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Kurzbeschreibung


Allenthalben hört man, dass Angler über besondere Lateinkenntnisse verfügen. Diese mögen mehr oder weniger die binomische Nomenklatur des Carl von Linné betreffen, nach der die Schleie etwa tinca tinca, der Hecht aber esox lucius, der Wels oder Waller hingegen silurus glanis und der Bachsaibling wiederum salvelinus fontinalis genannt werden. Nur ist es damit beileibe nicht getan, denn weit darüber hinaus scheint das Latein der Angler es ihnen zu ermöglichen, etwa Geschichten von wenigstens glaubwürdiger Fragwürdigkeit, jedenfalls aber fragwürdiger Glaubwürdigkeit allen Ernstes als wahr und wirklich auszugeben.

Einmal, so heißt es, fand man im Bauch so eines kapitalen Wallers die sterblichen Überreste eines Dackels. Ein Jahrhunderte früheres Mal soll sogar ein ins Wasser gefallenes vierjähriges Kind von einem solchen Fisch gepackt, auf den Grund gezogen und verschlungen worden sein. Dieses Wassertier war, wie am Ende des Berichts erwähnt wird, so stark und schwer, dass trotz vieler Versuche, das Ungeheuer zu fangen, selbiges nie gelang, weil das biest sich einfach auf den Grund des Flusses gelegt haben und jeder Kraftanstrengung widerstanden, jede Angelleine zerrissen haben soll. Kurzum es war nicht dranzukriegen.

Die folgende Geschichte ist nicht eine, die dem Leser ersparen, aber auch nicht eine, die ihm nahe legen will, zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden zu sollen. Freilich, so verständlich einerseits das interesse an Wahrheit auch sein mag, ist doch die Unwahrheit andererseits nicht selten unterhaltsamer. Indes, was die wenigen lateinischen Wörter betrifft, rechtfertigen sie keinesfalls den Schluss, dass es sich beim Erzählten jedenfalls um Anglerlatein handle. Gewisse Wahrheiten sollten in ihm wohl vorhanden sein, daran wenigstens darf kein Zweifel bestehen.

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Rezensionen
bü: Anglerlatein

Der pensionierte Lehrer und Angler Heinrich Angerer hat eine Lieblingsstelle am Inn, die er gerne aufsucht, obwohl sie so nichts idyllisches aufzuweisen hat. Als er dort eines Tages einen riesigen Hecht drillt, tauchen überraschenderweise vier osteuropäische Gestalten auf, und das Geschehen nimmt einen bösen Verlauf.

Heinz Ammerer schildert das Leben und die (Alp-)Träume Angerers in drastischen Bildern. Da sind zum Beispiel die gefangenen Barsche, die per Genickbruch in den Himmel befördert werden, oder ein gespeerter Zackenbarsch, der sich in einer Höhle festsetzt und von dem nur noch ein "bleicher, schuppiger Fischhautfetzen" übrig bleibt.

Eigentlich mag man das Buch nicht zu Ende lesen. Aber irgendwie fesselt es doch - bis zum apokalyptischen Ende. Der alte Mann und der Inn verursachen eine gehörige Portion Gänsehaut beim Lesen. Aber es ist nichts für Angler, die einen gemütlichen Abend am Kamin verbringen wollen.

(bü, Rezension in: Fisch & Fang. Das Erlebnis-Magazin für Angler, Oktober 2015, S. 144)