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Kurzbeschreibung



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Am Freitag war ich in Passau. Meine konkreten Vorstellungen von etwas standen mir wie immer im Weg, doch zumindest sah ich gut aus und fühlte mich gut, ins Solarium ging ich ja erst später. Ich befeuchtete meine Lippen, ließ den Mund leicht geöffnet und nahm eine unnatürlich aufrechte Haltung ein. Die Männer drehten sich nach mir um, ein Junge pfiff mir nach.

Zum Shoppen hatte ich keine Lust mehr, so bummelte ich unmotiviert von Schaufenster zu Schaufenster. Doch weil mir nicht gefiel, was ich da sah, verlegte ich mein Hauptaugenmerk auf die Fußgänger. Ich schaute, was diese für Marken trugen: „Ach du liebe Scheiße, wie kann sie nur?“ Was diese wie kombinierten: „Na bum, die traut sich was, bist du deppert ist das schiach!“ Welche Schuhe die Passanten anhatten: „Puh, die gehen ja gar nicht!“ Wie viele Knöpfe diese offen trugen, ob der Schmuck echt war, wie sich die Damen schminkten, welche Frisuren diese trugen: „Oh Mann, das ist doch schon längst wieder out, noch nicht angekommen, was?“

Ich stolzierte die Fußgängerzone entlang und genoss die neidischen Blicke der Damen. Vor einer Auslage blieb ich erneut stehen, um die ausgestellten Modetorheiten näher zu betrachten. Wieso eigentlich lassen wir uns zweimal im Jahr von einer Hand voll Firmen vorschreiben was in Mode ist, ging mir durch den Kopf. Und wieso akzeptiere ich als Individualist anstandslos, dass ich aussehe wie Millionen andere auch?

Schön brav kaufen, nichts hinterfragen und sich tatsächlich auch noch besser fühlen, das ist ja das Perverse! Brainwash vom Feinsten! Ich ließ meine Schultern hängen. Ist es denn überhaupt möglich, sich diesem Modediktat nicht zu unterwerfen, wenn mir augenscheinlich die Meinung anderer wichtig ist? Mir wurde schlecht.

Da war es also schon wieder. Immer dirigieren mich andere, was für eine Scheiße ist denn das eigentlich? Ich machte kehrt und ging, trug eine hautenge Jeans von Fornarina, schwarze schnörkellose Lederstiefel, ein ausgewaschenes Abercrombie & Fitch-T- Shirt, eine Marc O’Polo-Lederjacke und eine Sonnenbrille von Arnette. Ging zu meinem BMW und verschwand in der Masse.

[…]


Rezensionen
Diana Weidlinger: Wie aus einem privaten Blog ein Buch wurde …

"Fifty Shades of Grey" und "Feuchtgebiete" bekommen Konkurrenz aus dem Innviertel: Eva-Maria Dullinger nimmt in ihrem ersten Buch "Na Eve?" kein Blatt vor den Mund und schreibt sich ihre Fantasien und Träume von der Seele. Dass es sich bei ihrem Erstlingswerk jedoch um mehr als um erotische Trivialliteratur handelt, hebt die 37-Jährige hervor: "Der Leser findet sich in einem wilden Mix aus alten Tagebucheinträgen, Alltagssituationen, Einblicken in die Arbeitswelt einer Filmschaffenden, Gesellschaftskritik und Gedankengängen querbeet wieder."

Ursprünglich waren Dullingers Niederschriften jedoch nicht als Buch, sondern als persönliches Schreibprojekt auf dem Internetportal MySpace konzipiert. "Die Blogeinträge waren eigentlich nur als Countdown zu meinem Dreißiger angelegt. Aufgrund einer stetig wachsenden Leserschaft hat sich meine Reise zum Ich aber irgendwann verselbstständigt und ich habe einfach weitergeschrieben." Durch das Schreiben habe sie gewisse Themen schließlich aufarbeiten können und ihr Leben auf den Kopf gestellt. "Ich habe mich 2007 beruflich in einer ziemlichen Sinnkrise befunden – man kann es auch Midlife-Crisis nennen. Durch mein Mitwirken beim Film hatte ich teilweise 70- bis 90-Stunden-Wochen, was mir jegliche Kraft genommen hat und mich an allem Zweifeln ließ", schildert Dullinger. Mittlerweile hat sie sich in der Filmbranche rar gemacht und sich zum landwirtschaftlichen Facharbeiter ausbilden lassen.

