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Kurzbeschreibung


[…]

Als er hoch auf seinem Rad in das Dorf wie in einen verlassenen Kuhstall einfuhr, fürchtete er, sich den Kopf an der Decke anzuschlagen, und stieg ab. Bis auf weiteres schob er sein Rad, hob es über mit Steinen und Geröll angefüllte Straßen und stieß auf einen schön asphaltierten Weg, der zuerst leicht bergauf verlief, dann gerade und zielstrebig zum See hin abfiel.

Das ist lästig, sagte er zu den zwei Personen, die ihn kritisch musterten, als er sein Rad schulterte. Das ist mühsam, sagten sie und gaben ihm recht. Die Straße und was zu ihr gehörte, verlor sich in einem Anhänger, auf dem ein großer hölzerner Löffel lag, mit dem Teer in die Eimer geschöpft werden konnte. Entweder musste die Straße ausgebessert oder ein Gebäude saniert werden. Diese primitive Arbeitsweise mit den primitiven Arbeitsgeräten erinnerte ihn an die Arbeit seines Vaters, der als Gemeindehilfskraft diverse Ausbesserungen an Wegen und Gebäuden vorzunehmen hatte.

Ein wenig Teer könnte auch er gebrauchen, so nahm er den hölzernen Löffel, ging mit dem in Bereitschaft gehaltenen Löffel um den Anhänger und konnte keinen Teer entdecken. Dafür entdeckte er kleine Kartons, die er bemalt, zurechtgeschnitten und offensichtlich auf dem Anhänger liegengelassen hatte. Zumindest einige Kartonfetzen, die anderen lagen rund um das Haus und auf dem Gehsteig, vor dem der Lieferwagen mit dem Anhänger geparkt war.

Ist es ein Lieferwagen? Nein, es war vermutlich ein ganz normaler Pkw, vielleicht ein ganz normaler Pkw-Kombi, ja, so könnte es gewesen sein. Und wie er so mit seinem großen hölzernen Löffel dastand und nach dem Teer suchte, dachte er, wozu brauche ich jetzt den Teer, was will ich mit dem Teer, sodass er sich rasch entschloss, den Teer einfach zu vergessen und nach Hause zu gehen.

Er wollte sein Auto holen und möglichst rasch die Kartonblätter einsammeln und abtransportieren; dann habe ich sehr viel Vorrat und auch einiges zu tun. Ich kann diese Arbeit sofort in Angriff nehmen oder ich mache es später, es ist egal. Es ist jedenfalls eine Freude, soviel Vorrat zu sehen und zu haben, das ist wie Rohstoffe anhäufen, um für die Weiterentwicklung und die Fertigung gerüstet zu sein.

[…]


Rezensionen
Astrid Windtner: Einzigartige Zeilen

Der Attersee im Salzkammergut ist Schauplatz für die acht Erzählungen von Hans Eichhorn im Buch „UND (Alles geschenkt)“. „Die Brombeeren sind reif und wollen geerntet werden. Die Kornäpfel sind reif, fallen zu Boden und werden sofort von den Wespen zerfressen. Der Südwestwind fegt über den See und verhindert die Ausfahrt mit dem Boot.“ Berufsfischer im Nebenerwerb, Schriftsteller und Maler Eichhorn schafft im Wechselspiel von Dichtung und Prosa einzigartige Zeilen, in denen sich Gedanken, Alltagsgeschehen und Träume zu vermengen scheinen.

Das vielseitige Schaffen von Hans Eichhorn wurde bereits 2005 mit dem OÖ. Landeskulturpreis für Literatur ausgezeichnet und die Literaturzeitschrift „Die Rampe“ widmete ihm im Jahr 2011 eine eigene Portraitausgabe mit 30 Beiträgen: „ (…) sein mannigfaltiges Œuvre, das von prosaischer Lyrik bis zu lyrischer Prosa, von absurden Minidramen bis zur reflexiven Langprosa reicht. Trotz der unterschiedlichen Ausformungen seines Schaffens, das seit 2000 auch Bilder umfasst, finden sich leitmotivische Verschränkungen: der Attersee und der damit verbundene Brotberuf Hans Eichhorns, das Fischen.“

(Astrid Windtner, Rezension in: Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift der OÖ Kultur, 71. Jg., Folge 09, November 2017, S. 14)