


Rezensionen
Galerie Gernot Rammer: Interview mit Thomas Strobl

Galerie Gernot Rammer: Sie haben hunderte (tausende) Fußballfans gemalt. Sind Sie selber einer?

Thomas Strobl: Ich wurde erst durch das Malen der Bilder mit dem Fanvirus infiziert. Ich war als Kind eher unsportlich und hatte auch keinen Vater, der mich auf den Platz mitgenommen hätte. Bis zum Start des Projektes habe ich Fußball und Fans nur aus der letzten Reihe wahrgenommen.

GGR: Aber warum haben Sie sich dann so intensiv mit diesem Thema beschäftigt?

Strobl: Mich haben die Bilder von Fangruppen inspiriert. Manche dieser Bilder erinnerten mich an Gemälde von alten Meistern, die etwa Szenen der französichen Revolution zeigen. In einer Diskussion mit Gernot Rammer kamen wir auf die Idee das Thema in einem Kunstzyklus aufzugreifen. Seitdem beschäftige ich mich quasi rund um die Uhr mit der Fankultur.

GGR: Braucht ein Künstler, der sich mit Fankulturen auseinandersetzt nicht auch eine gewisse Leidenschaft für das Spiel?

Strobl: Eugène Delacroix, der die berühmte Revolutionsszene gemalt hat, war ja auch kein Aktivist der französischen Revolution. Ich sehe in erster Linie Strukturen, Formen, Farben, Körper und natürlich Gesichter. Das was ich sehe, interpretiere ich mit Pinsel und Farbe.

GGR: Ihre Bilder zeigen sehr detailreich die Atmosphären von Fankurven. Wie motiviert sich ein Künstler so einen aufwändigen Zyklus zu malen?

Strobl: Ganz einfach von Strich zu Strich und von Bild zu Bild. Ich arbeite mich an den Bildern ab. Ich arbeite quasi vom Ergebnis her. Und das ist halt erst dann fertig, wenn es soweit ist. Im Idealfall komme ich beim Malen in einen meditativen Zustand. Und die Arbeit ermöglicht mir, hunderte Stunden Musik zu hören. Die begleitet mich eigentlich ständig.

GGR: Nach welchen Kriterien haben Sie die Motive für Ihre Bilder ausgewählt?

Strobl: Das war eigentlich immer ein Diskussionsprozess mit Gernot Rammer. Wir haben uns immer wieder abgestimmt, auch weil wir die Heterogenität der Ausdrucksformen in der Auswahl der Motive widerspiegeln wollten.

(Galerie Gernot Rammer, Interview mit Thomas Strobl, [2012?])


http://www.galerierammer.at/de/kunstler/thomas-strobl