Nicht kindgerecht
Wie gewisse inhaltliche Beschreibungen bereits vermuten lassen, empfiehlt sich für die Lektüre ihres Buches ein Mindestalter von 18 Jahren. "Der offene Umgang mit Sexualität und die teils doch sehr aggressive Sprache schließt Kinder als Zielgruppe auf jeden Fall aus. Für manche Aspekte braucht man auch einfach das richtige Alter, um sie überhaupt nachvollziehen zu können – da ist vielleicht auch Anfang 20 zu jung", so Dullinger. Schön finde sie jedoch, dass es nach oben hin keine Altersgrenze unter der Leserschaft gebe: "Eine 75-jährige Leserin hat mir als Feedback gegeben, dass mein Buch einen super Einblick in die Wünsche und Ängste der jüngeren Generation vermittle."

"Der Mensch entwickelt sich"
Auf die Frage, ob sie heute noch so wie damals schreiben würde, antwortet die mittlerweile 37-Jährige mit einem klaren Nein: "Ich bin die Summe meiner Vergangenheit. Die Zeit rund um meinen 30er kennzeichnete den Beginn einer sehr turbulenten Zeit. Ich war völlig überarbeitet, was sich in Verfassung und Sprache widergespiegelt hat. Viele der Themen von damals sind nicht mehr die Themen von heute. Dennoch stehe ich voll und ganz hinter dieser Lebensphase."

Angst vor negativer Kritik?
Auch wenn der Titel ihres Buches ein Wortspiel mit ihrem Namen und einer Charaktereigenschaft ist, ist Dullinger in diesem Kontext nicht so naiv zu glauben, dass sie nur positive Kritik ernten wird. "Es steht außer Frage, dass es Menschen geben wird, die meine oftmals schamlose Ausdrucksweise abstoßend finden. Wenn ich sagen würde, dass mich das kalt lässt, wäre das gelogen. Hätte ich mich aber selbst zensiert, hätte ich mich selbst verleugnet. Leben und leben lassen, lautet daher meine Devise."

(Diana Weidlinger, Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 19. Juli 2015)


http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/Wie-aus-einem-privaten-Blog-ein-Buch-wurde;art70,1904008

Elena Auinger: Offen, humorvoll und ironisch ist das Erstlingswerk von Eva-Maria Dullinger

Bis 30 ein Buch schreiben, das war das große Ziel von Eva-Maria Dullinger. Jetzt ist die Schardenbergerin 37 und hat es mit ein wenig Verspätung geschafft: ihr erstes Buch „Na Eve?" ist erschienen. Inhalt des Werkes: gesellschaftskritische Texte, Tagebuchaufzeichnungen, Erinnerungen, sexuell offenherzige Geschichten sowie Texte zur Arbeitsweise einer Filmschaffenden.

Eva-Maria Dullinger lebt überwiegend in Wien. Sie ist Filmschaffende und jetzt auch Autorin. Anfang Juni ist ihr erstes Buch „Na Eve?" beim Waldviertler Verlag „Bibliothek der Provinz" erschienen. […] Im Interview erzählt die Schardenbergerin, warum sie es bis zum 30. Geburtstag nicht geschafft hat ihr Buch zu veröffentlichen, über ihren offenen Umgang mit Sexualität und woran sie aktuell arbeitet.


Tips: Was hat es mit dem Titel „Na Eve?" auf sich?

Eva-Maria Dullinger: Ein Wortspiel, das ein Freund von mir kreiert hat. Ich finde es wunderbar. Es ist in Ordnung, dass man vieler meiner Haltungen, Handlungen und Hoffnungen als naiv bezeichnet. Um sich selbst besser einordnen zu können, kategorisieren Menschen nun mal – das ist völlig normal.

Sie sind heute 37: Warum erscheint das Buch erst jetzt?

Meine Blogs sind damals nicht mit der Intention entstanden, ein Buch zu schreiben. Eine gute Freundin hat mich dazu gedrängt, aus den über 650 Texten die besten rauszusuchen und zu veröffentlichen. Und von der ersten positiven Rückmeldung des Verlags bis heute sind noch einmal zwei Jahre vergangen.

Würden Sie denn heute noch so schreiben wie damals?

Nein. Der Mensch entwickelt sich. Ich erwähne es auch im Buch: Ich bin die Summe meiner Vergangenheit. Die Zeit rund um meinen 30er kennzeichnete den Beginn einer sehr turbulenten Zeit. Mein ganzes Leben habe ich auf den Kopf gestellt. Ich war völlig überarbeitet, was sich in Verfassung und Sprache widerspiegelt, außerdem sind viele der Themen von damals nicht mehr die Themen von heute. Trotzdem stehe ich voll und ganz hinter dieser Lebensphase.

Zu ihrem offenen Umgang mit Sexualität: Haben Sie denn keine Bedenken, dass man Sie deshalb anprangern wird?

