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Kurzbeschreibung

Eva Kittelmann. Ill.: Helga Lauth


Aus manchen frühen Gängen über die Bretter, die die ihr eine Welt bedeuteten, und ihrer folgenden lebenslangen Einhausung in die Welt der Bücher hat Eva Kittelmann ihre große Affinität zur Literatur zum Herzensschatz verdichtet, aus dem sie mit verblüffend leichter Hand Träume sowie phantasievolle Gedanken zu meisterlichen Prosastücken verarbeitet in der schon bewährten Form der vorher veröffentlichten "Quadratur der Verse".

Die Autorin entdeckt uns ihre geheimen Zugänge in die Zauberwelt von Dichtung und Poesie. Sie verknüpft in aparter Aufeinanderfolge und traumhaft-lyrischen Assoziationen verschiedenster Werke der Weltliteratur mit Gestalten der Geschichte & eigener intimer Lese-Erfahrung. Ihr Sprachwitz & diese eigenwillige Mischung aus Ernst, Satire & Ironie werden allen Liebhabern Schöner Literatur interessant und anregend sein.


Rezensionen
Harald W. Vetter: Von den Quadraturen der Transzendenz

Um die Quadratur des Kreises haben sich so manche Mathematiker herum gebalgt, den Preis davongetragen haben aber nur die Dichterinnen und Dichter. Eva M. Kittelmann, 1932 in Wien geboren, ist eine davon. Sie, die jahrzehntelang selbst im Verlagsgeschäft tätig war, in verschiedenen literarischen Vereinigungen wirkt und vieles an Lyrik, Prosa und Essayistik publiziert hat, tritt nun - spät in den Jahren - mit ihrem Opus magnum hervor, das es jetzt zu bestaunen gilt und das einfach gelesen werden muss!

«Die Quadratur der Verse» (2012) und die «Die Quadratur der Texte» (2014), beide im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen und von Helga Lauth kongenial illustriert, sind tatsächlich quadratisch gestaltete Bände mit eben solchen Textblöcken, die man nun vielleicht Prosagedichte oder aber auch short stories ohne wirkliche Handlung nennen könnte. Nein, sie sind vielmehr aberwitzige Märchen, Nachtmahre, wundersame Erinnerungen, Assoziationen und Seitenverweise einer mit hohem Wissenstand ausgerüsteten souveränen Könnerin, die gleichsam ins Mark gehen.

Innere Monologe, welche plötzlich zu einem Gespräch aus einem sozusagen kollektiven Hintergrundrauschen geraten, dann wieder poetisierend und ironisierend das Sein und das Nichts beschwören wollen, kurz gegen Vergessen und oberflächliche Seinsvergessenheit aufbegehren - ja, dies alles ist in diesen beiden Büchern zu finden, aber so, dass es einem wahrhaftig den Atem verschlägt und die Träume sowieso. Kittelmanns bildreiche Lyrik war meist von strengem Ordnungssinn bestimmt, darum ist der existenzielle Riss, der durch diese Texte der «Quadraturen» geht, jetzt umso staunenswerter!

Was also ist Dichtung und Wahrheit? - Können, das scharfäugig durchs eigene Leben fährt, um den anderen dann intensiv von Transzendenz zu erzählen, ob es sie hören wollen oder auch nicht.

Eva M. Kittelmann gehört zu den ganz großen Autorinnen dieses Landes. Man sollte und darf sie einfach nicht verschweigen, nur weil sie sich bisher viel zu bescheiden im Hintergrund gehalten hat.

(Harald W. Vetter, Rezension in: Steirische Berichte #1/2015, S. 55)


Christine Michelfeit:

In Fortsetzung ihres Buches «Quadratur der Verse» ist Eva Kittelmann ihrem Prinzip treu geblieben, Texte typografisch zu Quadraten zu formen und in diesen ihre Träume mit Streifzügen durch Weltliteratur, Geschichte und Religion zu verbinden. So wird jedes dieser literarischen Quadrate zu einem kleinen Kunstwerk, das dem Leser zwar zuerst einige Rätsel aufgibt, aber er versuche es nicht lange mit Lösungen, sondern lasse sich mitreißen von der Gedankenflut, die so genau in diese geometrische Form passt, dass jedes Wort und jedes Zitat seinen Platz hat.

Es gibt keinen roten Faden, der die Texte verbindet, sie sind teilweise in Ich-Form, dann wieder im auktorialen Erzählstil geschrieben, Vergangenheit und Gegenwart, Träume und Realität durchdringen einander. Mit einem Zitat aus den Merseburger Zaubersprüchen lässt sich vielleicht eine Richtung erkennen, mit ihnen wird der Leser zauberhaft in die Ideenwelt der Autorin eingesponnen. Zuweilen wird der Ton wieder ironischer und satirischer und besonders beliebt sind bei Kittelmann auch Wortspielereien wie zu Beginn in der Passage «Etymologie»:

Es besteht der Verdacht, dass flammen & flirren
Flora, Folio, Flaum, flattern & Blatt mit selbiger
Wurzel zurück gehn zur Urzeit der Sprache. Hingegen
Fauré, Fabergé & Flaubert weder verwandt
sind noch auch Parfums. Sie klingen nur schwül.
Umbra &Ambra sind nicht gerade Geschwister./usw.

