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Kurzbeschreibung

[überarb. und erw. Ausg. von „Der GottTeufel“]


Sind Psychosen heilbar?

Der international anerkannte Psychiater Prof. Manfred Bleuler bringt die damit verbundene Debatte in einem veröffentlichten Schreiben an Edward M. Podvoll („Aus entrückten Welten – Psychosen verstehen und behandeln“) auf den Punkt.

„Es ist dringend erforderlich, dass wir uns endlich von dem Vorurteil freimachen, ein psychotischer Mensch werde auch immer psychotisch bleiben. (…) In den letzten Jahren bin ich immer wieder heftig angegriffen worden, wenn ich über meine vielen Erfahrungen mit der Heilung Schizophrener berichtete, die lange Zeit schwer krank gewesen waren. Die Kritik an meiner Lehr- und Heiltätigkeit gipfelt immer in folgendem: ‚Ein schizophrener Patient kann niemals gesund werden – wenn sie glauben, Heilungen schizophrener Patienten beobachtet zu haben, so kann das nur an einer falschen Diagnose liegen!‘ Meiner Meinung nach ist eine solche Einstellung unrealistisch und mehr als schädlich für unsere Patienten.“

Aus psychologischer Sicht kann insbesondere die letzte Aussage nur bestätigt werden, da die Hoffnung auf Heilung eine unabdingbare Voraussetzung zu deren Realisierung ist – wobei man sich bewusst sein sollte, dass schwere seelische Verletzungen oft Narben mit lebenslang einhergehenden Empfindlichkeiten hinterlassen.


Rezensionen
Peter Lehmann:

Der Autor, geboren 1954, verheiratet, zwei Kinder, Mag. Dr. phil., klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe in Österreich und seit 1997 in der Wohnbetreuung tätig, erlebte von 1974 bis 1983 vier psychotische Episoden. Diese beschreibt er offen, detailliert und ohne jede Wertung. Im zweiten Teil finden sich seine in den Krisenphasen entstandenen Texte und Bilder. Sie geben einen exemplarischen Einblick in Form und Inhalt psychotischen Bewusstseins und dessen Klärungsversuche. Eingebettet in den ganz normalen Wahnsinn von Familie, Schule, Bundesheer und Psychiatrie werden die Innenansichten seines Wahns beklemmend folgerichtig. Das Buch handelt von Mut und Eigensinn und davon, wie Psychiatrie und Psychopharmaka dem im Wege stehen. 2006 war es unter dem Titel "Der GottTeufel. Innenansicht einer Psychose" original bei der sozialpsychiatrisch orientierten Edition pro mente im oberösterreichischen Linz erschienen. Bald war es vergriffen. Für die überarbeitete Auflage wählte der Autor den Titel "Erntedankfest – Vorgeschichte, Verlauf und Ausheilung einer Psychose". Kurz vor der Fertigstellung wollte die Edition pro mente den Begriff "Ausheilung" (einer Psychose) durch "Überwindung" im Untertitel ersetzen. Der Autor lehnte ab: Seiner Erfahrung nach sind Psychosen keine zu bekämpfenden Krankheitssymptome, sondern im Gegenteil unterstützungswürdige Selbstheilungsversuche der Psyche im Sinne des Soteria-Ansatzes. Mit der Bibliothek der Provinz fand er glücklicherweise einen Verlag ohne ideologische Scheuklappen.

(Peter Lehmann, Rezension in: FAPI-Nachrichten. Das Internet-Magazin des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags für antipsychiatrische Rezensionen, [?.]6.2015)


http://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel1/hausotter.htm