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Matri Mitram

Engelsgespräche/Bildersturm ; Restaurierung Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont 2013/14 ; [made for Admont]

Bodo Hell, Norbert Trummer

ISBN: 978-3-99028-428-5
21 x 15 cm, 104 S., zahlr. Ill.: vierf., Halbleinen, Hardcover
€ 20,00
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Kurzbeschreibung

Bodo Hell, Text. Norbert Trummer, Zeichn.


In "Matri Mitram" von Bodo Hell und Norbert Trummer werden einerseits Aspekte der Restaurierung in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont 2013/14 dokumentiert, andererseits gewisse Inhalte und Details de vorhandenen Kunstwerke neu gezeigt und interpretiert. Beide Künstler waren im Lauf von eineinhalb Jahren jeweils mehrere Wochen am Frauenberg, sie zeichneten und notierten direkt vor Ort, recherchierten umfassend und konnten sich durch die Baustellensituation auf den Gerüsten den Kunstwerken in einer Weise nähern, wie das sonst nicht möglich ist.


Rezensionen
Walter Titz: Buch der Woche: Barocke Dialoge im Heute

Bodo Hell und Norbert Trummer widmen sich in ihrer neuen Kooperation der Restaurierung derWallfahrtskirche Frauenberg.

Der Autor Bodo Hell und der bildende Künstler Norbert Trummer sind ein erprobtes Duo. „Budapest Dob utca“ war 1999 Titel eines literarischen Skizzenbuchs mit Texten des einen und 312 Bildern des anderen, 2008 regten barocke Denk-Bilder die Kreativität von Hell und Trummer an: „Admont Abscondita“ hieß das Ergebnis von Doppel-Recherchen auf den Spuren von Athanasius Kircher, Abraham a Sancta Clara, Josef Stammel u. a. in der Admonter Klosterbibliothek.

2013 und 2014 kehrten der Salzburger Schriftsteller und der steirische Künstler erneut im Reich der Benediktiner ein, exakter in der zum Stift gehörenden Wallfahrtskirche Frauenberg – während einer Generalsanierung des barocken Komplexes, ebenfalls ausgestattet von Josef Stammel, dem Meister der „4 letzten Dinge“ in der Stiftsbibliothek.

Die Figuren des Bildhauers spielen inTrummersTinten- und Buntstiftzeichnungen sowie in Hells Texten eine große Rolle. Auch im theatralischen Sinn, indem ihnen, etwa in „Engelsgesprächen“, diverse Überlegungen und Informationen, Reflexionen über Vergangenes und Gegenwärtiges in den Mund gelegt werden – in Hells typischer Manier zwischen Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung.

Die subtilen Bilder des auch als Trickfilmer und Musiker aktiven Zeichners sind großteils vor Ort entstanden. Etliche unter „michelangeloesken“ Umständen, nämlich auf den Gerüsten der Restauratoren. Diese werden ebenso ins Bild gerückt und nehmen mit den barocken Elementen spannende Dialoge auf.

(Walter Titz, Rezension in: Kleine Zeitung, 31. Jänner 2015, S. 90 f.)


Wolfgang Otte:

Letzte, auf den Gipfeln der Gesäuseberge verklingende Sonnenstrahlen, während sich am Talboden der Enns feiner Nebel ausbreitet. Ich trete in die klösterlich anmutende Stille der Wallfahrtskirche Mariä Opferung auf dem Frauenberg, in der Hand das neue Werk von Bodo Hell und Norbert Trummer: "Matri mitram" frei übersetzt "der Muttergottes (von Frauenberg) die Krone". Es ist so ruhig, dass ich meinen Pulsschlag hören kann, keine "Engelsgespräche", kein "Bildersturm" im Kirchenschiff - nur auf den Buchseiten vor mir!

Es ist schon ein besonderes Werk, das hier auf Initiative von Pfarrer P. Winfried Schwab OSB während der zweijährigen Dauer der Renovierungsarbeiten in der Frauenberger Wallfahrtskirche entstanden ist. Bodo Hell hat notierend, Norbert Trummer zeichnend in mehreren längeren Aufenthalten vor Ort die Arbeiten der Restauratorinnen und Restauratoren begleitet. Beide Künstler haben auf ihre ganz individuelle Art das Geschehen verfolgt und beschrieben, dabei das ehrwürdige Interieur - Plastiken und Fresken - zu einem neuen Leben erweckt.

Bereits eingelesen in den Dialog der Engelsfiguren, die seit den 1680er Jahren hoch oben am Fuße der Gewölbejoche das Geschehen im Kircheninneren beobachten, beginnt sich der Raum mit Leben zu füllen. In die Imagination des Autors fließen seine detailreiche Kenntnis der Heiligenlegenden sowie seine Fähigkeit, kulturhistorische Querverbindungen sozusagen von Gerüst zu Gerüst zu knüpfen, ein. Seine liebevollen Beschreibungen von Details in den Bewölbefeldern, in denen der Freskant Antonio Maderni den staunenden Gläubigen das Marienleben vor Augen geführt hat, entbehren an machen Stellen nicht einer gewissen Komik, führen den Blick der Leserin/des Lesers zu Besonderheiten des Geschehens, die ihr/ihm beim schnellen Hinschauen sicher verborgen geblieben wären, wie zum Beispiel zur offenen Frage: "wem gehört die einzelne linke Hand im rechten unteren BildEck: etwa einer verdeckten Figur, die in lila-goldenem Gewand hinter einem wehenden Mantelstück in altrosa Stoffbausch kniet (aber zu welcher Figur gehört dann dieser Mantel wiederum), all das kann Simeon nicht mehr kümmern, da er bereits ins Jenseits blickt, während Maria (den Jesusknaben wird sie gleich zurückbekommen: Lichtmeß!) nach den verpflichtenden Tagen der Verborgenheit jetzt wieder als gereinigt unter Menschen gehen erlaubt ist."

Die Leichtigkeit des Schreibens wird durch die Leichtigkeit der Zeichnungen Trummers gekonnt ergänzt, vor allem durch den Perspektivenwechsel, der oft aus der Aug in Aug Situation entstand und die hehre Kunst mit so profanen Dingen wie Restaurierwerkzeug oder Baugerüst verschmelzen ließ.

Kein Buch fürs am Stück lesen, aber fürs Eintauchen in eine fantastische barocke Glaubenswelt bestens geeignet.

(Wolfgang Otte, Rezension in: Da schau her. Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte, 36. Jg., 1/2015)