Aber Kittelmann verarbeitet nicht nur ihre Träume literarisch, auch die bittere Realität wird eingebunden. So bringt sie das Leben im Ghetto, Bombennächte, Besatzung, Flucht und Vertreibung wieder in Erinnerung, wenn auch in dichterischer Umschreibung.

Man kann das überragende Wissen der Autorin und ihre Sprachkenntnisse, die sich in jedem Quadrat manifestieren, nur bewundern. So wird das Buch, zusammen mit den Illustrationen von Helga Lauth zu einem einmaligen Genuss für den anspruchsvollen Leser.

(Christine Michelfeit, Rezension in: Begegnung. Zeitschrift für Lyrikfreunde, 34. Jahrgang, Nr. 163, Jänner 2015, S. 45)


http://www.lyrikfreunde.at/wb/media/broschuere%20gesamt%20-%20Nr.%20163.pdf

Der literarische Zaunkönig:

Ein Feuerwerk aus Assoziationen, Parodien, Wortspielen, Reimen, Traumbildern, Sarkasmen - das alles bietet die neue "Quadratur" von Eva Kittelmann. Mit diesem zweiten Band ihres neuen "Markenzeichens", nach der Quadratur der Verse, werden diesmal ganz unterschiedliche "Texte" in Quadrate gepresst und entwickeln so ein überraschendes Eigenleben. […]

Der Leser lasse seiner Kreativität, wie diese Quadrattexte zu lesen seien, freien Lauf: "Der Reime Klappermühlenlitanei macht herrlich frei!" Oder auch: "Ein Schuss Sarkasmus täte hin & wieder gut, wenn uns die Scharlatane auf der Nase tanzen." (S. 91) Das Buch ist die beste intellektuelle Zerstreuung für zwischendurch.

(Rezension in: Der literarische Zaunkönig. Die Zeitschrift der Erika Mitterer Gesellschaft, #1/2015, S. 59)


Elisabeth Schawerda:

So wie sein Vorgänger, "Die Quadratur der Verse" ist auch dieser Band sehr ansprechend gestaltet, ebenfalls quadratisch, mit Illustrationen Helga Lauths ausgestattet und die Texte ausnahmslos in Quadrate eingeschlossen. Die Autorin auferlegt sich diese Eingrenzung, um ihrer unbändigen Lust zu fabulieren ein Maß zu setzen. Diese Fabulier- und Assoziierlust, das Sprachspiel, die kühnen Sprünge durch Kulturen und Literaturen sind unverkennbare Markenzeichen des Kittelmann'schen Schreibens. Dieses wirkt, als würde es ihr nicht nur mit Leichtigkeit zufallen, sondern als würde es sie überfallen, sodass mit der Quadratform dem Einhalt geboten werden muss.

Traumgeborene Texte, oft tatsächlich geträumte und nachts oder frühmorgens notierte, vom Sprachklang angetrieben, von Lauten verführt, oft auf originelle und humorvolle Weise reimend, bilden ein poetisches Netz, in dem der Leser sich verfängt. Dem suggestiven Sog dieses Sprechens ist schwer zu entkommen. Schon die nächste Zeile kann eine Überraschung sein. Und die Frage, wovon denn hier die Rede sei, bedarf des Überlegnes. Der 'rote Faden' liegt weniger in Inhalt und Handlung als in der Form. Die Form wird in aller Üppigkeit durchgehalten von der ersten bis zur letzten Seite. Aber es gibt Themenschwerpunkte, die aufeinander folgen ohne bezeichnet zu werden, ohne den Fluss der Quadrate durch Zwischenüberschriften zu unterbrechen. In der großen Vielfalt der Themen - "schauen und sehen hieß mich ein Auftrag" - zeichnet sich das Thema Musik, Sprache und Dichtung ab: "Wir lesen also auf, gehen Ausgereiftem nach, um lang davon zu zehren." Als Definition des eigenen Schreibens könnte dieser Satz gelten: "Ins Volle greifen, das ist der Zweck von dem Gedicht."

Für die Thematik des nicht einschlafen Könnens möchte ich ein kleines Textbeispiel zitieren: "Fast wie Rausche bist du dem Bausche wehender Grünschimmerstores, deren Lärchensamtästlein & Pappelblattplaudern hangend verfangen." Und wenn der Schlaf dann kommt, sind wir die "schlafenden Träumer, Spielball geworden schlummernder Kräfte, die in uns kreisen, schäumen & rinnen. Ohne die Aussicht das Spiel zu gewinnen?" Die Schwirrflüge der Assoziationen führen uns zu Orten und in Landschaften. Punktuell leuchten Städte auf, Berge und Buchten, Architekturen. Da und dort bedarf es der Worte einer fremden Sprache, der eigenen eingepflanzt. Ein Reichtum an Wissen und Bildung erweist sich als Quelle der Inspiration. Dur- und Molltöne wechseln einander beständig ab. Auch Verspieltes ist dabei. Und Geheimnisvolles, das unentschlüsselt bleiben will, eine fremde Berührung. Aber die dunkle Tönung herrscht vor, wenn auch nicht immer an der Oberfläche und oft satirisch getarnt. Die Wucht der Aussage verbirgt sich unter dem reichen Geranke der Bilder. Eines ergibt das andere, denn "ich, Träumerin, fiel aus dem engeren Rahmen ins Imaginäre." Wir folgen der Träumerin gegen Ende des Bändchens mit wachsender Beklemmung.

(Elisabeth Schawerda, Rezension in: Literarisches Österreich #2015/1)