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Kurzbeschreibung

Stefan Nebehay. Ill. von Herwig Zens


Brot

Schneide das Korn, wenn schwer die Ähren sind
Bündle die Garben, trockne sie am Feld
Bring sie zum runden Platz am Rand des Dorfs
Und treibe deine Ochsen drüber hin
Führ sie im Kreis, bis unter ihren Hufen
Das Korn sich von den Garben hat befreit

Entfern das Stroh mit einer hölz'nen Gabel
Es soll dein Vieh zur Nachtzeit darauf ruhn
Nun halte deine Wurfschaufel bereit
Und wart geduldig auf den rechten Wind
Er darf zu leicht nicht sein und nicht zu stark
Dann wird er dir die Spreu vom Weizen trennen

Zwischen zwei flachen Steinen reib das Korn
Dass es dir seinen innern Schatz gibt frei
In feste Säcke füll, was du gemahlen
Richte dir einen Trog her, nicht zu klein:
Aus Mehl und Wasser, etwas Sauerteig
Will unter deinen Händen Brot entstehn

Ring, bis zum Gürtel nackt, mit dem Gemenge
Tränk es mit salz'gem Schweiß aus deinen Poren
Bis du dem Teil all deine Kraft geschenkt
Und ist's vollbracht, so teil ihn, fülle ihn
In flache Körbe, streu noch etwas Mehl drauf
Nun gönnt euch beide wohlverdiente Rast

Heiz deinen Ofen, bis er tüchtig warm
Dann säubre ihn von aller Glut und Asche
Bring ein die Laibe, überlass sie ihm
Man feiert Hochzeit, du darfst jetzt nicht stören
Bis unsagbarer Duft dich ruft: es ist so weit

Dank Erde, Wasser, Sonne, Wind und Feuer
Und lade deinen Nachbarn ein zum Mahl
Zeichne drei Kreuze drauf auf jeden Laib
Eh du ihn mit dem Messer schneidest an