Es steht außer Frage, dass es Menschen geben wird, die meine oftmals schamlose Ausdrucksweise abstoßend finden werden. Doch auch das ist völlig normal, stellt man doch durch die Vorstellung des eigenen Lebenskonzeptes unbeabsichtigt das des anderen in Frage. Leben und leben lassen, lautet daher meine Devise. Toleranz und mehr Gelassenheit sind in diesem Zusammenhang ebenso gute Stichwörter. Und all jene Menschen, die der Meinung sind, ‚Das gehört sich nicht!‘, möchte ich ganz einfach bitten, das Buch nicht zu kaufen.

Klingt wie ein PR-Gag.

Nein, das ist tatsächlich kein Verkaufsschmäh, es ist, was es ist – ein gut gemeinter Ratschlag nämlich. Abgesehen davon ist Sex nur ein Teil des Ganzen, er spielt keine reißerische Rolle, sondern nur eine unter vielen. Außerdem ist „Na Eve?" nur mehr bedingt autobiografisch, durch das spätere Überarbeiten blieb vom Original nur mehr wenig übrig.

Also keine Angst vor einem Shitstorm?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich ein Shitstorm kalt lassen würde, doch hätte ich es anders gemacht, hätte ich mich selbst verleugnet. Und das will ich nicht.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Zum einen beschäftige ich mich im Zusammenhang mit dem beängstigenden europaweiten Rechtsruck in einem Langzeitprojekt mit den unzähligen Möglichkeiten, wie Menschen beeinflusst und manipuliert werden können, ohne dass sie das wissen. Dabei herauskommen soll eine Art Sachunterrichtsbuch, das es in sich haben wird, so viel kann ich versprechen. Zum anderen habe ich soeben die Recherche zu zwei Drehbüchern abgeschlossen. Nun gehören sie geschrieben.

(Elena Auinger im Gespräch mit Eva-Maria Dullinger in: Tips Schärding, 6.7.2015)


http://www.tips.at/news/schardenberg/land-leute/319828-offen-humorvoll-und-ironisch-ist-das-erstlingswerk-von-eva-maria-dullinger

Stephen Sokoloff:

Eva-Maria Dullinger analysiert das Alltägliche

Die 37-jährige Autorin zeigt uns in diesem sehr freizügigen Werk unverhüllt ihre Träume und Fantasien. Mit Sexualität geht sie ganz offen um und bedient sich manchmal einer aggresiven Sprache. Sie redet auch über Alltagsituationen, ihre Arbeit als Filmschaffende und ihre Sinnkrise.

Das Buch begann als Blog auf dem Internet-Space "My Portal". Immer mehr Leser wollten sie auf ihrer "Reise zum ich" begleiten, und so ist dieses Buch entstanden. Was Dullinger uns bietet, ist ein Mix aus Tagebucheinträgen, Gedanken, gesellschaftskritischen Bemerkungen und vieles mehr.

Nicht alle Leser sind begeistert, einige finden ihren Seelenstriptease abstoßend und langweilig. Das hatte sie auch nicht anders erwartet, trotzdem lässt sie die Kritik nicht kalt. Immerhin dankte ihr eine 75-jährige Leserin für den "Super-Einblick in die Wünsche und Ängste der jüngeren Generation".

(Stephen Sokoloff, Rezension in: MagazInn, Ausgabe Dezember 2015)


Helene Breitenfellner: „Ich bin brav und böse“

Eva-Maria Dullinger mutet ihren Leser*innen einiges zu.

In ihrem Erstlingswerk, das ursprünglich als privates Schreibprojekt in einer schwierigen Lebensphase rund um ihren 30er gedacht war („Ich war überarbeitet und gerade dabei, mich an die Wand zu fahren“), nimmt uns die in Wien lebende Filmschaffende mit auf eine wilde Reise quer durch pornografische Tagträume, Erinnerungen an ihre Jugend in der Innviertler Sauwald-Gegend, Eindrücke von ihren Reisen sowie von Alltagsbegegnungen in überfüllten ÖBB-Zügen, Freibädern oder auf Filmsets.

Mit Ironie und einem geradlinigen Mix aus Hochdeutsch, Fäkalsprache und Dialekt erzählt Dullinger über ausbeuterische Arbeitsumstände im Filmbusiness und lässt uns teilhaben an Gedankengängen zu unterschiedlichsten Fragen des menschlichen (Zusammen)Lebens, seien es nun eschlechterverhältnisse, Intimrasuren, Stadt- und Landleben, Rauchverbot, Hundstrümmerl oder Wunderbäume. Schonungslos!

(Helene Breitenfellner, Rezension in: WeiberDiwan. Die feministische Rezensionszeitschrift, Sommer 2016)


http://weiberdiwan.at/cms/wp-content/uploads/2016/07/WD_1606_Final_.pdf